Mit Aufklärung Harnwegsinfektionen eindämmen
Dr. Dagmar van ThielEine europäische Bevölkerungsumfrage zum Thema Harnwegsinfektionen hat eklatante Wissenslücken und Missverständnisse aufgedeckt. Die Europäische Gesellschaft für Urologie fordert deshalb eine intensive Aufklärung der Menschen, um individuellem Leid und der Ausbreitung der Infektionen vorzubeugen.
Harnwegsinfektionen (HWIs) betreffen weltweit über 400 Millionen Menschen und verursachen jährlich etwa 240.000 Todesfälle. Die damit verbundenen finanziellen Belastungen sind erheblich und werden weltweit auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Das Verständnis der Prävalenz, der Risikofaktoren, des Umgangs mit Antibiotika und der Folgen von Zystitis und Harnwegsinfektionen ist nach Meinung der Experten der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) von entscheidender Bedeutung für wirksame Präventions- und Behandlungsstrategien.
EAU-Bevölkerungsbefragung: Wissensstand zu Harnwegsinfektionen
Aus diesem Grund hat die EAU für ihre jährliche Urologie-Woche 2025 eine Studie in Auftrag gegeben, in der 3.000 europäische Bürger aus Spanien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien zu ihrem Wissen über Harnwegsinfektionen befragt wurden. Die Studienergebnisse demonstrierten laut EAU einen besorgniserregenden Mangel an öffentlichem Verständnis für Blasenentzündungen und HWIs.
Breites Unwissen zu Infektionen
35 Prozent der Befragten konnten eine Blasenentzündung nicht korrekt als Blaseninfektion definieren; unter den jüngeren Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren waren es noch mehr. Einige verwechselten die Infektionen mit einer Hauterkrankung oder gar mit Lebensmittelallergien.
Prävention von Harnwegsinfektionen: Große Lücken im Alltagswissen der Bevölkerung
Harnwegsinfektionen sind oft vermeidbar, aber das Wissen über grundlegende Präventionsstrategien war in der Umfrage bemerkenswert gering:
71 Prozent wussten, dass das Trinken von viel Wasser helfen kann.
Nur 43 Prozent kannten die Bedeutung einer richtigen Hygiene nach dem Toiletten- bzw. Stuhlgang mit Wischen von vorn nach hinten.
Nur 35 Prozent wussten über die Notwendigkeit, nach sexuellen Aktivitäten zu urinieren.
Nur 21 Prozent aller Befragten konnten alle drei wichtigen Präventionsstrategien benennen, und jeder Sechste kannte keine einzige richtige Vorsichtsmaßnahme. Frauen benannten dreimal häufiger die drei richtigen Präventionsmaßnahmen.
17 Prozent glaubten fälschlicherweise, dass die Einnahme von Antibiotika ohne ärztlichen Rat Harnwegsinfektionen verhindern könne.
16 Prozent der Befragten glaubten irrtümlich, dass Antibiotika immer notwendig sind.
Geschlechterunterschiede bei Harnwegsinfektionen: Risiken von vielen unterschätzt
Dass Frauen deutlich häufiger von Harnwegsinfektionen betroffen sind, wussten nur 51 Prozent der Befragten. Allerdings war die Kenntnis der Geschlechterverteilung von HWIs unter der weiblichen Bevölkerung höher: 63 Prozent schätzten das größere Risiko für Frauen richtig ein, während dies 38 Prozent der Männer nicht wussten. Fast jeder fünfte Mann war sogar der irrigen Meinung, dass Männer häufiger betroffen sind.
Teenager schützen: Aufklärung zu Sexualität, Verhütung und Schutz
Junge Mädchen, die bereits besonders durch HWIs gefährdet und sexuell aktiv sind, glauben zu oft, dass die Antibabypille sie schützt und Kondome unnötig sind. Die EAU fordert dringend Aufklärung in Schulen und sozialen Medien, um eine neue Generation junger Frauen mit wiederholten HWIs zu verhindern.