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Breiten sich gefährliche unbekannte Adenoviren in Europa aus?

von Melanie Söchtig

Ärztin deutet auf den Schriftzug Hepatitis
Foto: Michail Petrov - stock.adobe.com

Als mögliche Ursache für bislang ungeklärte Fälle von akuter Leberentzündung bei Kindern in Europa kommen unter anderem Adenoviren in Betracht. Diesem Verdacht ist das Europäische Referenznetzwerk für seltene Lebererkrankungen (ERN RARE-LIVER) jetzt nachgegangen.

In den letzten Wochen hatten gehäufte Meldungen von Fällen schwerer akuter Hepatitis, insbesondere aus Großbritannien, aber auch aus anderen europäischen Ländern, für Aufsehen gesorgt. In der wissenschaftlichen Diskussion sind dabei auch Adenoviren als potenzielle Auslöser zur Sprache gekommen. Hintergrund war ein genereller Anstieg von Adenovirus-Infektionen im Vereinigten Königreich sowie der Nachweis von Adenoviren in mindestens 74 der ungeklärten Hepatitis-Fälle bei Kindern.

Um die Bedenken eines tatsächlichen Anstiegs der Fallzahlen weiter zu untersuchen, führte das ERN RARE-LIVER eine Umfrage unter 33 Leberzentren aus 21 Ländern durch. Laut einer offiziellen Mitteilung des Referenznetzwerkes deuten die Ergebnisse darauf hin, dass nur eine Minderheit der Betroffenen innerhalb der Gesamtgruppe der Kinder mit akuter Hepatitis tatsächlich eine Infektion mit Adenoviren aufweist.

Experten sind sich einig

„Diese ersten Zahlen sind beruhigend, aber es ist wichtig, die weitere Entwicklung gut im Auge zu haben“, so Dr. Dominic Lenz vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Ähnlich sieht das auch Prof. Ruben de Kleine von der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Groningen: „Wir beobachten eine niedrige Anzahl von Kindern mit einer Adenovirus-Infektion in einer sehr viel größeren Gruppe von Kindern mit akutem Leberversagen. Wir erkennen diese klinische Entität mit akutem Leberversagen aus den Vorjahren und wissen, wie wir damit umzugehen haben. Wir werden die Fälle, die wir dokumentiert haben, genauer untersuchen und sorgfältig überwachen, ob die Zahlen steigen.“

Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, fügt hinzu: „Es ist gut vorstellbar, dass durch den Lockdown und andere, international vorgenommene Pandemie-Schutzmaßnahmen die Immunität bei Kindern gegen Alltagsviren sich verändert hat.“ In Einzelfällen könne dann eine normale Virusinfektion wie durch Adenoviren zu überschießenden Immunreaktionen führen. „Dies scheint aber ein extrem seltenes Ereignis zu sein. Es gibt aktuell keine Hinweise für eine Verbreitung eines neuen gefährlichen Hepatitisvirus.“

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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