Experten-Interview:

Wie selbstständige Heilberufler auf die Herausforderungen der Corona-Krise reagieren sollten

Die Corona-Pandemie stellt unsere Wirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen. Auch viele selbstständige Heilberufler sind davon betroffen. Sie müssen ihre Praxis, ihr Geschäft und eventuell auch ihren Alltag umstrukturieren und sich finanziell neu ausrichten. Wir haben mit Frau Dr. Christine Trapp, Leiterin Heilberufe und Geschäftskunden der Hypovereinsbank, Region Ost, gesprochen. Sie beleuchtet die aktuelle Lage und gibt Tipps für die zukünftige Ausrichtung von niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten, Apothekern und anderen Heilberuflern.

Die zweite Covid-19-Welle hat Deutschland erfasst. Welche Auswirkungen hat das auf die wirtschaftliche Situation niedergelassener Ärzte und anderer selbstständiger Heilberufler?

Es gibt Ärzte oder auch Apotheker, die aufgrund der Pandemie finanziell unter Druck geraten sind. Deutlich weniger Patienten oder Kunden bedeuten – je nach Ausrichtung einer Praxis – spürbare Umsatzeinbrüche. Die Fixkosten bleiben jedoch bestehen – unter anderem für Personal und Praxis- oder Geschäftsräume oder laufende Kredite.

Wir beobachten, dass besonders neu niedergelassene Ärzte betroffen sind, die oft noch nicht lange selbstständig sind und zudem viele Selbstzahler zu ihrem Patienten-Stamm zählen. Diesen Ärzten wird jetzt – in der Corona-Pandemie – bewusst, dass sie mehr Liquidität benötigen. Dann ist es wichtig, einen Bankpartner zu haben, der ihr Geschäft versteht, der auf diesem Gebiet eine spezielle Expertise aufweist und beispielsweise Zahlungsflüsse einschätzen und bewerten kann. Und der natürlich auch weiß, dass Patienten zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommen.

In vielen Fällen geht es darum, die betroffenen Heilberufler umfassend zu beraten, sich gemeinsam mit ihnen ihre Lage anzusehen, um dann passende Finanzinstrumente auszuwählen, mit denen finanzielle Engpässe überbrückt werden können. Oft lohnt es sich auch, einen Blick in die Zukunft zu werfen und wichtige Investitionen bei der Finanzberatung zu berücksichtigen. Zu einer professionellen Betreuung zählt unter Umständen auch die Unterstützung für die Beantragung von Corona-Hilfen.

Welche finanziellen Möglichkeiten gibt es für die von den Auswirkungen Betroffenen?

Zunächst geht es meist darum, kurzfristig mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Beispielsweise über einen höheren Kontokorrentkredit. Zudem bietet die KfW interessante Kreditvarianten, unter anderem Schnellkredite, die zu 100% vom Bund abgesichert sind und über die Hausbank beantragt werden. Es ist wichtig für Heilberufler, einen Bankberater an der Seite zu haben, der über eine profunde Expertise in der Gesundheitswirtschaft verfügt und in der Lage ist, individuelle Probleme auch mit kreativen Instrumenten zu lösen. Dazu zählen zum Beispiel innovative Methoden der Umfinanzierung, um kurzfristig die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten oder wieder herzustellen.

Krisen sind oft ein Ausgangspunkt, um Bestehendes zu hinterfragen und neu zu bewerten. Haben Sie Tipps für niedergelassene Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und andere selbstständige Heilberufler?

Aus den zahlreichen Beratungsgesprächen der vergangenen Monate gibt es eine wichtige Erkenntnis: Selbstständig tätige Heilberufler sollten ihre Liquidität und Eigenkapitalpolster stets so ausrichten, dass sie in Krisenzeiten über genügend finanzielle Rücklagen verfügen. Meine Empfehlung: laufende Praxis- oder Geschäftskosten sollten für mindestens drei Monate gedeckt werden können. Zudem ist es sicher hilfreich, eine gute Praxisstruktur zu schaffen. Konkret meine ich damit stringente und transparente Prozesse. Je systematischer eine Praxis oder ein Geschäft geführt werden, umso schneller und effektiver können Ausfälle, beispielsweise durch Krankheitsfälle im Team, kompensiert werden. Und sobald die Liquidität wieder sichergestellt ist, ist es natürlich auch wichtig, an Investitionen zu denken. Denn selbstständige Heilberufler sind auch Unternehmer, die im Wettbewerb stehen.

Sie haben das Stichwort bereits gegeben: Investitionen. Wie aktiv sind selbstständige Heilberufler hier und was empfehlen Sie ihnen?

Ich denke, auch Ärzte brauchen Innovations-Kraft. Sie sollten hier insgesamt aktiver werden. Im Großraum Berlin beobachten wir aktuell eine größere Nachfrage nach Investitions-Krediten – ob für Modernisierungen, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit. Ein junger Zahnarzt richtet seine Praxisräume in der Regel hochwertiger ein, setzt auf top-aktuelle Geräte und einen voll digitalisierten Praxisablauf. Dafür benötigt er eine komfortablere Kreditlinie als beispielsweise ein Hausarzt, der schon einige Jahre praktiziert. Insgesamt steigen die Ansprüche von Patienten, auch an innovative Technologien. Ob digitale Krankenakte, Video-Sprechstunde oder E-Rezept: Ärzte sollten darauf reagieren und die Digitalisierung in ihrer Praxis vorantreiben. Denn je digitaler ihre Abläufe sind, umso mehr Service können sie ihren Patienten bieten. Ein erfahrener Bankberater kennt diese Anforderungen und steht den Ärzten mit einem Finanzierungskonzept zur Seite. Und je effektiver die Hausbank mit der KfW verzahnt ist, wie die HypoVereinsbank mit einer speziellen Abteilung im Haus, umso schneller kann sie den passenden Kredit zur Verfügung stellen: zinsgünstig und mit langen Laufzeiten – und damit liquiditätsschonend.

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