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Nachhaltiges Projekt: Holzbau für die Intensivpflege

von A&W Online

Palm Pforzheim Paul Löbe Str
Foto: DG/Bebop media
Nachhaltigkeit wird auch bei Neubauten zunehmend zu einem wichtigen Thema. Erste Kliniken und Gesundheitseinrichtungen tasten sich an das Thema Holzbauweise heran. Welche Herausforderungen auf Bauherren warten, zeigt ein kürzlich abgeschlossenes Projekt.

Das erste größere Holzbauprojekt im Gesundheitswesen war ein viergeschossiger Erweiterungsbau in Baden-Baden, der einer Klinik als Bettenhaus dient. Die zweite „Holzklinik“ ist ein Solitär, steht in Pforzheim und wird als Einrichtung für betreutes Wohnen mit acht Intensivpflegebetten genutzt. Insbesondere beim Thema Brandschutz erweisen sich die Projekte als schwierig, denn der ist für Holzgebäude technisch herausfordernd und setzt Know-how voraus. Doch der Aufwand lohnt sich, weil die Gebäude schneller fertiggestellt und ökologischer sind als reine Betonbauten.

Was für Holzbauweise spricht

Während Bauen mit Beton als Ressourcen fressend gilt, ist ein Holzbau deutlich nachhaltiger. Der nachwachsende Rohstoff ist kein Klimakiller, im Gegensatz zu Beton. Ein weiteres Argument ist die schnelle Bauweise. So steht im Holzbau ein Geschoss innerhalb von drei Tagen, da Zimmerleute die Wände vorfertigen und diese auf die Baustelle liefern. Dort werden sie nur noch zusammengesetzt.

Bauherr in Pforzheim ist der Standortentwickler Palm aus Schorndorf. Geschäftsführerin Monika Seckler-Fleischer erklärt das Konstrukt: „Der neue Rohbau ist aus statischen Gründen zu 70 Prozent aus Holz und zu 30 Prozent aus Beton gefertigt“. Mieter ist der Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke, der mit dem Standort Pforzheim in Summe sechs Wohngemeinschaften mit 50 Intensivpflegebetten betreibt. Der kubische Bau besteht aus drei Vollgeschossen und einem Flachdach, beides sieht der Bebauungsplan so vor, der auch eine Vollbebauung des Grundstücks erlaubt.

Verschärfte Verordnungen für Krankenhäuser

Das Pforzheimer Bauamt stuft das Gebäude als Krankenhaus und somit als Sonderbau ein. Damit gehen verschärfte Verordnungen wie schwere Brandschutztüren sowie die Verkapselung aller hölzernen Rohbauelemente einher. Stichwort Brandschutzqualität „K2 60“. Sie besagt, dass alle Holzbauteile mit Gipsfaserbauplatten ummantelt sein müssen. Damit die Brandlast möglichst gering ist und genügend Zeit bleibt, Pflegebedürftige zu evakuieren. Das Problem: diese Art des Holzbaus bedarf eines speziellen Zertifikats. In ganz Süddeutschland haben nur 25 Betriebe diese Zulassung.

Ein Schwarzwälder Holzbaubetrieb aus Schönbronn gehört zu diesem Kreis und kann die vom Amt geforderte Qualität liefern. Binnen sechs Wochen stehen Wände und Decken des 2,5 Millionen-Projekts. Und weil das 800 m² Nutzfläche umfassende Gebäude zum Großteil vorgefertigt ist, gehen Restarbeiten wie Elektro- und Sanitärinstallation schneller als bei einem herkömmlichen Ziegel-Beton-Haus.

Barrierefrei und wohnlich gestaltet

Auch wenn die Einrichtung als Krankenhaus gilt, erinnert im Innenbereich kaum etwas an eine medizinische Einrichtung. Im Gegenteil, wie Karin Riegraf, Niederlassungsleiterin beim Heimbeatmungsservice, erläutert: „Unsere acht Bewohner leben viel mehr wie in einer Studenten-WG zusammen“. Statt Keramikfliesen wirken wasserfeste, fugenfreie Wand- und Bodenbeläge in warmen Farben in den Bädern wohnlich. Sie sind zudem mit Hohlkehlenverarbeitung hygienisch. Sofern möglich sollen die Klienten ihren Alltag zusammen verbringen. Die Küche im Erdgeschoss ist für gemeinsames Kochen und Essen ausgelegt. Die Arbeitsplatte ist in Teilen niedriger, damit Bewohner im Sitzen schnippeln und schneiden können. Natürlich sind in allen Stockwerken Flure, Zimmer, Bäder und Aufenthaltsräume barrierefrei und damit mit Rollstühlen befahrbar. Das Pflegebad hat Fenster und einen Decken-Lifter und das Gebäude verfügt über einen innenliegenden Aufzug.

Von außen kommt der Bau schlicht elegant daher. Dass darin Intensivpflege geleistet wird, ist für Passanten kaum wahrzunehmen. Die für den Blick aus dem Krankenbett tiefer eingesetzten Fenster sind mit Plissees bestückt, sie schützen die Bewohner vor allzu neugierigen Blicken. Über die zusätzlichen Fluchtbalkone freut sich Riegraf, denn sie ermöglichen den eingeschränkten Bewohnern schnell an die frische Luft zu kommen. Was die Feuerwehr für den Notfall fordert, kommt den Patienten auch im Alltag zugute.

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