Icon Navigation öffnen

Zweistellige Kostensteigerungen in Arztpraxen durch Fachkräftemangel und Inflation

von Marzena Sicking

Ärzte in einer Besprechung
Foto: Monet - stock.adobe.com

Die Ausgaben für den Praxisbetrieb sind im Zeitraum 2017–2020 um durchschnittlich 13,2 Prozent gestiegen. Experten fordern eine schnelle Gegenfinanzierung der Kostenexplosion durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Die anhaltend hohe Teuerungsrate und der umkämpfte Arbeitsmarkt für Medizinische Fachangestellte (MFA) stellt die Arztpraxen in Deutschland vor immer größere wirtschaftliche Herausforderungen. Wie das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in seinem Praxis-Panel (ZiPP) gezeigt hat, sind die Kosten für den Praxisbetrieb bereits in den Jahren 2017 bis 2020 um durchschnittlich 13,2 % gestiegen. Und dies, obwohl die Inflation in diesem Zeitraum lediglich 3,7 % betrug. Kostentreiber waren vor allem die Aufwendungen für das Personal.

Personalkosten machen 56% der Aufwendungen in Arztpraxen aus

Zwischen 2017 und 2020 stiegen diese Ausgaben um 18,9 %. Der Anteil der Personalkosten an den Gesamtkosten des Praxisbetriebs liegt bei rund 56 %. 2017 lagen die Ausgaben für den Praxisbetrieb bei rund 142.000 € pro Praxisinhaber:in. Der Anstieg der Betriebskosten bis 2020 betrug 18.900 €, die Personalkosten stiegen absolut um 14.400 € pro Praxisinhaber:in.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts beträgt die Inflationsrate für Juli 2022 7,5 %. Für die kommenden Monate werden weiter steigende Teuerungsraten erwartet. Nimmt man diesen Wert als Untergrenze für die Kostenentwicklung in Arztpraxen, sehen sich Praxisinhaber:innen allein im Jahr 2022 Kostensteigerungen in Höhe von 12.700 € pro Praxisinhaber:in gegenüber. Auf die Personalkosten entfallen dabei mindestens 7.100 €. Gegenüber 2017 wären die Personalkosten dann um mehr als 30 %, die Gesamtkosten für den Praxisbetrieb um nahezu 27 %gestiegen.

Zi-Vorstand fordert mehr Geld von den Krankenkassen

„Diese Kostenexplosion muss durch die gesetzlichen Krankenkassen noch im laufenden Jahr gegenfinanziert werden“, fordert in diesem Zusammenhang der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Zumal Arztpraxen gerade bei den Gehältern mit weiteren Steigerungen rechnen müssten: „(..) Zunehmend bieten Kliniken höhere Gehälter, um eigene Personalengpässe auszugleichen. Arztpraxen müssen aber ein attraktiver Arbeitgeber für medizinisches Fachpersonal bleiben, um die ambulante Versorgung auch zukünftig sicherstellen zu können. Damit Terminengpässe nicht noch größer werden, müssen die Praxen in die Lage versetzt werden, steigende Personalkosten zu stemmen. Das sollte auch im Interesse der gesetzlichen Krankenkassen und insbesondere deren Versicherten liegen“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende.

Personal- und Betriebskostenentwicklung von Arztpraxen

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi):
Personal- und Betriebskostenentwicklung von Arztpraxen in Deutschland 2017 bis 2020 und Projektion für die Jahre 2021 und 2022 (im Vergleich zur Inflationsrate)

Quelle: Pressemitteilung ZI

Anzeige

Kostenfreie Online-Fortbildung – exklusiv für MFA/ZFA & Praxismanager

MFA und Praxismanager bilden den Grundstein jeder Praxis – ohne sie würde der Praxisalltag nicht funktionieren. Doch im geschäftigen Praxisalltag kann es vorkommen, dass wenig Zeit für die indivi... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
Login erfolgreich

Sie haben Sich erfolgreich bei arzt-wirtschaft.de angemeldet!

×