Aktien

Der zweite Aufstieg Asiens – und was er für Anleger bedeutet

Asien steht vor einem erneuten Aufstieg – nachhaltiger als zuvor. Das geht so weit, dass der bisherige Favorit USA abgelöst werden könnte, meint unser Gastautor Uwe Zimmer*.

In vielen Depots waren die USA in den vergangenen Jahren übergewichtet. Zu Recht! Nach der Finanzkrise begann ein langer Aufstieg der US-Börsen. Mehr als ein Jahrzehnt hielt diese Dominanz an. Nun ist eine Ablösung in den Bereich des Möglichen gerückt. US-Präsident Trump wollte diesen Wechsel aufhalten. Mit einer Anordnung verbot er den Handel mit mehreren chinesischen Aktien. Diese wurden aus den entsprechenden Indizes und damit aus ETFs entfernt. Doch das ist nur ein minimaler Zeitgewinn. Ihr Anteil an den Indizes war ohnehin gering. Jetzt mögen sie einen Moment lang unter Druck kommen. Den Aufstieg Chinas wird das nicht aufhalten.

Japan als die Vorzeige-Wirtschaftsmacht

Japan war lange die Vorzeige-Wirtschaftsmacht in Asien. Japanische Unternehmen sicherten sich früh große Anteile am Weltmarkt. Übrigens immer konfrontiert mit den Vorwürfen des Plagiats, der dreisten Kopierens und des Nachahmens. Solange, bis die japanischen Unternehmen nicht nur gleichwertig waren, sondern oft bessere Produkte auf den Markt brachten als die alten europäischen oder US-amerikanischen Industrien. Innovationen kamen fortan aus Japan. Oder aus Südkorea oder Taiwan, die sich im Kielwasser Japans auf die Weltmärkte wagten und sich ansehnliche Stücke des Kuchens sicherten. Die Tigerstaaten Asiens erlebten einen ähnlichen Aufschwung, auch wenn er kürzer dauerte und mit der Währungskrise der Staaten von Vietnam bis Indonesien verging.

China dominiert die Bühne

Dann betrat China die Bühne – und hat sie seitdem nicht wieder verlassen. Zunächst geschmäht als Plagiator und so weiter, siehe Japan, haben die chinesischen Unternehmen sich mittlerweile eine so starke Basis in Technologie und deren Anwendung geschaffen, dass das Vorurteil von der Werkbank der Welt schon lange nicht mehr zieht.

China ist stark. Eine wachsende Mittelschicht befeuert den Binnenmarkt und macht die Volkswirtschaft unabhängiger von den Launen der Weltmärkte. China ist seit Jahren die Lokomotive der Weltwirtschaft. Nach den Pandemie-Lockdowns fährt das Land wieder auf voller Kraft. Und: Die gesamte asiatische Region zieht an einem Strang.

Die größte Freihandelszone der Welt

Jüngst schlossen sich 15 Staaten Asiens mit Australien und Neuseeland zur größten Freihandelszone der Welt zusammen. Es erfordert wenig Fantasie, sich die Möglichkeiten auszumalen, die sich den Unternehmen der Region im gemeinsamen Markt bieten. Möglichkeiten, bei denen sie vielleicht die USA oder Europa nicht mehr so dringend benötigen. Insofern könnte sich das Gewicht der Weltwirtschaft verschieben. Diese Verschiebung wird eine langsame sein, aber sie ist unaufhaltsam.

Hinzu kommt: Die USA waren immer der große Markt, in dessen sicheren Hafen das internationale Geld floss, wenn es kritisch wurde. US-Anleihen waren und sind als Krisensicherung erste Wahl.

Dieses Vertrauen hat US-Präsident Trump vernichtet. Die USA sind nicht mehr der vertrauenswürdigste Partner der Welt, nicht mehr ihr sicherster Hafen. Vielleicht noch nicht einmal mehr das Zugpferd der Weltwirtschaft. Stattdessen wächst im Pazifik eine neue Wirtschaftsmacht heran. Anleger können davon profitieren.

*Der Autor: Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Fundamental Capital GmbH in Hennef.

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