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Urologie
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Kilometerlang wäre das dichte Netzwerk feinster Blutgefäße in den Nieren, würde man es in die Länge ziehen. Und es reagiert besonders sensibel auf Druck- und Zuckerbelastung. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) empfiehlt daher bei Risikopatienten, regelmäßig die Nierenfunktion anhand der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und den Urin-Albumin-Kreatinin-Quotienten (UACR) zu prüfen. Als Beispiele für Risikogruppen nennt die Fachgesellschaft ältere Menschen sowie Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Diabetes. Bei ihnen plädiert die DGfN für ein zielgerichtetes Screening. Auch im Rahmen des Check-ups, der gesetzlich Krankenversicherten ab dem 35. Lebensjahr zusteht, sollten diese Werte unbedingt berücksichtigt werden, betonte die Fachgesellschaft. 

Früherkennung in der Hausarztpraxis: Potenzial und Herausforderungen

Leider sei dies aktuell nicht vorgesehen, kritisierte Kongresspräsidentin Prof. Julia Weinmann-Menke, Mainz. Dabei ermöglichen Urin- und Bluttests auf Albuminurie und eGFR eine einfache, kostengünstige Diagnostik in der Hausarztpraxis, wirbt die Fachgesellschaft. Hier sei die Gesundheitspolitik gefragt, um das Screening auf eine chronische Nierenerkrankung (CKD) in Vorsorgeprogramme zu integrieren.

Nierenerkrankungen im Fokus: Interdisziplinäre Versorgung und Patientenedukation

Auf der Kongresspressekonferenz stellte die DGfN die Aufgabe heraus, das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Nieren-, Herz- und Stoffwechselkrankheiten zu schärfen. Und zwar sowohl bei Patienten als auch in der fachübergreifenden Versorgung durch Nephrologie, Diabetologie, Kardiologie und Hausarztmedizin. 

InspeCKD-Studie: Defizite bei der CKD-Diagnostik in Hausarztpraxen

Die Fachgesellschaft verwies auf die Ergebnisse der 2024 veröffentlichten InspeCKD-Studie. Diese hätten gezeigt, dass trotz bekannter Risikofaktoren für eine CKD eine leitliniengerechte Labordiagnostik in deutschen Hausarztpraxen nicht ausreichend durchgeführt wird und umfassender Aufklärungsbedarf in Bezug auf die Früherkennung der CKD bei Risikopatienten besteht.

Prävention und Therapie: Lebensstil, Medikamente und Blutdruckmanagement

Zu den zentralen Schutzmaßnahmen der Nieren zählen laut DGfN Lebensstilfaktoren wie Nikotinverzicht, eine gesunde Ernährung, Normalgewicht mit einem BMI von möglichst unter 25 und ausreichend Bewegung. „Moderne Medikamente wie SGLT2-Hemmer oder nicht-steroidale Mineralokortikoidrezeptor-Inhibitoren sind zwar wirksam bei CKD. Doch durch konsequente Prävention sowie durch regelmäßige Screening-Untersuchungen bei Risikopatienten ließen sich von vornherein viel Leid vermeiden und Kosten senken“, gab Weinmann-Menke zu bedenken. Angesichts des bereits in frühen CKD-Stadien erhöhten Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Komplikationen bezeichnete sie die konsequente Einnahme von ärztlich verschriebenen Blutdrucksenkern ebenfalls als eine zentrale Säule in der Prävention und Therapie der CKD – auch in Abwesenheit von Beschwerden.

CKD-Risikoprofil in der hausärztlichen Versorgung: Ergebnisse der InspeCKD-Studie

Die DGfN erinnerte, dass eine Früherkennung von CKDs die Prognose verbessere und Behandlungsfenster öffnen könne. SGLT2-Inhibitoren würden das Therapiemanagement bei CKD revolutionieren, da sie das Progressionsrisiko und kardiovaskuläre Ereignisse senken. Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten und Aldosteronsynthase-Inhibitoren seien neue Hoffnungen bei CKD mit und ohne Diabetes. Auch Kombinationstherapien daraus und unter Umständen auch mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten könnten neue Perspektiven eröffnen.

InspeCKD

Die InspeCKD-Studie analysierte Daten von fast 450.000 Patienten aus 1.244 Hausarztpraxen. 75,8 Prozent hatten Bluthochdruck, jeweils rund ein Drittel Diabetes oder eine koronare Herzkrankheit.

Quelle:

Online-Pressekonferenz am 30. September 2025 (DGfN)