Neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen
Marzena SickingEin Forschungsteam hat den kombinierten Einsatz von Phagen- und Darmfloratransplantationstherapie zur Behandlung von Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen, untersucht. Die vielversprechenden ersten Ergebnisse wurden in „Nature Microbiology“ veröffentlicht.
Wiederkehrende (rezidivierende) Harnwegsinfektionen (rHWI) gehören weltweit zu den häufigsten bakteriellen Infektionen und betreffen vor allem Frauen. Zwar sind Antibiotika nach wie vor die Standardtherapie, doch häufige Rückfälle und zunehmende Antibiotikaresistenzen machen alternative Therapieansätze wie die Phagentherapie notwendig. Phagen sind kleine Viren, die gezielt Bakterien angreifen, und selbst multiresistente Keime wirksam abtöten können.
Wissenschaftler der Universitätsklinik Balgrist und der Universität Zürich, der Universität zu Köln und dem Universitätsklinikum Köln, der Goethe-Universität Frankfurt sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben erstmals eine kombinierte Phagentherapie (PT) mit einer Darmfloratransplantation (FMT – fecal microbiota translant) durchgeführt, um die Harn- und Darmreservoirs von Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen zu behandeln. Die Ergebnisse der Studie „Combined Phage therapy and fecal microbiota transplantation to treat recurrent urinary tract infection: a case series“ wurden im Fachjournal Nature Microbiology veröffentlicht.
Der neuartige Behandlungsansatz, eine Kombination aus PT und wahlweise FMT, wurde bei drei Patientinnen mit einer rHWI angewendet, die weder auf Antibiotika noch auf gängige nicht-antibiotische Behandlungsstrategien angesprochen hatten. Bei allen Patientinnen wurde das Bakterium Escherichia coli (E. coli) zu verschiedenen Zeitpunkten nachgewiesen. Alle drei Frauen erhielten acht Tage lang im Balgrist in nicht akuten Phasen PT oral und intravesikal, das heißt lokal über einen Katheter in die Blase verabreicht.
Zwei dieser drei Patientinnen erhielten anschließend zusätzlich eine FMT in Köln. Da sich die Bakterien, die die wiederkehrenden Infektionen verursachen, häufig sowohl im Darm als auch im Harnweg ansiedeln, zielte die FMT-Behandlung auf die Darmreservoirs von E. coli, die eine Antibiotikabehandlung bei akuten Infektionen überleben und zunehmend resistent werden können.
Bei den beiden Patientinnen, die die Kombinationstherapie erhielten, war über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg eine langfristige Verringerung der Harnwegsinfekte zu beobachten. Die Patientin, die ausschließlich PT erhielt, erlitt zwar weitere Episoden, allerdings waren die Symptome schwächer. Bei allen Patientinnen verbesserte sich die Lebensqualität deutlich, während der Bedarf an Antibiotikabehandlungen erheblich zurückging.
„Drei Patientinnen reichen nicht aus, um diese neue Therapie zu etablieren; außerdem fehlten Kontrollgruppen. Dennoch hat diese Erfahrung dazu beigetragen, die Grundlage für eine klinische Studie zu schaffen, die den Nutzen des Behandlungsansatzes überprüft und diese nachhaltige Behandlungsoption für Patientinnen zugänglich macht“, sagt Shawna McCallin. „Während die Phagentherapie darauf abzielt, den Erreger zu beseitigen, zielt die FMT darauf ab, ein gesundes Mikrobiom wiederherzustellen, und verbindet damit sowohl unmittelbare als auch langfristige Wirkungen“, fügt Lena Biehl von vom Universitätsklinikum Köln hinzu.
Die klinische Studie soll im Juni 2027 im Rahmen des Projekts REPhRAME, das von der Europäischen Kommission durch das Förderprogramm „Horizon Europe“ gefördert wir, an den kooperierenden Einrichtungen beginnen.
Quellen:idw Online
https://www.nature.com/articles/s41564-026-02409-0
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