Universitätsklinikum Tübingen

Drastische Folgen der COVID-19 Lockdowns für Krebspatienten

Die Lockdowns in der Corona-Pandemie haben für Krebspatienten zum Teil dramatische Folgen: Jeder siebte Patient bzw. Patientin hat laut einer aktuellen Studie durch die Einschränkungen eine potentiell lebensrettende Tumoroperation verpaßt.

Einer von sieben Patienten weltweit hat während der COVID-19- Lockdowns eine potentiell lebensrettende Krebsoperation nicht erhalten. Dies legen Daten einer Studie des weltweiten Forschungsnetzwerkes COVIDSurg nahe, an der auch Ärztinnen und Ärzte des Universitätsklinikums Tübingen beteiligt sind.

Absagen und Verschiebungen von Krebsoperationen

Für die Studie wurden Absagen und Verschiebungen von Krebsoperationen, die während Lockdowns erfolgten mit Zeiträumen verglichen, bei denen es nur geringe Einschränkungen gab. Während vollständiger Lockdowns erfolgten Operationen demnach im Mittel mit 5,3 Monaten Verzögerung. Ein Siebtel der Patientinnen und Patienten (15%) erhielt die eigentlich notwendige Operation überhaupt nicht. Im Vergleich dazu liegt der Anteil von Patienten, die in Zeiten mit geringer Einschränkung nicht operiert werden konnten, bei unter einem Prozent. Zudem spielten COVID-19 Erkrankungen der Betroffenen selbst keine nachweisbare Rolle für die Ergebnisse.

Auswirkungen auf die medizinische Versorgung

Besonders problematisch war die Situation bei Krebspatientinnen und Krebspatienten, die bereits über sechs Wochen auf ihre Operation warteten oder die sehr gebrechlich waren bzw. bei fortgeschrittener Krebserkrankung, sowie in ärmeren Ländern allgemein. Gerade in Ländern, die nur über eine eingeschränkte Gesundheitsinfrastruktur verfügen, zeigten Einschränkungen signifikante Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Tumorpatientinnen und Tumorpatienten.

„Die Daten zeigen sehr klar, dass Schließung von Kliniken und einschneidende Maßnahmen im Gesundheitswesen während der Pandemie weltweit nachteilige Auswirkungen auf die Schutzbedürftigsten unserer Patientinnen und Patienten hatten“ erklärt Professor Dr. Alfred Königsrainer, klinischer Leiter der Studie in Tübingen und Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie. „Daher sollte die Sicherstellung von Kapazitäten für Krebsoperationen ein wichtiger Baustein der nationalen Pandemieplanung werden, um Nachteile für diese sehr gefährdeten Patientinnen und Patienten zu vermeiden.“

Mehr fortgeschrittene Krebserkrankungen in Deutschland

„Es ist zu erwarten, dass die veränderte Versorgungssituation während der Pandemie, die durch Ergebnisse unserer Studie belegt ist, auch zukünftig Auswirkungen haben wird. Entsprechend kann man damit rechnen, dass durch Verschiebungen und verminderte Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen während der Pandemie fortgeschrittene Krebserkrankungen auch in Deutschland verstärkt auftreten werden. Für dieses Szenario sollten wir bereits jetzt Vorkehrungen treffen“ ergänzt Dr. Markus Löffler, ebenfalls von der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie und einer von drei Leitern des COVIDSurg Forschungsnetzwerks in Deutschland.

Weitere Informationen zur Studie

An der im Fachjournal Lancet Oncology erschienenen Studie beteiligten sich knapp 5.000 Chirurginnen und Chirurgen aus aller Welt. Es wurden Daten von über 20.000 Patientinnen und Patienten mit 15 häufigen Tumorerkrankungen zusammengetragen. Die dafür verwendeten Daten stammen aus 466 Krankenhäusern in 61 Ländern. In Deutschland waren im Rahmen dieser Studie über 90 Ärztinnen und Ärzte aus 19 Klinken beteiligt, die dafür Daten von 399 Patienten und Patientinnen beigesteuert haben.

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