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Nachdem ein großflächiger Stromausfall in Berlin auch mehrere Krankenhäuser von der Versorgung abgeschnitten hatte, stellt sich bundesweit die Frage: Wie gut sind deutsche Kliniken auf den Ernstfall vorbereitet? Ein Blick nach Sachsen zeigt exemplarisch, wie Krankenhäuser mit solchen Krisensituationen umgehen. Die dortigen Kliniken verfügen über ausreichend Notstromkapazitäten, um den Grundbetrieb «eine gewisse Zeit» aufrechtzuerhalten, wie eine Sprecherin vom Universitätsklinikum Dresden der Deutschen Presse-Agentur erläutert.

Gesetzgeber schreibt Versorgung für mindestens 24 Studen vor

Als kritische Infrastruktur müssen Krankenhäuser die Versorgung auch bei Stromausfällen für bis zu 24 Stunden gewährleisten – so die gesetzliche Vorgabe bundesweit. Am Klinikum Chemnitz geschieht das mit Hilfe von insgesamt elf Netzersatz-Aggregaten, die Strom erzeugen. Versorgt werden damit unter anderem die Notfallambulanz und OP-Säle, die Intensivstationen sowie Sicherheitsbeleuchtung, Aufzüge und Brandschutzanlagen.

Klar sei aber auch: Ein derart langer Stromausfall wie es ihn in dieser Woche in Berlin gegeben hat, würde einen «Ausfall an medizinischer Leistung bedeuten», so eine Sprecherin des Dresdner Uniklinikums. Betroffen wären davon vor allem geplante und nicht dringende Behandlungen und Operationen, heißt es weiter. In Arbeitskreisen mit Behörden und Energieversorgern würden die Notfallszenarien regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. Bei Neubauten werden etwa weitere Notstromaggregate berücksichtigt.

Ernstfall wird beobachtet – aber keine unmittelbaren Konsequenzen

Auch in Sachsens Krankenhäusern hat man den Stromausfall in Berlin aufmerksam beobachtet. Unmittelbare nötige Konsequenzen auf die eigene Notfallplanung sehen die Häuser im Freistaat allerdings nicht. Das Dresdner Uniklinikum musste den Ernstfall zuletzt 2021 meistern. Damals hatte ein Heliumballon einen Kurzschluss im Umspannwerk Dresden-Süd verursacht und einen großflächigen Stromausfall verursacht. Zeitweise waren 300.000 Haushalte im gesamten Versorgungsgebiet in Dresden von Ausfällen betroffen.

Welche Bereiche im Ernstfall am dringendsten versorgt werden müssten, sei lageabhängig, so die Sprecherin des Dresdner Uniklinikums. In Chemnitz geht man nach eigenem Bekunden davon aus, alle drei Klinikstandorte mit den eigenen Anlagen ausreichend für die Notfallversorgung mit Energie beliefern zu können.

Cyberattacken und Schäden durch Metalldiebe bei Netzbetreibern

Auch Sachsens größter Netzbetreiber Mitnetz probt nach eigenen Aussagen regelmäßig den Krisenfall - sei es aufgrund von Naturkatastrophen oder wegen mutwilliger Beschädigungen. Auch der zunehmenden Wahrscheinlichkeit politisch motivierter Angriffe sei man sich bewusst, so Pressesprecher Hagen Ruhmer. «Wir haben diese diffuse Bedrohungslage im Blick und ergreifen Gegenmaßnahmen.» Am häufigsten komme es aktuell zu Hackerangriffen und Buntmetalldiebstählen. Auch verfüge der Netzbetreiber über mobile Generatoren. Einige davon seien auch wegen des großflächigen Stromausfalls nach Berlin geschickt worden. Details zu Sicherheitsmaßnahmen will der Netzbetreiber nicht nennen.

Ähnlich äußert sich der Energieversorger Eins Energie, dessen Tochterunternehmen Inetz das Stromnetz in Chemnitz und Teilen Südwestsachsens verantwortet. Zu Einzelheiten des Netzaufbaus und der Krisenversorgung wolle man sich aus Sicherheitsgründen nicht äußern, so eine Sprecherin. Auch hier häuften sich Vandalismus, Cyberattacken und «bewusste physische Sabotageakte». Trotz hoher materieller Schäden sei es aber bislang nicht zu großflächigen Ausfällen gekommen. Die Risiken würden bereits in der Planungsphase berücksichtigt, das Netz entsprechend redundant gestaltet, um Ausfälle zu beherrschen.

Durch den großflächigen Stromausfall infolge eines Anschlags auf eine Kabelbrücke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren nach Behördenangaben zeitweise rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe ohne Strom. Zu dem Brandanschlag hatte sich eine linksextremistische Gruppierung bekannt. Nach 4 Tagen ist die Energieversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen.

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