Antikörpertest als Corona-Immunitätsnachweis nicht geeignet

Viele Patienten glauben, schon eine COVID-19-Erkrankung symptomfrei durchgemacht zu haben. Sie wollen sich einem Antikörpertest unterziehen, um ihre Immunität zu überprüfen. Allerdings fehlt es hier noch an Standards und Rechtssicherheit.

Derzeit versuchen viele Menschen, durch eine Untersuchung auf Antikörper im Blut herauszufinden, ob sie bereits mit dem Coronavirus infiziert waren. Das Ergebnis der Antikörperbestimmung ist aber leider weder für die Impfentscheidung noch für den Immunitätsnachweis geeignet, wie die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) erklärt.

Fehlende Standards bei Antikörpertest

Richtig ist: Fast alle Personen bilden nach einer COVID-19-Erkrankung Antikörper gegen das Virus. Um diese zu messen, gibt es jedoch sehr viele unterschiedliche Methoden. Bisher existieren dafür keine standardisierten Verfahren. Auch gibt es keine festgelegten Antiköper-Werte, die eine Aussage darüber erlauben, ob jemand immun ist und für wie lange. Zudem ist es auch möglich, dass ein Antikörpertest positiv ist, obwohl Betroffene nicht mit dem SARS-CoV-2-Virus Kontakt hatten, sondern mit anderen Coronaviren.

Die Immunität gegen das Virus hängt auch nicht allein von Antikörpern ab. Das Immunsystem reagiert auf verschiedenen Ebenen – unabhängig von den Antikörpern spielen bestimmte Immunzellen eine Rolle und können eine Immunität bewirken. Der sicherste Nachweis einer Coronavirus-Infektion ist – jedenfalls nach aktuellem Wissensstand – die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR), bei der das Genmaterial des Virus während der akuten Infektion direkt nachgewiesen wird.

Rechtsverbindlich ist derzeit nur der PCR-Test

Der positive PCR-Test ist aktuell der einzige verbindliche Nachweis für eine Erkrankung. Er dient als Grundlage dafür, dass Menschen als genesen gelten – sowohl in Hinsicht auf medizinische Empfehlungen als auch auf rechtliche Vorschriften.

Wer rechtlich als genesene Person gilt, ist n der sogenannten Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung (seit 9.5.2021 in Kraft) geregelt. Die Durchführung eines Antikörpertests reicht demnach nicht aus. Als genesen gelten Menschen, die mit einem positiven PCR-Test nachweisen können, dass sie mit dem Coronavirus infiziert waren. Dieser muss mindestens 28 Tage und darf maximal sechs Monate zurückliegen. Als Nachweis dient nach diesem Test dann zum Beispiel ein Laborbefund oder eine Bestätigung des Gesundheitsamtes. Nach sechs Monaten ist für Genesene eine einmalige Impfung erforderlich, um weiterhin als immun zu gelten.

Fazit: Anhand von Antikörpern ist es derzeit noch nicht möglich, eine durchgemachte COVID-Erkrankung und damit Immunität zuverlässig nachzuweisen. Durch die laufende Weiterentwicklung der Labormethoden kann es natürlich sein, dass in Zukunft ein geeigneter Test entwickelt wird.

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