Reifeprüfung: Als MFA fit für mehr Verantwortung?
Gülsen LimanTeamleader sollten die passende Qualifikation und Persönlichkeit mitbringen. Was gute Führung ausmacht, wie man sie erlernen kann und warum es sich lauch für MFA ohnt, beruflich mehr Verantwortung zu übernehmen.
Menschen, die sich fachlich und persönlich weiterentwickeln, spüren früher oder später den Wunsch nach mehr Verantwortung. Sie wollen nicht nur mitarbeiten, sondern mitgestalten, Strukturen verbessern und andere dabei mitnehmen. Der Schritt in eine Führungsrolle erfolgt dabei ganz unterschiedlich: Manche wachsen aus dem bestehenden Team heraus in diese Position hinein, andere übernehmen Führungsverantwortung von außen – allein oder gemeinsam mit einer zweiten Führungskraft.
Für MFA gibt es verschiedene Rollen, die mit mehr Verantwortung und auch besseren Verdienstmöglichkeiten verbunden sind: Team- oder Praxismanager:in, leitende MFA, QM-Beauftragte, Hygienebeauftragte oder Ausbilder:in und noch viele mehr. Fachliche Kompetenz allein reicht jedoch nicht aus. Entscheidender ist die Fähigkeit, Menschen führen zu können.
Rein in die neue Rolle
Der Rollenwechsel vom Teammitglied zur Führungskraft ist eine der größten Herausforderungen. Plötzlich sollen Kolleg:innen angeleitet, Entscheidungen getroffen und auch unbequeme Dinge angesprochen werden. Alte Dynamiken wirken nach, Erwartungen sind unausgesprochen, die Unsicherheiten auf beiden Seiten groß.
Gerade hier ist Führung besonders wichtig. Das bedeutet: klare Kommunikation, transparente Entscheidungen. Auch ein bewusster Umgang mit Nähe und Distanz hilft, Akzeptanz aufzubauen. Wer versucht, es allen recht zu machen, verliert schnell an Orientierung. Wer hingegen Haltung zeigt und gleichzeitig menschlich bleibt, schafft Vertrauen.
Kommt man als Führungskraft von außen, trifft man auf gewachsene Strukturen, unausgesprochene Regeln und bestehende Konflikte. Hier braucht es vor allem eine gute Beobachtungsgabe, Geduld und echtes Interesse an den einzelnen Persönlichkeiten im Team. Führung bedeutet zunächst, zuzuhören, bevor man gestaltet oder gestalten kann.
Tragfähige Entscheidungen fürs Team
Doch wann wird Führung überhaupt verlangt? Wann immer Entscheidungen anstehen, die durch Konflikte, aber auch durch Veränderungen und Umstrukturierungen entstehen, ist es wichtig, dass einer im Team den Hut aufhat. Das bedeutet nicht, dass er oder sie einsame Entscheidungen trifft. Vieles kann auch vom Team gemeinsam erarbeitet werden. So wird der Entschluss tragfähiger, hat einen breiteren Rückhalt. Am Ende des Tages aber muss die Führungskraft diese Entscheidung allein verantworten und kann sich nicht auf Mehrheiten im Team berufen. Auch bei Überlastungssituationen oder Unsicherheiten besteht Klärungsbedarf durch die Teamleitung. Ebenso, wenn es offensichtliche Leistungsunterschiede in der Belegschaft gibt, die zu Unmut und Missgunst führen.
Nicht zuletzt verantwortet die Führungskraft eine optimale Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen. Zumindest muss sie dieses Onboarding delegieren und den aktuellen Stand regelmäßig überprüfen. Kurz: Führung gibt Orientierung. Sie schafft Sicherheit, wo Unklarheit herrscht.
Mit Haltung und Persönlichkeit
Führung ist aber kein Titel, sondern eine innere Haltung. Um führen zu können, braucht man einen eigenen inneren Kompass und muss den Mut aufbringen, Konflikte anzusprechen und zu lösen. Das bedeutet jedoch nicht, laut oder dominant aufzutreten – sondern Verantwortung für schwierige oder herausfordernde Situationen zu übernehmen.
Zu den wichtigsten Werkzeugen gehören Eigenschaften wie
klare Kommunikation und Feedbackfähigkeit
Selbstreflexion und emotionale Kompetenz
Konfliktfähigkeit
Entscheidungsstärke und
die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Denn perfekte Führungskräfte fallen selten vom Himmel. Manche bringen zwar eine gewisse Persönlichkeit und Veranlagung dazu mit, die sie im Laufe des Berufslebens weiterentwickeln. Aber Führung lässt sich auch später noch lernen. Wer sich hier noch nicht fit genug fühlt, kann sich von Profis coachen lassen, z. B. mit dem Coaching-Programm „Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit“. Denn Führung beginnt immer bei einem selbst. Und wer sich selbst führen kann, kann meist auch andere gut durch den Praxisalltag navigieren.
5 Motivations-Tipps fürs Team
Anerkennung zeigen – regelmäßig und ehrlich
Sinn vermitteln – warum wir tun, was wir tun
Entwicklung ermöglichen
Mitgestalten lassen
Erfolge sichtbar machen
Motivation und prima Klima
Gute Führungskräfte sind unglaublich wichtig. Denn viele Umfragen zeigen: Die Loyalität zu einem Arbeitgeber und eine effiziente Arbeitsleistung hängen nicht nur von einem attraktiven Gehalt ab. Die meisten Arbeitnehmer:innen ziehen ihre Motivation dafür vielmehr aus den Softskills ihrer Vorgesetzten. Wertschätzende, anerkennende Worte, Fürsorge und ein offenes Ohr zählen meist viel mehr. Denn sie geben den Mitarbeitenden Sicherheit, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen und dadurch selbst eigenverantwortlich zu handeln. Dieses Gefühl wirkt sich direkt auf das Arbeitsklima, die Patientenversorgung und den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis aus.
Eine gute Führungskraft spürt aufkommende Probleme und ungute Stimmungen im Team frühzeitig und kann sie durch geeignete Maßnahmen zeitnah (auf)lösen: durch regelmäßige Gespräche, das Verteilen klarer Rollen und Zuständigkeiten, eine wertschätzende Kommunikation und die Definition gemeinsamer Werte und Ziele. Wer Konflikte stattdessen unter den Teppich kehrt, ist Teil des Problems und mit schuld an einem toxischen Arbeitsklima, in dem Neid, Missgunst und Dienst nach Vorschrift gedeihen. Menschen, die sich nicht ernst genommen fühlen, entwickeln Frust, werden krank oder kündigen. Echte Führungspersönlichkeiten wissen mit der Fülle an Macht umzugehen und ihre Position nicht zu missbrauchen. Sie bleiben trotz ihrer Rolle menschlich, nahbar und auf Augenhöhe mit allen im Team. Sie wissen: Respekt entsteht nicht durch Hierarchie, sondern aus einer Mischung aus Empathie und Standfestigkeit.
Wer langfristig führen will, sollte sich selbst stetig weiterentwickeln – durch Reflexion, Feedback und Coaching. Gecoacht zu werden ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität. Denn nicht am Ziel werden wir groß, sondern auf dem Weg dahin!
5 Teamevents für mehr Zusammenhalt
Praxisphilosophie gemeinsam entwickeln: In einem moderierten Workshop Werte, Haltung und Miteinander definieren – das schafft Identifikation und Orientierung.
Visionboard-Workshop: Kreativ und symbolisch gemeinsame Ziele, Wünsche und Zukunftsbilder gestalten – sichtbar, motivierend und verbindend. Einmal im Jahr genügt.
Das Marmeladenglas der Momente: Ein Glas, in das das Team über‘s Jahr hinweg kleine Zettel mit lustigen, schönen oder auch herausfordernden Momenten wirft. Ein- oder zweimal im Jahr wird es dann gemeinsam ausgepackt, reflektiert und gelacht – echte Teambindung.
Gemeinsames Kunstwerk: Jede Person gestaltet ein Puzzleteil – zusammen entsteht ein großes Ganzes. Symbolisch für Vielfalt, Zusammenhalt und gemeinsame Verantwortung.
Ein bewusstes gemeinsames Erlebnis: Ob Outdoor-Aktivität, Kochkurs oder soziales Projekt Erlebnisse außerhalb des Praxisalltags stärken das Vertrauen und das Wir-Gefühl nachhaltig.
Gülsen Liman
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