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Onkologie

Papilläre Schilddrüsenkarzinome sind die häufigste Art der Schilddrüsentumore und haben in den letzten Jahren zugenommen. Von dieser, prognostisch eher günstigen Form des Schilddrüsenkrebses sind Frauen häufiger betroffen. Die anderen Arten von Schilddrüsenkarzinomen kommen bei Männern öfter vor.

Die Therapie besteht, je nach Tumorgröße, aus der teilweisen oder kompletten Entfernung der Schilddrüse und gegebenenfalls der Entfernung der Lymphknoten. Um das Rezidivrisiko zu verringern, erhalten Patienten im Anschluss häufig eine ablative Radiojodtherapie.

Stimmbandnerven können bei der OP beschädigt werden  

Mögliche Komplikationen der Thyreoidektomie sind ein- oder beidseitige Verletzungen der Stimmbandnerven und eine daraus resultierende Heiserkeit. In manchen Fällen bildet sie sich wieder zurück, in manchen Fällen ist sie bleibend. Auch Probleme beim Sprechen können auftreten. Müssen die Nebenschilddrüsen komplett entfernt werden, leiden die Patienten anschließend an Hypoparathyreioidismus und müssen ihr Leben lang Kalzium und Vitamin D substituieren.

Chinesische Mediziner um Zhen-Long Zhao vom China-Japan-Friendship-Hospital in Peking und Shu-Rong Wang vom Yantai Hospital of Shandong Wendeng Orthopaedics and Traumatology haben in einer retrospektiven Studie die Behandlung papillärer Schilddrüsenkarzinome durch minimal-invasive Mikrowellenablation und chirurgische Resektion verglichen. Dabei haben sie die Gesamtüberlebensrate und das progressionsfreie Überleben beurteilt.

Die Mikrowellenablation zerstört den Schilddrüsen-Tumor mit Hitze  

Die Wissenschaftler schlossen 682 Patienten in zehn verschiedenen Zentren in ihre Studie ein, bei denen sie mithilfe des Propensity-Score-Matchings ähnliche Eigenschaften ermittelt hatten. Bei allen Patienten hatten Ärzte im Ultraschall ein multifokales, papilläres Schilddrüsenkarzinom im Stadium T1, ohne Lymphknoten- und Fernmetastasen N0M0, festgestellt.

229 von ihnen, mit einem durchschnittlichen Alter von 44 Jahren, hatten eine Mikrowellenablation erhalten. Dabei wird der Tumor durch eine Sonde zerstört, deren Spitze erhitzt wird. Die mittlere Nachbeobachtungszeit in dieser Gruppe betrug 20 (12 – 74) Monate. Bei 453 Patienten, mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren, entfernten Mediziner den Tumor auf konventionelle, operative Weise. Bei ihnen betrug die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit 26 (12 – 64) Monate.

Weniger Komplikationen durch Mikrowellenablation

Ergebnisse der Studie:

  • Es gab keine signifikanten Unterschiede in den beiden Gruppen hinsichtlich der Gesamtüberlebensrate und der progressionsfreien Überlebensrate nach ein, drei oder fünf Jahren. Nach einem Jahr waren 98,7 Prozent der Patienten mit Mikrowellenablation rezidivfrei und 98,5 Prozent mit operativer Thyreoidektomie. Nach drei Jahren waren es 91,5 Prozent in der Mikrowellenablationsgruppe und 95,0 Prozent in der Operationsgruppe. Hochgerechnet seien es nach fünf Jahren 77,2 Prozent gegenüber 83,1 Prozent, so die Studienautoren.

  • Patienten, die mit Mikrowellenablation behandelt wurden, hatten einen kürzeren Schnitt, es kam zu einem geringeren Blutverlust als bei operativer Resektion und die Eingriffsdauer war kürzer.

  • Nach Mikrowellenablation konnten die Patienten das Krankenhaus früher verlassen.

  • Keiner der Patienten mit Mikrowellenablation war dauerhaft heiser oder litt an Hypoparathyreoidismus. Diese Komplikationen traten nur in der operativen Gruppe auf.

  • „Unsere Studie hat gezeigt, dass die Mikrowellenablation eine vielversprechende Behandlungsoption bei multifokalem papillärem Schilddrüsenkarzinom bietet“, so Dr. Ming-An Yu, Direktor der interventionellen Medizin am China-Japan-Friendship-Hospital in Peking und korrespondierender Autor der Studie. „Zudem ist die Mikrowellenablation mit weniger Komplikationen verbunden und kann die Schilddrüsenfunktion erhalten, wodurch sie die Lebensqualität der Patienten verbessert.“

Quelle:

https://www.rsna.org/news/2024/april/sparing-patients-from-thyroid-surgery

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/schilddruesenkrebs/therapie.html