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Geldanlagen

Das Schreckgespenst Inflation ist zurück auf der Weltbühne, nicht nur an der Tankstelle, sondern auch an den globalen Finanzmärkten. Denn wenn selbst der von Donald Trump eingesetzte neue US-Notenbankchef gegen den Willen des Präsidenten die Zinsen erhöht, um die grassierende Geldentwertung zu bekämpfen, ist das mehr als eine Randnotiz.

Vom Energiepreisschock angetrieben klettert auch im Euroraum die Inflationsrate auf 3,3 Prozent[1] im letzten Monat. Das ist für Anleger ein Problem, denn würde das die nächsten zehn Jahre so bleiben, verliert unverzinst positioniertes Erspartes über ein Viertel an Kaufkraft.[2]

„Solange kostspielige Kriege geführt werden, die Energiepreise steigen und dann noch unsinnige Zölle auferlegt werden, wird die Geldentwertung nicht zurückgehen“, warnt Rolf Ehlhardt von der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung aus Mannheim. Es gilt also Geld mit genug realer Rendite anzulegen, damit es in der Zukunft den Kauf von zumindest ähnlich viel Waren und Dienstleistungen ermöglicht. Aber es gibt dabei eine gute Nachricht: Eine Anlageklasse ist aus dem Tiefschlaf erwacht, die viele Privatanleger gedanklich längst abgeschrieben hatten, die festverzinslichen Wertpapiere.

Nach Jahren von Null- und Negativzinsen erleben Anleihen eine Renaissance, denn sie bieten wieder echten Schutz gegen die Geldentwertung. Doch wer von diesem Comeback profitieren will, sollte nicht nur auf Renditeversprechen schauen.

Dynamisches Zinsniveau

Anders als in der letzten Inflationsphase nach der Coronapandemie hinken die Zinsaussichten der Geldentwertung nicht mehr hinterher, sondern bieten eine echte Option zum Erhalt der Kaufkraft von Vermögen. Zum Beispiel locken US-Staatsanleihen im 10-jährigen Laufzeitbereich mit Renditen von um die 5 Prozent pro Jahr.[1]

Aber Vorsicht, ein Allheilmittel für die Geldanlage ist das nicht: „Bei US-Staatsanleihen spielt für Anleger aus dem Euro-Raum zum Beispiel der Wechselkurs eine ganz entscheidende Rolle“, sagt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG aus Nürnberg im Interview. Sollte der Dollar weiter an Wert verlieren und das Zinsniveau angesichts der wohl kaum gebremst wachsenden US-Rekordverschuldung von über 40 Billion Dollar steigen, kann der tatsächliche Gewinn erheblich geschmälert werden oder sogar ein Minus drohen.

Auch Bundesanleihen mit zweistelligen Laufzeiten bringen mathematisch derzeit zumindest etwas mehr ein, als die Inflation an Kaufkraft kostet.[2]

Allerdings gilt es hier mit spitzem Bleistift zu rechnen, ob nach Abzug von Steuern und Kosten wirklich ein realer Vermögenserhalt gewährleistet ist. Zudem haben über viele Jahre laufende Anleihen ein generelles Problem: Steigt das Zinsniveau, wird es prinzipiell teurer, solche Papiere vorzeitig zu verkaufen, falls das Geld gebraucht wird oder anders positioniert werden soll. „Da ist aktuell noch jede Menge Luft nach oben, zumal die Schulden massiv gestiegen sind“, beschreibt I.C.M.-Experte Rolf Ehlhardt die Lage, angesichts schnell weiter wachsender Staatsschuldenberge in vielen Ländern und massivem Geldbedarf von Unternehmen gerade im Bereich künstlicher Intelligenz.

Diversifiziert investieren

Statt eines Direktinvestments in einzelne Anleihen ist es für die meisten Privatanleger komfortabler, Rentenfonds oder ETFs auf festverzinsliche Wertpapiere ins Depot zu nehmen. Diese bündeln mehrere Einzelanleihen in einem einzigen Produkt und sorgen für die notwendige Diversifikation. „Allerdings gilt es auch hier ganz genau die Kosten im Auge zu behalten, ob sich solche Produkte unter dem Strich wirklich lohnen“, rät KSW-Anlagefachfrau Stefanie Dyballa.

Welches Produkt in welches Depot am besten passt, hängt von der Gesamtstruktur und der persönlichen Risikoneigung ab. Insgesamt bietet der Rentenmarkt wieder einige Chancen, die Kaufkraft von Vermögen zu erhalten. Eine völlig risikolose Alternative zum oft schwankenden Aktienmarkt bieten aber auch Anleihen und Co. nicht. Das Comeback der Zinspapiere offenbart jedoch wieder eine echte Option, Kapital auf eine weitere Assetklasse zu verteilen und so die Kaufkraft von Vermögen mit einer breit gestreuten Anlagestrategie langfristig zu erhalten.

Quellen:

[1] Inflation in der Eurozone steigt auf 3,3 % – Argumente für EZB-Zinserhöhung nehmen zu | Morningstar Deutschland Stand 1.9.2026

[2] Inflationsrechner

[3] Zinserwartungen verfestigt: US-Rendite auf Niveau der Finanzkrise | tagesschau.de Stand 15.9.2026

[4] Kurse und Renditen börsennotierter Bundeswertpapiere | Deutsche Bundesbank Stand 21.9.2026
    

Sechs größere Renten-ETFs

Name

ISIN

Laufende Kosten p.a.

Kurzbeschreibung

iShares Core € Govt Bond UCITS ETF EUR

IE00B4WXJJ64

0,07 %

Staatsanleihen aus der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion

Xtrackers II Eurozone Government Bond UCITS ETF 1D EUR

LU0643975591

0,09 %

Staatsanleihen aus der Eurozone

Amundi Prime Euro Government Bond UCITS ETF Dist

LU1931975152

0,05 %

Staatsanleihen aus der Eurozone

iShares eb.rexx®Government Germany 0-1yr UCITS ETF

DE000A0Q4RZ9

0,13 %

Deutsche Staatsanleihen mit max. 1 Jahr Restlaufzeit

Xtrackers II Germany Government Bond 0-1 UCITS ETF 1C

LU2641054551

0,07 %

Deutsche Staatsanleihen mit max. 1 Jahr Restlaufzeit

Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR Hedged Income

IE00BG47KB92

0,08 %

globale Investment-Grade-Anleihen von Staaten, staatsnahen Einrichtungen und Unternehmen mit mehr als 1 Jahr Restlaufzeit

Quelle: morningstar.de, Stand 22.9.2026

Quelle:

V-Bank

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