Chirurgen fordern Impfungen der Patienten vor dem Eingriff

Covid-19 erhöht Sterblichkeit nach Operationen bis um das 8-Fache

Infektionen von frisch Operierten mit dem SARS-CoV-2-Virus führen nach den Operationen zu einem deutlichen Anstieg von Komplikationen und Todesfällen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der internationalen COVIDSurg Collaborative. Die Experten fordern daher eine vorsorgliche Schutzimpfung für chirurgische Patienten.

Laut Studie erhöht eine Covid-19-Infektion kurz nach einer Operation das Sterberisiko um das 4- bis 8-Fache – abhängig vom Alter der Patienten und der Art der Operation. Angesichts dieses Anstiegs plädiert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) dafür, Patientinnen und Patienten im Vorfeld geplanter chirurgischer Eingriffe priorisiert gegen das SARS-CoV-2-Virus zu impfen. Darüber hinaus sollten Eingriffe bei infizierten Patienten nach Möglichkeit um sieben Wochen verschoben werden.

Covid-19 erhöht Sterblichkeit bis um das 8-Fache

Wie die Auswertung des umfangreichen Datenmaterials ergab, zogen sich weltweit zwischen 0,6 und 1,6 Prozent der Patienten im zeitlichen Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff eine SARS-CoV-2-Infektion zu. Diese hatte in allen Altersgruppen einen deutlichen Effekt auf das Risiko der Patienten, innerhalb von 30 Tagen nach der Operation zu versterben. Besonders deutlich war der Anstieg bei den über 70-Jährigen. In dieser Altersgruppe trieb eine SARS-CoV-2-Infektion die 30-Tage-Sterblichkeit 7- bis 8-fach in die Höhe. In der Teilgruppe der aufgrund einer Krebserkrankung operierten Patienten stieg die Mortalität so bis auf 18,6 Prozent.

Impfungen sind sehr effektiv

„Diese Zahlen machen deutlich, dass das noch immer knappe Covid-Vakzin bei chirurgischen Patienten sehr effektiv eingesetzt wäre und die Patienten in der Impfreihenfolge priorisiert werden sollten“, sagt Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen, Vizepräsident der DGCH und Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. In der Gruppe der 50- bis 69-Jährigen etwa, die wegen einer Krebserkrankung operiert würden, reiche bereits die Impfung von 559 Menschen aus, um einen Covid-Todesfall zu verhindern – bei gesunden Gleichaltrigen werde dieser Effekt erst mit durchschnittlich 13.000 Impfungen erzielt. Wann immer möglich solle chirurgischen Patienten daher vor einem planbaren Eingriff ein Impfangebot gemacht werden –  auch wenn der Eingriff hierfür um einige Wochen verschoben werden müsse. Ob eine solche Verzögerung ohne Risiko für den Patienten möglich sei, müsse allerdings im Einzelfall entschieden werden.

Bei Infektionen geplante Operationen um sieben Wochen verschieben

Auch in den ersten Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion besteht ein vorübergehend deutlich erhöhtes Komplikationsrisiko, wie eine weitere auf COVIDSurg-Daten beruhende Studie ergeben hat (2). Demnach war die Sterblichkeit nach chirurgischen Eingriffen in den ersten sechs Wochen nach einer diagnostizierten SARS-CoV-2-Infektion zunächst auf das 4-Fache, dann auf das 3,5-Fache erhöht. Ab der siebten Woche sank sie wieder auf Normalwerte. „Eingriffe sollten daher bei positiv Getesteten nach Möglichkeit um mindestens sieben Wochen verschoben werden“, betont Schmitz-Rixen. „Dies gilt auch für Patienten, die keine oder nur milde Symptome haben.“ Bei Patienten, deren Covid-19-Symptome auch sieben Wochen nach der Infektion nicht abgeklungen seien, sei eine noch längere Verschiebung angeraten.

Operationsstau auflösen

Allerdings birgt auch das Aufschieben von Operationen Risiken. Allein während der ersten Welle der Pandemie hat sich nach Schätzungen der COVIDSurg-Collaborative innerhalb von zwölf Wochen ein weltweiter Operationsstau von 28 Millionen Eingriffen gebildet. Damals waren viele Operationstermine abgesagt worden, weil Kliniken ihren Betrieb drastisch umorganisieren und reduzieren mussten. Aber auch weil Patienten aus Angst vor dem Corona-Virus den Gang zum Arzt scheuten. „In der Folge wurden – und werden – Krankheiten vermehrt erst in einem späteren Stadium entdeckt oder behandelt, mit negativen Konsequenzen für den Therapieerfolg“, sagt DGCH-Experte Schmitz-Rixen. „Die Impfung von elektiv-chirurgischen Patienten kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, diesen Rückstau abzubauen und Gesundheit zu erhalten“, so der DGCH-Experte.

Quellen:

(1) COVIDSurg Collaborative:
SARS-CoV-2-vaccination modelling for safe surgery to save lives: data from an international prospective cohort study. British Journal of Surgery,
http://www.academic.oup.com/bjs/advance-article/doi/10.1093/bjs/znab101/6182412

(2) CovidSurg Collaborative and GlobalSurg Collaborative:
Timing of Surgery following SARS-CoV-2- infection: an international prospective cohort study
Anaesthesia 2021, doi: 10.1111/anae.15458

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