Medscape Gehaltsreport 2021

Wie Corona das Einkommen von niedergelassenen und angestellten Ärzten verändert hat

Ärztinnen und Ärzte stehen im Kampf gegen COVID-19 an vorderster Front. Aber nicht alle haben durch den Dauereinsatz  auch mehr Geld auf dem Konto: Über ein Drittel hatte im Jahr 2020 ein geringeres Einkommen. Jede/r Zehnte ist von massiven Einbußen betroffen.

Der Medscape Gehaltsreport 2021 zeigt, wie die Corona-Krise die finanzielle Situation und Arbeitswirklichkeit von Niedergelassenen und Klinikärzten beeinflusst hat. Ergebnis: Mehr als ein Drittel der befragten Mediziner klagt über Verdiensteinbußen und führt diese eindeutig auf die Pandemie zurück. Knapp die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte hat keine Veränderungen beim Einkommen gespürt. Jede/r sechste konnte sich sogar über eine Steigerung von 10% freuen.

Vor allem niedergelassene Ärzte mit veringerten Einkommen

Von den negativen Auswirkungen sind vor allem niedergelassene Ärzte betroffen. 52 Prozent von ihnen mussten finanzielle Einbußen verkraften. Bei den in Kliniken angestellten Medizinern waren es nur 17 Prozent.

Für die meisten niedergelassenen Ärzte lässt sich die negative Entwicklung klar auf die Pandemie zurückführen. Viele Praxisinhaber wurden mit unerwarteten Kosten konfrontiert. So gaben Niedergelassene laut Umfrage durchschnittlich 2.400 Euro mehr für Schutzkleidung aus. Fast alle (92%) boten in den ersten Wellen der Pandemie auch Corona-Tests an, wobei 4 von 10 Ärzten aber draufzahlten. 45 Prozent der Befragten klagen zudem über einen dauerhaften Patientenrückgang.

„In den Kommentaren nannten Umfrageteilnehmer auch Bonuskürzungen, Abnahme der Privatliquidationen und IGeL-Leistungen, Praxisschließungen aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen sowie Überstunden als Gründe für die finanziellen Einbußen“, erläutert Claudia Gottschling, Editorial Director von Medscape Deutschland.

EinkommenArztVerhaltener Optimismus bei betroffenen Ärzten

28% der Ärztinnen und Ärzte, die im Zuge der Pandemie einen Einkommensverlust hinnehmen mussten, glauben allerdings auch, dass sie in einem Jahr wieder ihr altes finanzielles Niveau erreicht haben werden. Beinahe jede/r zweite Befragte schätzte, dass es eher zwei bis drei Jahre dauern wird, bis ihr Einkommen wieder das gewohnte Niveau erreicht.

Durchschnittseinkommen von 150.000 Euro

Laut Medscape-Gehaltsreport verdienen angestellte Ärztinnen und Ärzte in Deutschland im Durchschnitt (vor Steuern) 150.000 Euro pro Jahr. Bei näherer Betrachtung zeigen sich dann aber doch erhebliche Unterschiede: So verdienen Ärztinnen über alle Fachrichtungen hinweg etw 30% weniger als ihre männlichen Kollegen. Hausärzte haben dem Report zufolge im Mittel 17.000 Euro mehr im Jahr als fachärztliche Kollegen und der Praxisinhaber im Schnitt 28.000 Euro mehr als der angestellte Arzt in der Klinik. Ob hierbei wirklich alle Kosten berücksichtigt wurden, die ein niedergelassener Arzt zu tragen hat, ist allerdings nicht direkt ersichtlich.

Die Mehrheit fühlte sich nicht fair bezahlt

Wie auch immer: Von den befragten Ärztinnen und Ärzten fühlt sich mehr als die Hälfte (57%) nicht fair entlohnt. Diese Entwicklung setzt sich seit einigen Jahren fort. Dabei zeigten sich Frauen mit der Bezahlung häufiger unzufrieden (65%) als Männer (55 %). Klar erkennbare Unterschiede fanden sich auch beim Vergleich von Niedergelassenen mit Klinik-Angestellten. In einem Krankenhaus-Job fühlten sich nur 52% der Ärzte nicht fair bezahlt, in der Praxis hingegen 64% der Ärztinnen und Ärzte.

Helfen zu können wichtiger als Geld

Auch wenn die Entlohnung besser sein könnte: Für die meisten Ärzte ist sie nicht das Wichtigste. Nur 2% der Frauen und 8% der Männer gaben an, dass es ihnen die größte berufliche Zufriedenheit verschafft, viel Geld zu verdienen. Die höchste Jobzufriedenheit generierte auch in der Pandemie das Gefühl, Menschen helfen zu können.

Die Freude am Beruf minderten hingegen insbesondere die vielen Richtlinien bei Verwaltung und Abrechnung. 43% nannten diese in der Medscape Umfrage als größte Herausforderung. Hingegen betrachteten nur etwa 4% der Ärztinnen und Ärzte die Risiken bei der Behandlung von COVID-19-Patienten als Herausforderung.

Weitere Ergebnisse der Befragung:

• Mediziner arbeiten im Durchschnitt 52 Stunden pro Woche. Dabei waren die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie Kliniken und Praxen sehr gering.

• Lediglich 7% der Befragten vergaben Termine online. Nur jede/r Fünfte meinte, dass die neuen, digitalen Möglichkeiten mehr Einkünfte bringen.

• Telekonsile und -konsultationen: Sechs von zehn Befragten, die schon online Gespräche führten, meinten, dass die Corona-Krise digitale Termine forciert hat.

An der Medscape Umfrage nahmen rund 700 in Deutschland lebende Ärztinnen und Ärzte teil, etwa die Hälfte davon arbeitet in der Klinik.

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