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Erfolgreiches Recruiting mit Social Media: 535 Bewerbungen für 80 Stellen

von A&W Online

Impfzentrum Dachau
Foto: SocialMe
Omikron ist in Deutschland angekommen – allerorten öffnen daher die Impfzentren wieder. Damit einher geht die intensive Suche nach neuem Personal. Wie das gefunden werden kann, zeigt ein Beispiel aus Dachau. Dort setzt der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuz für das Recruiting auf Soziale Medien.

Mit viel Facebook und etwas Instagram gelingt es dem Träger binnen 18 Tagen, alle offenen Stellen im Impfzentrum in Dachau zu besetzen. Von Ärzten über Medizinische Fachangestellte bis hin zur Verwaltungskraft liegen dem Geschäftsführer über die Weihnachtsfeiertage mehr als 400 aussagekräftige Bewerbungen vor.

Personalsuche auf Social Media

Von so einem Ansturm können Arztpraxen und Krankenhäuser nur träumen. Oft bewirbt sich keine einzige Fachkraft auf Stellenanzeigen in Tageszeitungen oder Wochenblättern. Selbst Anzeigen auf Job-Portalen wie Monster oder Stepstone und sogar auf Facebook haben in der Branche oft keinen Erfolg. Aber lässt sich das Vorgehen des BRK in Dachau übertragen? Für Kliniken und MVZ zum Teil auf jeden Fall und auch für kleinere Praxen sind interessante Impulse dabei.

„Wir sind seit knapp zwei Jahren in den Sozialen Medien präsent“, berichtet Kreisgeschäftsführer Paul Polyfka. Drei bis viermal pro Woche postet der Kreisverband Neuigkeiten und Wissenswertes. Offenbar mit Erfolg. Mehr als 6000 Menschen folgen der sozialen Organisation auf Facebook. Auf Instagram, das auch zum US-Konzern von Mark Zuckerberg gehört, sind es aktuell immerhin knapp über 2000 Abonnenten. Fast alle stammen aus dem Großraum München, gehören also zum Kreis potenzieller Bewerberinnen und Bewerber, die im Landkreis Dachau einen Job suchen könnten.

Vertrauen aufbauen

Bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass Polyfka mit einer Agentur aus Dillingen eine komplette Neue-Medien-Strategie entwickelt hat, die greift. Martha Klügl steckt dafür den Rahmen: „Wichtiger Bestandteil sind wiederkehrende Gesichter“, erläutert die Geschäftsführerin von SocialMe. Denn die bauen Vertrauen auf, ähnlich einem Nachrichtensprecher im Fernsehen. Das vertraute Gesicht spricht immer zur selben Zeit zu den Menschen.

Beim BRK übernehmen diese Funktion vier Akteure. Da ist zuerst Geschäftsführer Paul – auf Social Media wird konsequent geduzt – der sich um die Aspekte Management und Wertschätzung kümmert. Auch ist er sich nicht zu schade, potenzielle FSJ-ler einzuladen, sich beim BRK zu bewerben. Notfallsanitäter Martin gibt Einblicke in seine aufregende Arbeit oder liefert Tipps zur Ersten Hilfe. Bettina wiederum arbeitet im Bereich soziale Dienste und stellt die Themen des Ehrenamtes vor. Sie berichtet über Organisatorisches und gibt als Engagierte in der Wasserwacht jahreszeitlichen Rat, etwa zum richtigen Sonnenbaden oder den Schwimmregeln. Markus ist der Kita-Experte. Ihm hören Follower und Fans zu, wenn es um Betreuungsfragen geht.

Inhaltliche und zeitliche Planung der Postings

Im Kern betreibt der Kreisverband über die sozialen Kanäle Öffentlichkeitsarbeit, lange bevor er sich als Betreiber des Impfzentrums bewirbt. „Diese Investition lohnt sich“, so der 44-jährige Sozialbetriebswirt Polyfka, der seit seinem elften Lebensjahr ehrenamtlich beim Roten Kreuz aktiv ist und seit 2015 hauptamtlich die Geschäfte des Kreisverbands leitet.

Neben der Auswahl medialer Vertrauensakteure ist eine inhaltliche und zeitliche Planung der Postings notwendig. „Nur so schaffen wir es, an einem Termin acht bis zehn Videos zu drehen und 50 Fotos für die nächsten acht Wochen zu schießen“, erklärt Social-Media-Fachfrau Klügl. Welche Themen kommuniziert werden sollen, beschließen Agentur und BRK-Dachau im Redaktionsmeeting, das alle zwei Monate im Voraus stattfindet. Fairerweise müsse man sagen, dass das Impfen ein gewisser Treiber sei, so Klügl, die sich von den vielen Bewerbungen überrascht zeigt. Mit mehr als 500 binnen knapp drei Wochen habe niemand rechnen können. Und trotzdem ist es passiert.

Ohne Anzeigenbudget geht es nicht

Das Beispiel aus Dachau kann als Modell dienen. So könnten Krankenhäuser und Arztpraxen ähnliche Kanalstrukturen aufbauen, meint Klügl. Die nicht verschweigt, auch ein Anzeigenbudget für die Impfzentren-Kampagne eingeplant zu haben. Doch sei dieses weit unter den Honoraren für Stellenanzeigen auf Job-Portalen und im Stellenmarkt der Tageszeitungen.

Landingpage für Interessenten

Wichtig für den Bewerberprozess ist zudem eine Landingpage. Eine Webseite, die ausschließlich für potenzielle Interessierte programmiert ist. Auf sie wird in den Postings immer wieder hingewiesen. Sie finden darauf relevante Informationen, etwa, welche Berufe genau gesucht sind und vor allem einen Button, um sich direkt zu bewerben. Und auch hier unterscheidet sich der digitale Weg vom analogen. Statt Lebenslauf und Anschreiben abzugeben, klicken sich Interessierte durch maximal 15 Fragen.

Ein dynamisches System ordnet im Hintergrund die Interessenten den jeweiligen Berufen zu und verkürzt so den Prozess. Klickt sich etwa eine Ärztin durch den Fragebogen, werden ihr Fragen zu Kenntnissen in Organisation und Verwaltung nicht gestellt. Andersrum bekommt ein Bürokaufmann keine Fragen zu seinen medizinischen Fähigkeiten. „So dauert die Bewerbung nur wenige Minuten“, verdeutlicht Klügl. Und Polyfka ergänzt, dass jeder Interessierte beim BRK-Dachau bis heute fast immer binnen 24 Stunden einen Rückruf erhalte. Ein Service, den jeder schätzt, der in Sozialen Medien unterwegs ist, in einem Mangelberuf arbeitet und den Job wechseln will.

BRK-Kreisverband Dachau
Der Kreisverband beschäftigt 280 Mitarbeiter, betreibt im Landkreis 15 Kinderhäuser und betreut dort etwa 1400 Kinder, im Alter von zwei bis sechs Jahren. In diesem Segment mausert er sich zum örtlichen Marktführer. Hinzu kommen drei Rettungswachen, Rot-Kreuz-Shops, Fahr- und Essendienste sowie Senioren- und Herzsportgruppen.
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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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