Abberufung als Strafe?

Ex-Amtsarzt klagt gegen Versetzung nach Corona-Kritik

Der ehemalige Leiter des Gesundheitsamts im Kreis Aichach-Friedberg, der die Politik der bayerischen Staatsregierung während der Pandemie mehrfach kritisiert hatte, wehrt sich gegen seine Abberufung. Unterstützung bekommt er von anderen Medizinern.

Er hat die Corona-Politik in Bayern kritisiert und ist daraufhin versetzt worden: Der frühere Leiter des Gesundheitsamts im Kreis Aichach-Friedberg, klagt nun vor dem Augsburger Verwaltungsgericht auf eine Rückkehr an seine frühere Arbeitsstelle. Das berichtete  die Nachrichtenagentur „dpa“.

Friedrich Pürner war im November 2020 an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit abgeordnet worden, nachdem er mehrfach öffentlich die Corona-Politik der bayerischen Staatsregierung kritisiert hatte. Vor allem den Nutzen von Alltagsmasken hatte er immer wieder bezweifelt – unter anderem auf dem Online-Nachrichtendienst „Twitter“.

Hunderte Mediziner sind aufgebracht

Mit einem Offenen Brief hatten laut Nachrichtenagentur dpa „mehrere Hundert Mediziner“ gegen die Versetzung Pürners protestiert. Die Ablösung des Gesundheitsamtschefs sei ein inakzeptabler autoritärer Versuch, „legitime und in der aktuellen Situation besonders notwendige ärztlich-wissenschaftliche Diskussionen zu unterdrücken“, hieß es demnach in dem Brief an die Staatsregierung.

Der Schwabe ist nun in der Dienststelle Oberschleißheim des Gesundheits-Landesamtes mit dem Aufbau einer neuen Abteilung beschäftigt. Das Bayerische Gesundheitsministerium begründe die Versetzung nach „dpa“-Angaben damit, dass er für diese Tätigkeit besonders qualifiziert sei.

Staatsregierung versucht, zu beruhigen

Pürner hatte im vergangenen Herbst gegenüber dem „Bayerischen Rundfunk“ (BR) erklärt, dass er selbst erst eine halbe Stunde vor der Pressemitteilung von seiner Versetzung erfahren habe. Der Staatssekretär im Bayerischen Gesundheitsministerium Klaus Holetschek betonte damals auf „BR“-Anfrage, ob die Versetzung Pürners etwas mit den kritischen Tweets zu tun hat: „Ich will mich auf diese Diskussion gar nicht einlassen. Ich glaube, das Sachgebiet ÖGD (öffentlicher Gesundheitsdienst) ist ein Wichtiges. Er war schon mal am LGL, er hat Erfahrung und das zeigt doch gerade, dass wir auch kritische Geister mitnehmen.“ (ag)

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