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Nachhaltigkeit

Chronische Niereninsuffizienz, Hypertonie, Immunstörungen, Fertilitätsprobleme: Die Liste möglicher Gesundheitsfolgen durch PFAS wird länger – und könnte Europa bis 2050 mindestens 440 Milliarden Euro kosten.

Zu diesem Schluss kommt ein Report der Europäischen Kommission zu den gesellschaftlichen Folgen per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen (PFAS). Rund 360 Milliarden Euro entfallen dabei auf Gesundheitskosten, weitere Milliarden auf Bodensanierung und Wasseraufbereitung. Allein für vier gut untersuchte Substanzen – Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) und Perfluor­­nonansäure (PFNA) – liegen die aktuellen Gesundheitskosten bei rund 39,5 Milliarden Euro pro Jahr. Für viele der mehr als 10.000 PFAS fehlen jedoch belastbare Daten. Die tatsächliche Krankheitslast dürfte daher höher liegen.

Krebserzeugende Altlasten im Körper

PFAS werden wegen ihrer extremen Umweltpersistenz auch Ewigkeitschemikalien genannt. Im menschlichen Körper werden sie kaum metabolisiert und überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Allerdings unterliegen insbesondere langkettige Vertreter wie PFOA und PFOS einer ausgeprägten tubulären Rückresorption, was ihre Elimination deutlich verzögert. Die biologischen Halbwertszeiten liegen beim Menschen typischerweise bei mehreren Jahren.

Derweil verdichtet sich der gesundheitliche Verdacht gegen PFAS. Als besonders vulnerabel gelten Kinder und Schwangere: Beschrieben sind ein vermindertes fetales Wachstum, Schwangerschaftskomplikationen und Fertilitätsstörungen. PFOA stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als krebserzeugend für den Menschen (Gruppe 1) ein – auf einer Stufe mit Asbest, Tabakrauch und Hochrisiko-HPV-Typen. Seit Juli 2020 ist PFOA in der EU weitgehend verboten. Zuvor wurde es etwa für Outdoor-Jacken, Polstermöbel, Imprägniersprays und wasserfeste Kosmetik eingesetzt. Die heutige Exposition erfolgt vor allem über Lebensmittel, Trinkwasser sowie Hausstaub älterer Teppiche und Sofas.

Deutliche Ersparnis durch PFAS-Ausstieg

Der EU-Report modelliert unterschied­liche Szenarien bis 2050. Im Basisszenario bleiben die bisherigen Regulierungen. Dadurch steigen die PFAS-Freisetzungen weiter und die Zahl kontaminierter Standorte wächst. Die jährlichen Gesundheitskosten würden moderat von 39,5 auf 29,5 Milliarden Euro sinken, bedingt durch das Schwinden der verbotenen oder streng regulierten „Oldies“ unter den PFAS.

Langfristig am günstigsten erscheint ein vollständiger Stopp von Produktion und Nutzung. In diesem Szenario würden die Emissionen ab 2030 stark sinken und die Gesundheitskosten bis 2050 weitgehend entfallen. Die Gesamtkosten lägen deutlich niedriger als im Basisszenario. Wegen der Nutzung in kritischen Bereichen wie der Medizintechnik gilt ein solcher Ausstieg derzeit jedoch nur schrittweise als realistisch.

PFAS Gruppenverbot: Die Industrie kämpft um Ausnahmen

Die EU hat einige besonders problematische PFAS wie PFOS, PFOA, PFHxS und langkettige Perfluorcarbonsäuren bereits verboten. Häufig werden sie jedoch durch chemisch ähnliche PFAS ersetzt, weil derzeit meist nur einzelne Stoffe oder Untergruppen reguliert werden können. Daher arbeitet die EU an einer weitreichenden Gruppenbeschränkung, die möglichst die gesamte Stoffgruppe mit wenigen Ausnahmen erfassen soll. Teile der Industrie (unter anderem Medizintechnik, Chemie-, Auto-, Maschinenbau-, Elektro- und Halbleiterindustrie) drängen mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit, Lieferketten und Schlüsseltechnologien auf weitreichende Ausnahmen und lange Übergangsfristen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

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