Klima und Gesundheit

Nachhaltige Hausarztpraxis: Klimabezogene Beratung zahlt sich aus

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte erklären in der Sprechstunde, dass und auf welche Weise klimafreundliches Leben gesund hält. ARZT & WIRTSCHAFT hat einen von ihnen virtuell getroffen.

Logo UND IN ZUKUNFT Klimaschutz & Nachhaltigkeit

Grafik: iStock/Ratsanai

Dr. Ralph Krolewski, Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in Gummersbach hat im April 2019 in seiner Hausarztpraxis eine Klimasprechstunde eingeführt. Ziel war es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die planetare mit der menschlichen Gesundheit verknüpfen, in patientenorientiertes Handeln zu integrieren. Diesem Ziel folgt auch die Arbeitsgemeinschaft der DEGAM „Klimawandel und Gesundheit“, die Krolewski mitbegründet hat. Ihr Motto: Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die globale Gesundheit im 21. Jahrhundert – Hausärzt*innen sind gefragt.

Die hohe Reichweite nutzen

Bei rund 220 Patientenkontakten pro Woche ist die ärztliche Reichweite hoch, deshalb zielt Krolewski darauf ab, schädliche und ressourcenintensive Übertherapie zu vermeiden. Er berät präventiv zu Ernährung, aktiver Mobilität und gesunder ressourcensparender Lebensführung und nutzt dabei gesundheitliche Fragestellungen, um den Zusammenhang zur klimafreundlichen Lebensweise herzustellen. Allein hierdurch lasse sich die krebs- oder kardiovaskulär bedingte sowie die Gesamtmortalität um bis zu 30 Prozent senken, wie große Studien zeigten. Gleichzeitig machten Mobilität und Ernährung nach Angaben des Umweltbundesamts zusammen 37 Prozent des durchschnittlichen CO2-Fußabdrucks aus.

Gesprächsführung in vier Phasen

In der ersten Phase des Arzt-Patienten-Kontakts steht das auslösende Beschwerdebild im Vordergrund. Häufig sind dies muskuloskeletale oder kardiovaskuläre Erkrankungen, psychische Beschwerden, Primär- oder Sekundärprävention, die sich gut eignen, um auf die Verknüpfung zwischen Gesundheit und Klima einzugehen. Manche Patientinnen und Patienten schildernd etwa selbst, dass sie sich Sorgen über die Umweltsituation machen.

Die zweite Phase ist in der Klimasprechstunde die interessierte Anamnese: Hier erhebt Krolewski neben den bekannten Faktoren auch Lebensstil und Kontextfaktoren und nutzt zur Standardisierung Fragebögen beispielsweise zu Lebensstil und psychischer Gesundheit.

Bewegung und gesunde Ernährung

In der dritten Phase, der Diagnose mit Risiko- und Prognoseermittlung, nutzt Krolewski, dass im Rahmen von Gesundheitsuntersuchungen (§ 25 SGB V) richtliniengemäß Risiko-Rechner eingesetzt werden können. Er selbst berechnet mit ARRIBA das individuelle kardiovaskuläre Risiko, das der Mensch vor ihm in den kommenden zehn Jahren trägt. Anhand einer optischen Darstellung erfährt der oder die Betroffene, dass sich dieses Risiko durch mehr Bewegung und gesündere Ernährung um 30 bis 50 Prozent senken lässt. Signalisieren Patient oder Patientin Interesse, dann adressiert Krolewski deutlich, welche Umweltauswirkungen der gewählte Lebensstil hat.

Im Zentrum der vierten Phase stehen nicht mehr ausschließlich die Symptom- und Krankheitskontrolle. Mit der patientenorientierten Therapiewahl stärkt Krolewski die Selbstwirksamkeit und Motivation seiner Patientinnen und Patienten und befürwortet dabei nicht-medikamentöse Verfahren und Lebensstiländerungen, um so Morbidität und Mortalität vorzubeugen und die Lebensqualität zu steigern. Für eine ressourcenschonende Versorgung, die möglichst wenig Treibhausgase freisetzt, richtet er sich nach der Leitlinie der DEGAM zur Vermeidung von „Über-, Unter- und Fehlversorgung“.

Erklärt in unter zehn Minuten

In einem fünten Schritt erhalten Patientinnen und Patienten ein individualisiertes Anschreiben, in dem sie die besprochenen Ergebnisse und Maßnahmen nachlesen und vertiefen können. Hier finden sie zudem Informationsquellen, die sie dabei unterstützen, ihren Lebensstil eigenverantwortlich zu verändern und ihre Gesundheit zu verbessern. Im kontinuierlichen Kontakt evaluiert die Praxis die Erfolge und spricht die Ziele immer wieder an.

Insgesamt sei dieses Vorgehen individuell angepasst in rund 80 Prozent aller Patientensituationen anwendbar – und zwar in einem Zeitaufwand von unter zehn Minuten. Rund ein Viertel der Patientinnen und Patienten sei sofort interessiert, den anderen werden Informationen weiterhin angeboten.

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