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Nachwuchs kommt bereits im Mutterleib auf den Geschmack

von Melanie Söchtig

Schwangere mit Apfel in der Hand
Bild: SHVETS production / Pexels

Durch das Schlucken und Einatmen von Fruchtwasser gelangen Föten mit Aromen der Nahrung, die ihre Mütter zu sich nehmen, in Kontakt. Dabei zeigen sie differenzierte Reaktionen auf verschiedene Geschmacksstoffe, die sich mittels 4D-Ultraschalluntersuchung aus ihrem Gesicht ablesen lassen.

Die Entwicklung der Geschmacksknospen beginnt bereits in der achten Schwangerschaftswoche und ist in der 14. Schwangerschaftswoche so weit abgeschlossen, dass Geschmacksstoffe detektiert werden können. Ab der 24. Schwangerschaftswoche sind außerdem die olfaktorischen Neurone weit genug ausgereift, um Gerüche zu erkennen. Obwohl sich die chemosensorischen Sinne nach der Geburt anatomisch und funktionell weiterentwickeln, sind Föten schon im letzten Schwangerschaftsdrittel in der Lage, Aromen aus dem Fruchtwasser wahrzunehmen.

Forschende aus England und Frankreich haben nun erstmals in einer Studie untersucht, wie Ungeborene auf diese ersten Geschmackseindrücke reagieren. Hierfür haben sie bei insgesamt 100 gesunden Schwangeren im Alter zwischen 18 und 40 Jahren 4D-Ultraschalluntersuchungen in der 32. und 36. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Geschmackstest mit süßer oder bitterer Pille

Die Teilnehmerinnen wurden gebeten, eine Stunde vor der Untersuchung nichts mehr zu sich zu nehmen und 20 Minuten vorher entweder eine Karottenpille (n = 35) oder eine Kohlpille (n = 35) zu schlucken. In der Kontrollgruppe (n = 30) nahmen die Frauen vor dem Ultraschall keine Pille ein.

Die Pillen enthielten je 400 mg Gemüsepulver, was in etwa einer halben Karotte bzw. 100 g geschnittenem Kohl entspricht. Die Studienautorinnen und -autoren entschieden sich für das Aroma von Karotte, weil dieses meist als süß oder fruchtig wahrgenommen wird, und für Kohl, weil dieser im Gegensatz dazu viele Bitterstoffe enthält.

Reaktionen im Gesicht der Föten ablesbar

Nach rund einer halben Stunde zeichneten sich eindeutige Reaktionen im Gesicht der Föten ab.  So beobachteten die Forschenden bei Föten, deren Mütter eine Karottenpille zu sich genommen hatten, ein lächelndes Gesicht, teils mit ausgestreckter Zunge. In der Kohlgruppe erschien der Gesichtsausdruck der Ungeborenen dahingegen eher weinerlich und in der Kontrollgruppe blieb er neutral. Darüber hinaus wurden die Reaktionen mit zunehmender Reife der Föten komplexer – zumindest in der Kohlgruppe.

In einer weiterführenden Studie möchten die Forschenden jetzt untersuchen, ob sich die Föten während ihrer Entwicklung im Mutterleib an „unangenehmere“ Aromen wie Kohl gewöhnen können und diese nach dem Abstillen bereitwilliger zu sich nehmen.

 

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