Finanzstrategie: Perfekter Zeitpunkt für Wind und Solar?
Heiko FeketeAnhaltend hohe Ölpreise haben erneuerbare Energien zuletzt wieder stärker in den Fokus gerückt. Im Interview mit ARZT & WIRTSCHAFT beschreibt Finanzexpertin Karin Baur von der Stiftung Warentest, wie interessierte Ärztinnen und Ärzte klug in Windkraft und Solaranlagen investieren können.
Frau Baur, welche Optionen gibt es für Anlegerinnen und Anleger, in Wind- und Solarenergie zu investieren?
Es gibt hier mehrere Möglichkeiten. Besonders gut für Einsteiger geeignet sind Fonds und ETFs, die sich auf die Themen „Erneuerbare Energien“ oder „Umwelt und Klima“ spezialisieren und die dazugehörigen Branchen im Fokus haben. Wir empfehlen diese Anlageform allerdings nicht als Basis-Investment, sondern als Beimischung. Das Basis-Investment sollte grundsätzlich immer aus einer breiter gestreuten Anlage wie einem weltweiten Aktienfonds bestehen. Hier können Anleger auch ein bisschen in die Richtung gehen, indem sie einen nachhaltigen Aktienfonds erwerben, der ebenfalls in erneuerbare Energien investiert, aber eben auch andere Branchen beinhaltet.
Gibt es neben Wind- und Solarenergie noch weitere ähnliche Felder, die für ein Investment in Betracht kommen?
Neue-Energien-Fonds beschränken sich nicht unbedingt nur auf Wind und Solar. Biogas zählt ebenfalls zu den erneuerbaren Energien. Oder Wasserkraftwerke und Gezeitenkraftwerke zur Stromgewinnung. Bei den Umwelt- und Klimafonds stehen auch Themen wie Energieeffizienz oder Recycling im Fokus, sprich: Neben der umweltfreundlichen Methode der Stromgewinnung lässt sich bei Investments auch darauf blicken, wie Geld in Wege zur Energieeinsparung angelegt werden kann.
Wie sieht es mit E-Mobilität aus?
Es gibt auch einzelne Fonds, die E-Mobilität mit im Portfolio haben. Und es gibt Fonds, die sich ausschließlich darauf spezialisieren.
Und wie lassen sich Risiken am besten managen?
Zunächst empfehlen wir einen Blick in die Factsheets der Fondsanbieter. Dort sehen Anlegerinnen und Anleger, ob ein Fonds mehrere Themen abbildet oder sich nur auf eines konzentriert. Je stärker der Fokus, desto größer die Risiken. Fondsanbieter sind außerdem dazu verpflichtet, im Basisinformationsblatt eine Risikoeinstufung von eins bis sieben vorzunehmen und die mögliche Wertentwicklung in einem eventuellen Stressszenario zu berechnen. Und schon bei einem breit gestreuten Aktienfonds gab es in der Vergangenheit schlimmstenfalls einen Verlust von zwischenzeitlich 60 Prozent, dann wäre über die Hälfte der angelegten Summe weg gewesen. Bei einem breit gestreuten Investment lassen sich Verluste allerdings aussitzen, weil der globale Aktienmarkt zumindest bisher langfristig gestiegen ist. Bei einem Branchenfonds muss das nicht sein, der Hype kann auch einfach enden.
Ist es auch denkbar, auf Einzelaktien zu setzen?
Das wäre auch möglich. Das Risiko ist aber höher als mit einer Investition in einen Branchenfonds rund um erneuerbare Energien. Bei Branchenfonds investieren die Anleger in mehrere Unternehmen, was das Risiko mindert. Bei Einzelaktien machen sie sich von der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens abhängig. Es können zudem folgende Szenarien auftreten: Es könnte die Aktie einer Firma sein, die schlechten Rahmenbedingungen trotzt und Gewinne einfährt. Umgekehrt kann es sein, dass eine Aktie nicht gut performt, obwohl die Branche insgesamt im Aufwind ist. Ein Aktienkauf ist zwar eine seriöse Geldanlage, aber eine, die mehr Vorbereitung und Vorkenntnis erfordert als ein Fonds.
Wind- und Solaranlagen scheinen gerade einen Aufwind zu erleben. Welche Faktoren sorgen dafür?
Da haben wir einerseits natürlich den Ölpreisschock. Der hat deutlich gezeigt, wie wichtig es langfristig sein dürfte, sich weniger in die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu begeben. Auch der Klimawandel könnte für einen Boom bei den Erneuerbaren sorgen. Trotzdem ist es wichtig, wirtschaftliche Faktoren wie die allgemeine Konjunktur und die Zinsentwicklung zu berücksichtigen. Denn auch vor dem Ölpreisschock waren erneuerbare Energieträger schon Thema, haben auf den Aktienmärkten aber schwankend performt. Darum ist es mir noch mal wichtig zu betonen: Der Klimawandel oder die Entwicklung seit dem Ölpreisschock stellen keine Garantie für ein erfolgreiches Investment in Erneuerbare dar.
Ist diese Anlageform eher bei auf Nachhaltigkeit spezialisierten Banken oder Vermögensverwaltern platziert?
Nein. Fonds und ETFs mit einem nachhaltigen Fokus sind auch bei vielen herkömmlichen Fondsgesellschaften im Portfolio, zum Beispiel bei Allianz, BlackRock, DWS, Deka oder Union Investment. Die Anbieter können unabhängig davon, ob sie selbst nachhaltig sind, nachhaltige Fonds anbieten. Sie müssen dazu nur nachhaltige Papiere ins Fondsportfolio legen. Anlegerinnen und Anleger sollten allerdings beachten, dass nicht alle Neue-Energien- und Klimafonds nachhaltig sind. Um nachhaltig zu sein, genügt es nicht, nur auf Umweltbelange zu achten. Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. Anders als bei Fonds verhält es sich, wenn es um Tagesgeld geht. Hier arbeiten die Banken mit dem Geld der Anleger, vergeben es beispielsweise als Kredit. Nachhaltige Banken legen hierbei nachhaltige Kriterien an.
Bei Wind- und Solaranlagen werden oft auch ELTIFs als Anlageoption beworben. Wie bewerten Sie dieses Modell?
ELTIFs dürfen direkt in nicht börsennotierte Unternehmen, Infrastrukturprojekte und vieles mehr, also auch in Solar- und Windparks investieren. Das soll Privatanlegern Zugang zu dieser Art von Investments ermöglichen. Bisher gab es dafür vor allem unternehmerische Beteiligungsmodelle, die nicht für alle infrage kamen. Anlegerinnen und Anleger sollten trotzdem einen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben. Meistens sind ELTIFs zudem mit hohen Kosten verbunden, was am Ende die Renditechancen schmälert. Da diese Angebote noch sehr neu sind, ist es schwer einzuschätzen, wie erfolgversprechend ein solches Investment ist. Einsteigern würden wir von dieser Anlageform abraten. Wenn, wäre dieses Anlagemodell eher was für erfahrenere oder risikofreudige Anleger.