Icon Navigation öffnen

Entbindungsmethoden: Wie die Geburt das Sexualbefinden beeinflusst

von Melanie Söchtig

Geburt im Kreissaal
Foto: Gorodenkoff - stock.adobe.com

Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Die Vor- und Nachteile dieser beiden Entbindungsmethoden sind immer wieder Gegenstand lebhafter Diskussionen. Aktuelle Forschungsergebnisse liefern jetzt Hinweise darauf, dass sich diese Entscheidung auch langfristig auf das sexuelle Wohlbefinden der Mutter auswirken könnte.

In einer prospektiven Geburtskohorten-Studie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der University of Bristol (UK) und dem Karolinska Institutet in Stockholm (Schweden), welche langfristigen Einflüsse die Entbindungsmethode auf das Sexualleben von Müttern hat.

Hierzu werteten sie die Daten der britischen ALSPAC-Studie (Avon Longitudinal Study of Parents and Children) aus, an der über 10.000 Mütter teilnahmen. Die Studienteilnehmerinnen hatten zwischen 1990 und 1992 entbunden. Sie wurden 33 Monate sowie fünf, zwölf und 18 Jahre nach der Entbindung unter anderem zu ihrem Wohlbefinden beim Sex und zur Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs befragt. Nach 11 Jahren wurden den Müttern zusätzlich Fragen zu Schmerzen im Kontext des Geschlechtsverkehrs gestellt.

In die aktuelle Analyse wurden die Daten von 1.094 Frauen, die mit Kaiserschnitt entbunden hatten, und 9.230 Frauen, die vaginal entbunden hatten, eingeschlossen. Frauen mit Kaiserschnitt waren tendenziell älter, hatten einen höheren mittleren Body-Mass-Index (BMI; 24,2 bei Kaiserschnitt vs. 22,8 bei vaginaler Entbindung) und waren zum Zeitpunkt der Schwangerschaft eher nullipar (54 % bei Kaiserschnitt vs. 44 % bei vaginaler Entbindung).

Unterschiede bei der Häufigkeit von Schmerzen

Im Hinblick auf das sexuelle Wohlbefinden und die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Kaiserschnitt und vaginaler Entbindung festgestellt werden. Jedoch berichteten Mütter, die mit Kaiserschnitt entbunden hatten, nach elf Jahren häufiger über vaginale Schmerzen des Sexes.

Unterleibsschmerzen im Rahmen von Sex könnten laut Studienautorinnen und -autoren unter anderem mit Narbengewebe in der Gebärmutter zusammenhängen. Eine weitere mögliche Erklärung ist ihrer Ansicht nach, dass bereits vorbestehende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ein Prädiktor für Schwierigkeiten bei der natürlichen Geburt sind. Entsprechend wird bei Frauen mit Vaginismus und Vulvodynie – zwei Sexualstörungen, die Schmerzen beim Sex hervorrufen – häufiger ein Kaiserschnitt durchgeführt. Da die Frauen in dieser Studie jedoch nicht zu vorbestehenden Sexualstörungen befragt wurden, konnte die Ursache nicht abschließend geklärt werden.

Login erfolgreich

Sie haben Sich erfolgreich bei arzt-wirtschaft.de angemeldet!

×