Infektionsrisiko

Corona-Gefahr durch Aerosole: So wird Ihr Wartezimmer sicherer

Aerosole können zu einer SARS-CoV-2-Infektion führen, selbst wenn sonst niemand im Raum ist. Damit der Besuch der Praxis nicht zum Superspreader-Ereignis wird, hier die wichtigsten, forschungsbasierten Tipps.

Aerosolforschende werden nicht müde es zu betonen: Die Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 lauert vor allem in Innenräumen. Abstände einzuhalten ist wichtig, reicht aber allein nicht aus. Damit das Wartezimmer nicht zur Keimzelle einer Clusterinfektion wird, lohnt sich ein Blick zurück auf den offenen Brief, den die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) zusammen mit Dr. Gerhard Scheuch im April 2021 an die Regierung schickte. Dort benennen sie sechs goldene Regeln zur Infektionsvermeidung. Aus diesen leiten sich folgende Empfehlungen fürs Wartezimmer ab.

1. Je weniger, desto besser

Achten Sie auf eine möglichst spärliche Besetzung des Wartezimmers. Stellen Sie die Hälfte der Stühle weg und platzieren Sie zwischen den verbliebenen Sitzgelegenheiten Tische als Trennmarken. Doch damit ist es noch nicht getan. Denn auch wenn der Patient das Zimmer verlassen hat, hängen immer noch seine Aerosole in der Luft. Der nächste Wartende kann sich dann weiterhin anstecken, obwohl sich die beiden Personen gar nicht begegnet sind. Eine effektive Lüftung ist deshalb unerlässlich (siehe Punkt 3).

2. Die Zeit abkürzen

Die Aufenthaltszeit Ihrer Patienten sollte möglichst kurz sein. Mit digitalen Terminbuchungssystemen können Sie Anamnesebögen bereits vorab schicken und ausfüllen lassen. Bauen Sie Pausen zwischen den Terminen ein, um die Zahl der Kontakte in der Praxis zu minimieren. Weisen Sie Ihre Patienten auf die Vorläufe hin und bitten Sie zum Wohle aller um Zuverlässigkeit. Neue Apps wie „Wart‘s ab“oder „Waitbird“ (kostenlos für Android und iOS) informieren Patienten via Smartphone, wann es tatsächlich losgeht.

3. Stoß- und Querlüften

Schaffen Sie Bedingungen ähnlich wie im Freien. Alle 20 Minuten sollte mindestens fünf bis zehn Minuten lang gelüftet werden, bei weit geöffneten Fenstern und am besten auch weit geöffneten Türen.

4. Effektives Maskentragen fördern

Patienten müssen im Wartezimmer eine Maske tragen. Eine locker getragene Maske nützt allerdings nichts, da der Patient dann durch die Leckagen atmet. Machen Sie per Aushang darauf aufmerksam. Ihre MFA kann Patienten auf schlecht sitzende Masken freundlich ansprechen, da Laien die Problematik oft nicht bewusst ist.

5. Luftfilter installieren

Installieren Sie, wenn möglich, Raumluftreiniger und Filter nach EU-Norm Din EN 1822. Denken Sie dabei auch an den Fahrstuhl. Hepa-Filter der Klasse H14 binden 99,995 Prozent der Schweb­stoffe in der Luft, sind allerdings eine Investition.

6. Verteilen und entzerren

In einem großen Raum mit hohen Decken verteilen sich die Aerosole besser. Wenn Ihr Wartezimmer klein ist, nutzen Sie für weitere wartende Patienten einen nicht benötigten Behandlungsraum. Eine andere Möglichkeit: Lassen Sie die Patienten von einer MFA anrufen, sobald sie an der Reihe sind. Bei allen Anpassungen denken Sie daran, dass das Wartezimmer die Visitenkarte Ihrer Praxis ist. Sorgen Sie trotz Pandemie für einen angenehmen Aufenthalt.

Hygiene beginnt am Praxiseingang
1. Stellen Sie Spender mit Desinfektionsmittel im Eingangsbereich auf. Dazu ein Schild mit Nutzungshinweisen (30 Sekunden Einreibezeit).
2. Eine Acrylglasscheibe für den Tresen am Empfang schützt Ihr Team.
3. Türkeile verhindern, dass Klinken und Klingeln angefasst werden.
4. Auf Zeitschriften und Spielzeug verzichten. Sorgen Sie für kleine Blickfänge, zum Beispiel hübsche Bilder. Haben Sie bereits ein Praxis-TV?

Autorin: Deborah Weinbuch

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