COVID-bedingte Symptome

Long- und Post-COVID: Wenn Corona länger dauert

Am 18. August hat die Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) die „S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID: ein klinisch-praktischer Leitfaden“ vorgestellt. Sie soll beim Umgang mit dem vielgesichtigen Krankheitsbild helfen.

Long-COVID oder Post-COVID?

Rund zehn bis 15 Prozent der akut an COVID-19 Erkrankten leiden auch nach vier bis zwölf Wochen oder sogar nach mehr als zwölf Wochen noch an COVID-bedingten Symptomen bzw. entwickeln diese neu. Die neue S1-Leitlinie, die unter Federführung der DGP entstanden ist, teilt diese Krankheitsstadien in Long-COVID (>4 bis 12 Wochen) bzw. Post-COVID (>12 Wochen) ein. Diese Klassifikation orientiert sich an der des Britischen National Institute for Health and Clinical Excellence – NICE. Dabei fließen fortbestehende Symptome aus der akuten Erkrankung ein, aber auch aus der Behandlung resultierende oder solche, die nach Ende der akuten Phase infolge der COVID-19- Erkrankung aufgetreten sind. Auch die Verschlechterung einer vorbestehenden Grunderkrankung zählt dazu.

Für Niedergelassene und alle anderen Fachrichtungen, die diese Patienten sehen

Bereits die Diagnose sei oft eine Herausforderung, betonte Professor Dr. med. Michael Pfeifer, Pastpräsident der DGP. Deshalb richteten sich die Empfehlungen sowohl an Hausärztinnen und -ärzte, häufig der Erstkontakt der Kranken, als auch an Ärztinnen und Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen, die diese Corona-Folgen ebenfalls sehen.

Nicht nur nach schweren Akutverläufen

Auch sehr milde Verläufe könnten zu Spätsymptomen führen, die dann nicht zwangsläufig mit COVID-19 in Verbindung gebracht würden, erklärte Pfeifer. Außerdem seien bisher rund 200 sehr vielfältige und oft recht unspezifische Krankheitssymptome identifiziert: Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen gehören ebenso dazu wie extreme Abgeschlagenheit, wobei sich psychische und somatische Symptome schwer voneinander abgrenzen lassen.

Noch keine formale Evidenz, aber mit hohen Qualitätsstandards

Die Leitlinie könne noch keine auf formaler Evidenz beruhenden Empfehlungen geben, sondern basiere auf dem informellen Konsens der beteiligten Experten. Das erklärte Dr. med. Monika Nothacker, stellvertretende Leiterin des Instituts für Wissenschaftliches Wissensmanagement der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF). Dies sei der Dringlichkeit geschuldet, mit der die Leitlinie gebraucht werde. Ein bis drei Jahre auf Studien und formale Evidenz zu warten, um eine S3-Leitlinie zu erstellen, sei in der Pandemie keine Option gewesen. Die vorgestellte S1-Leitlinie zu Post-COVID habe von der Anmeldung Ende März bis zur Veröffentlichung Mitte Juli nur dreieinhalb Monate benötigt, erfülle aber dennoch die hohen Ansprüche der AWMF und sei in Abstimmung mit Experten aus 21 Fachgesellschaften, Organisationen und Institutionen entstanden. Die Leitlinie spiegelt den aktuellen Wissensstand wider und soll kontinuierlich aktualisiert werden.

Die vielen Gesichter von Long und Post-COVID

Frank Elsholz, Oberarzt und Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin an der LungenClinic Grosshansdorf kennt die vielen unterschiedlichen Symptome: „Bei Patienten, die nach einem längeren Aufenthalt auf der Intensivstation zu uns kommen, besteht in der Regel ein vollständiger Verlust oder zumindest eine deutliche Einschränkung der Selbstständigkeit“, berichtete er. Am häufigsten beeinträchtige die Erkrankung die Lungenfunktion. Zudem sei durch das wochen-, manchmal monatelange Liegen die Muskulatur oft stark abgebaut, die Funktion der Rumpfmuskulatur, der Arme und Beine weitgehend verloren gegangen. Gehen und Stehen, Halten und Greifen sei nicht immer möglich. Außerdem träten oft neurologische Symptome wie Gedächtnisstörungen und Konzentrationsverlust auf, aber auch Ängste infolge der erlebten Extremsituation. Auch Schluck- und Sprechfähigkeit könnten infolge der Beatmung eingeschränkt sein. In der Frührehabilitation sei daher eine intensive interdisziplinäre Betreuung notwendig.

Long oder Post-COVID-Fälle bei vollständig Geimpften habe er in seiner Früh-Reha im Übrigen bisher nicht erlebt, berichtete Elsholz. Nur ein oder zwei Fälle bei einfach Geimpften.

Zur Leitlinie: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-027.htm

Quelle: Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) am Mittwoch, 18. August 2021

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