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Finanzen

Herr Eberhardt, warum braucht man eine Anlagestrategie?

Stefan Eberhardt

Foto: V-Bank

Stefan Eberhardt: Nach meiner Erfahrung sind es häufig Emotionen, die zu den größten Anlegerfehlern führen. Zum Beispiel, weil ein Anleger eine Aktie dann kauft, wenn sie nahe am Höchstkurs ist. Oder sich einen Fehler nicht eingesteht und zu lange an einem Titel festhält. Eine Anlagestrategie soll hier als langfristige Orientierungshilfe dienen, Emotionen ausschalten und letztlich helfen, Fehler zu vermeiden.

Wie kann so etwas konkret aussehen?

Eberhardt: Ausgangspunkt sind die Risikotragfähigkeit, die sich aus den Anlagezielen ergibt, und die persönliche Risikoneigung, also wie gut jemand mit zwischenzeitlichen Verlusten und Kursschwankungen umgehen kann. Auf dieser Grundlage ergibt sich, wie ein Anleger sein Portfolio zwischen sicheren, aber weniger rentierlichen, und schwankungsanfälligeren, dafür aber langfristig renditeträchtigeren Anlagen aufteilen sollte.

Danach kommt die Umsetzung der Anlagestrategie. Welche Wege gibt es hier?

Eberhardt: Die bekannteste Methode ist Buy and hold. Dabei kauft man die entsprechenden Anlagen, entweder über Einzeltitel oder aktive oder passive Fonds, und hält diese langfristig. Da wir derzeit viele Veränderungen wie die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz haben, sollte man aber anders als früher gerade bei Einzelinvestments immer mal wieder überprüfen, ob das Geschäftsmodell eines Unternehmens noch Erfolg versprechend ist.

Sollte man auch die Ursprungsallokation regelmäßig wieder herstellen?

Eberhardt: Ja, man sollte schon ein- oder zweimal im Jahr prüfen, ob sich das Gesamtportfolio von der Ausgangsallokation zu weit entfernt hat. Falls ja, sollte man das Geld von der gut gelaufenen in die schlechter gelaufene Anlageklasse umschichten. Zudem kann es Sinn machen, sich gerade bei Einzelinvestments einen klaren Rahmen zu setzen. Zum Beispiel eine Aktie, die mehr als 20 Prozent im Minus ist, zu verkaufen oder Gewinne bei einem Kursanstieg von 50 Prozent mitzunehmen.

Welche anderen Umsetzungsmöglichkeiten gibt es noch?

Eberhardt: Buy and hold ist die populärste. Dazu gibt es einkommensorientierte Strategien, bei denen die laufenden Einnahmen im Vordergrund stehen, oder solche, die in Richtung eines Investmentstils wie Growth oder Value gehen. Es kommt aber gar nicht so sehr darauf an, wie man seine Strategie umsetzt, sondern vielmehr darauf, dass man die Disziplin aufbringt, sich strikt an seine festgelegte Strategie und den Umsetzungsrahmen zu halten. Das ist für den langfristigen Erfolg entscheidend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Autor: Gerd Hübner