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Gynäkologie
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Nur die Hälfte der Mädchen und ein Drittel der Jungen sind vollständig gegen Humane Papillomviren (HPV) geimpft. Darauf wies das Robert-Koch-Institut schon auf der ersten Seite seines Ende 2025 publizierten Berichts zu den Impfquoten in Deutschland hin. Die HPV-Impfquote bei 15-jährigen Mädchen lag im Jahr 2024 nach Daten des RKI-Impfquotenmonitorings bei 55 Prozent und stagniert somit seit 2022. Die HPV-Impfquote bei 15-jährigen Jungen stieg seit dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 36 Prozent und liegt damit weiterhin deutlich unter der HPV-Impfquote der Mädchen.

Empfehlungen zur HPV-Impfung

Die vollständige HPV-Impfung umfasst drei Impfstoffdosen oder zwei Impfstoffdosen, sofern die Erstimpfung im Alter von 9 bis 14 Jahren erfolgt ist und der Abstand zwischen erster und zweiter Impfstoffdosis mindestens fünf Monate beträgt; eine erste Dosis hatten nach der RKI-Auswertung 2024 68 Prozent der Mädchen und 49 Prozent der Jungen des ausgewerteten Jahrgangs 2009 erhalten.

Regionale Unterschiede: HPV-Impfquoten variieren stark

Wie bei anderen Impfungen auch bestehen bei den HPV-Impfquoten große Unterschiede zwischen den Bundesländern und auf Kreisebene: Je nach Landkreis sind zwischen 26 und 75 Prozent der 15-jährigen Mädchen geimpft.

WHO-Ziel: 90 Prozent HPV-Impfquote bis 2030

Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, bis 2030 eine Impfquote von 90 Prozent bei den HPV-Impfungen zu erreichen.

Das RKI-Impfquotenmonitoring basiert auf den Auswertungen vertragsärztlicher Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen gemäß § 13 Infektionsschutzgesetz (IfSG) und den Erhebungen zum Impfstatus in den Schuleingangsuntersuchungen der Bundesländer.

STIKO-Empfehlungen zur HPV-Impfung: Altersgruppen und Zeitpunkt

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung derzeit mit zwei Impfstoffdosen für alle Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren sowie als Nachholimpfung bis einschließlich 17 Jahre. Demnach startet weiterhin ein Großteil der Jugendlichen ohne ausreichenden Schutz vor HPV-assoziierten Krebserkrankungen ins Erwachsenenleben, kritisiert das RKI. Studien zeigen, dass die Wirksamkeit der Impfung stark vom Alter bei der ersten Impfung abhängt. Die Impfung wirkt am besten, wenn sie vor dem ersten Kontakt mit HPV gegeben wird. Der Anteil an HPV-naiven Personen nimmt relativ schnell mit zunehmendem Alter ab.

HPV-Impfung reduziert Konisationen: Aktuelle Studiendaten

Hinweise auf die positiven Effekte der HPV-Impfung zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs hat eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) gegeben. Bei Frauen, die in ihrer Jugend und Kindheit geimpft wurden, musste nur etwas mehr als halb so häufig eine Konisation durchgeführt werden wie bei nicht Geimpften. Grundlage für die Analyse bildeten die Daten von Versicherten der ersten drei Jahrgänge, die bei Einführung der Impfung im Jahr 2007 zwischen 13 und 15 Jahre alt waren und zum Ende des Auswertungszeitraumes 2024 ein Lebensalter von 30 Jahren erreicht hatten. Bis zum Alter von 30 Jahren wurden je 10.000 geimpften AOK-Versicherten 100 Konisationen durchgeführt, bei nicht geimpften waren es 184 Konisationen.

Übernahme der Kosten durch gesetzliche Krankenkassen

Gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft rief die AOK auch mit Blick auf diese Daten dazu auf, die HPV-Impfquote bei Mädchen und Jungen in Deutschland weiter zu steigern. Vom 9. bis zum 15. Geburtstag wird die Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Manche Krankenkassen ermöglichen darüber hinaus mindestens bis zum 18. Geburtstag eine Nachholimpfung.

Durch Impfaufklärung zu höheren HPV-Impfquoten

„Wir brauchen eine flächendeckende Finanzierung und höhere Verbindlichkeit für die Impfung bei sämtlichen U- und J-Untersuchungen. Auch Schulimpfungen, digitale Impferinnerungssysteme und mehr ärztliche Aufklärung können die Impfquote steigern. Letztere sollte vor allem auch für Jungen verstärkt stattfinden, denn bei diesen ist die Impfrate extrem niedrig“, betonte Prof. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, angesichts der Daten. „In anderen Ländern wurden so sehr gute Ergebnisse erzielt. Deutschland liegt im europäischen Vergleich nur auf Platz 19. Wir brauchen eine Herdenimmunität, damit möglichst viel künftiges Leid vermieden werden kann.“

HPV-Impfung für Jungen: Schutz vor weiteren Krebserkrankungen

Auch Jungen können sich mit HPV infizieren oder das Virus übertragen. Eine Infektion kann bei ihnen zu Krebs im Mund- und Rachenraum, zu Penis- und Analkrebs führen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher seit 2018 auch bei dieser Gruppe eine HPV-Impfung. Für Mädchen hatte die STIKO bereits 2007 und damit kurz nach Einführung der Impfung eine entsprechende Empfehlung ausgegeben und 2014 das empfohlene Impfalter auf 9 bis 14 Jahre gesenkt.

Schulimpfprogramme: Erfahrungen aus Bremen und Hessen

Das Robert-Koch-Institut hat 2025 über zwei HPV-Schulimpfprogramme in der Stadt Bremen und dem hessischen Landkreis Bergstraße berichtet. Im Vergleich der 16 Bundesländer lag Bremen ohne Einberechnung des Schulimpfprogramms bei den 15-jährigen Mädchen in den Jahren mit dem größten Zuwachs der Impfquote an 14. (2017), 15. (2018) bzw. 16. (2019) Stelle, nach dem Hinzurechnen der HPV-Impfungen des Schulimpfprogramms findet sich Bremen auf dem siebten (2017 und 2018) bzw. neunten Rang (2019). Die Evaluation des als Modellprojekt durchgeführten HPV-Schulimpfprogramms im Landkreis Bergstraße zeigte dagegen, dass es über einen Beobachtungszeitraum von insgesamt zehn Jahren den Impfzeitpunkt vorverlagern konnte, jedoch insgesamt nicht zu wesentlich höheren Impfquoten im Vergleich zu Hessen insgesamt geführt hat. Unter den 26 hessischen Landkreisen lag der Landkreis Bergstraße bei den HPV-Impfquoten zwischen 2022 und 2024 an 9., 6. und 14. Stelle und damit ähnlich wie schon in den Jahren vor dem Schulimpfangebot. Dies lässt laut RKI vermuten, dass durch das Schulimpfangebot vor allem Familien erreicht wurden, die ohnehin zur Impfung bereit waren, während neue Elterngruppen nicht hinzugewonnen wurden. Eine genauere Analyse dieser Aspekte fehlt aber bisher.

Bremen: Flächendeckendes Schulimpfprogramm für HPV

In der Stadt Bremen wird seit dem Schuljahr 2013/2014 vom Gesundheitsamt ein flächendeckendes HPV-Schulimpfprogramm durchgeführt, Ausnahmen bildeten die Corona-Schuljahre. Zielgruppe sind alle Schülerinnen und seit dem Schuljahr 2022/2023 auch alle Schüler der achten Klassen (13- bis 14-Jährige) in der Stadt Bremen.

Landkreis Bergstraße: Modellprojekt für HPV-Schulimpfungen

Das Schulimpfprogramm im Landkreis Bergstraße in Hessen begann im Schuljahr 2015/16 mit zunächst sechs Schulen und richtete sich an Mädchen der vierten Klassen. Bis zu den Schuljahren 2018/19 und 2019/20 erreichte das Schulimpfangebot rund die Hälfte aller Viertklässlerinnen im Landkreis,bevor es pandemiebedingt ab 2020 pausierte. Ab 2023 fanden wieder erste Schulimpfungen statt.

Daneben gibt es auch in Leipzig ein HPV-Schulimpfprogramm.

Früherkennung bleibt essenziell – auch nach HPV-Impfung

Weil die HPV-Impfung zwar gegen viele, aber nicht gegen alle Hochrisikostämme des Virus schützt, bleibt die Teilnahme an der Früherkennung auch für Geimpfte weiterhin wichtig. Laut Früherkennungsmonitor 2025 des WIdO waren die Teilnahmeraten an der Früherkennung bei ungeimpften und geimpften 25- bis 35-jährigen Frauen 2024 mit 86 beziehungsweise 89 Prozent annähernd gleich hoch.

Praxis-Tipp: Impf-Erinnerung für Eltern zum Download

Auf der Website der AOK steht ein Kalender-Reminder zum Download bereit, der Eltern weitergegeben werden kann und sie an ausstehende HPV-Impfungen erinnert:

https://www.aok.de/pk/magazin/cms/fileadmin/pk/pdf/noindex/zeit-fuer-hpv-vorsorge.ics

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