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Finanzen

Wie wichtig ist es, Kinder an das Thema Geldanlage heranzuführen?

Lochner: Wenn Sie sich den Druck auf unsere Sozialsysteme ansehen, ist es, glaube ich, für alle ratsam, möglichst früh auch eigene Reserven zu bilden. Ideal wäre es aus meiner Sicht, schon zur Geburt eines Kindes mit einem Fondssparplan zu beginnen, bei dem zum Beispiel das Kindergeld monatlich investiert wird. Aber irgendwann müssen die heutigen Kinder auch selbst die Weichen für ihre finanzielle Zukunft stellen. Je früher die Heranwachsenden verstehen, wie wichtig solche Themen sind, desto leichter ist es etwa über Zinseszinseffekte ausreichendes Vermögen aufzubauen.

Können Heranwachsende auch zu früh mit Spargedanken konfrontiert werden?

Lochner: Tatsächlich sollte es nicht das Ziel sein, kleine Dagobert Ducks heranzuzüchten. Für einen vernünftigen, langfristigen Vermögensaufbau braucht es keine von klein auf geförderte Geizhals-Mentalität. Natürlich kann man mit einer klassischen Sparbüchse auch in jungen Jahren schonmal einen Grundstein legen, indem auf größere Wünsche gespart wird. Der Schulbeginn ist dann ein guter Moment, um mit dem ersten eigenen Konto Erfahrungen mit Zinsen zu sammeln. Daraus kann sich dann mit den Jahren ein Verständnis für die richtige Balance von Renditechancen und Risikovermeidung entwickeln.

Ab wann dürfen Jugendliche selbst Anlagefehler machen?

Lochner: Ein guter Zeitpunkt, die Konsequenzen eigener finanzieller Entscheidungen kennenzulernen ist, wenn das erste Geld mit einem Ferienjob verdient wurde. Diese Summe nach eigenem Gutdünken zu investieren und zu sehen, wie schnell es an den Märkten manchmal nach oben, aber eben auch nach unten gehen kann, kann eine auf Dauer sehr wertvolle Erfahrung sein. Gerade dann, wenn ein Teil des hart verdienten Geldes verzockt wird.

Welche Anlageform eignet sich als wertvolles Weihnachtsgeschenk für Kinder oder Enkel?

Lochner: Das ist abhängig vom Alter, aber mit einer Goldmünze mit schöner Prägung wie Wiener Philharmoniker, Australian Kangaroo oder American Eagle können auch kleinere Kinder etwas anfangen. An den glänzenden Stücken lässt sich gut erklären, wie sich der Wert über Jahrtausende erhalten hat. Aus langfristiger Anlagesicht wäre es noch sinnvoller, einen Depotauszug eines gut ausbalancierten Wertpapierportfolios zu verschenken. Um es weniger abstrakt zu machen, kann es hilfreich sein, die entsprechenden Geschäftsmodelle zu visualisieren

Was wäre so eine visuelle Idee für Jugendliche oder junge Erwachsene?

Lochner: Am einfachsten ist der Zugang zu Anlagethemen über Unternehmen, die denjenigen selbst im Alltag berühren. Schenken Sie doch zum Beispiel ein paar neue Turnschuhe von Nike oder Adidas und einen Depotauszug mit den entsprechenden Wertpapieren. Das funktioniert auch wunderbar mit Aktien von Nestlé, Unilever oder Procter & Gamble, deren Produkte sich in praktisch in jedem Haushalt finden. Oder nehmen Sie einen Zubehör-Artikel des iPhone-Herstellers Apple oder ein Parfum der Luxusmarke LVMH. Solche bekannten Namen nicht nur unter dem Baum, sondern auch im Depot zu haben, ihren Kursverlauf zu verfolgen oder über Dividenden an deren Geschäftserfolg beteiligt zu werden, legt den Grundstein für ein tieferes Verständnis von langfristig konzeptionierter Geldanlage.

Autor: Florian Junker