Studie: Rolle der MFA soll weiter gestärkt werden
Heiko FeketeWie sieht es mit der Arbeitszufriedenheit von MFA aus? Welche Faktoren sorgen eher für einen Verbleib in der Praxis? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt eine Studie der Bertelsmann Stiftung - mit wichtigen Erkenntnissen für Ärztinnen und Ärzte.
Ohne die tatkräftige Unterstützung von MFA wäre der Betrieb einer Arztpraxis nur schwer aufrechtzuerhalten. Medizinische Fachangestellte sind somit eine tragende Säule der ambulanten Versorgung. Zu ihrer genauen Rolle hat die Bertelsmann Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben, um sowohl die aktuelle Situation als auch die Herausforderungen der Berufsgruppe zu analysieren. Die Ergebnisse sollen dabei eine umfassende Bestandsaufnahme liefern, in der Daten zu Arbeitsmarkt, Qualifizierung und Aufgabenprofil berücksichtigt werden.
Zahlen aus dem Arbeitsmarkt zeigen beispielsweise, dass in Deutschland zurzeit rund 475.000 MFA tätig sind. Der überwiegende Großteil (96 %) ist weiblich, auch wenn es von 2012 bis 2024 Zuwächse bei männlichen Beschäftigten gab. 40 Prozent der MFA arbeiten Vollzeit, der Rest setzt auf Teilzeitmodelle. Laut der Studie kann eine flexible Teilzeitgestaltung durch mehrere Teilzeitkräfte dazu dienen, Stoßzeiten in der Praxis wie während der Nachmittagssprechstunde besser aufzufangen. Flexibilität spielt auch beim Arbeitsort eine Rolle: Eine Befragung unter 192 MFA zeigt, dass 20 Prozent bereits die Möglichkeit zum Homeoffice hatten – hier sehen die Studienautoren insbesondere Potenzial, um organisatorische Verwaltungstätigkeiten oder Abrechnungen von zu Hause aus zu erledigen.
Gehalt, Arbeitsumfeld, Wertschätzung: Viele Herausforderungen für MFA-Beruf
Eher ernüchternd fällt das Fazit bei MFA-Gehältern aus. Hier zeigt sich, dass Medizinische Fachangestellte ohne Weiterbildung im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen wie Altenpflege oder Intensivpflege nach wie vor weniger verdienen. Erst durch Spezialisierungen lässt sich die Gehaltslücke effektiver schließen – gängige Weiterbildungen sind hier insbesondere NäPA/VERAH, Fachwirt/-in für ambulante medizinische Versorgung oder Physician Assistants. Eine gute Qualifikation ist auch der Schlüssel, um Aufgaben innerhalb eines Praxisteams besser delegieren zu können, schreibt die Studie. So können Ärztinnen und Ärzte davon profitieren, bei einfacheren Untersuchungen und im größeren Stil bei administrativen Tätigkeiten durch eine gezielte Aus- und Weiterbildung entlastet zu werden.
Gleichzeitig ist der Beruf der MFA mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Er gilt seit 2019 als Engpassberuf, schon heute können viele Stellen nicht nachbesetzt werden und bis zum Jahr 2028 wird eine Fachkräftelücke von über 14.000 MFA vorhergesagt. Knapp zwei Drittel der untersuchten Praxen (61 %) bilden selbst aus, allerdings bleiben 25 Prozent der Auszubildenden trotz Übernahmeangebot nicht in der Ausbildungspraxis. Sie zieht es entweder in andere Praxen oder in die Klinik, viele orientieren sich außerdem beruflich nach der Ausbildung wieder um. Auch der vorzeitige Berufsausstieg von länger tätigen MFA wird zunehmend zur Herausforderung. Zu den Gründen zählt die Bertelsmann Stiftung unter anderem eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung, fehlende Anerkennung, restriktive gesetzliche Rahmenbedingungen oder ein zunehmend respektloses Patientenverhalten.
MFA der Zukunft: Rollenverteilung und Delegation klar erwünscht
Die Studie geht daher auch der Frage nach, wie sich die Berufsbindung für MFA an die Praxis verbessern lässt. Erwähnt werden zum einen eine angepasste Praxisorganisation, in der klare Zuständigkeiten und strukturierte Abläufe definiert sind. Auch mehr Fokus auf Teamarbeit und Kommunikation, etwa durch regelmäßige Morgenbriefings, Mitarbeiter- und Feedbackgespräche kann das Wohlbefinden im Praxisalltag steigern. Das Bertelsmann-Papier verweist dabei auf Fortbildungsangebote zur Mitarbeiterführung, die Ärztinnen und Ärzte im Zuge ihrer Mitgliedschaft bei Ärzteverbänden wie der Bundesärztekammer wahrnehmen können.
Zudem gewinnt die ärztliche Delegation mehr und mehr an Bedeutung: Hier sieht die Studie eine große Chance, dass qualifizierte MFA durch standardisierte Aufgaben in der Anamnese, Diagnostik und Verlaufskontrolle die ärztliche Versorgung gerade bei älteren oder multimorbiden Patienten gezielt entlasten können. Das zeigt sich auch durch die steigende Akzeptanz, wonach zum Beispiel Hausärzte heute deutlich häufiger delegieren als noch vor 15 Jahren. Gleichzeitig kann eine gelungene Delegation die Zufriedenheit innerhalb des Praxisteams stärken, heißt es weiter. In ihrem Fazit bekräftigen die Studienautoren den Wunsch, dass auch die Politik die interprofessionelle Arbeit im ambulanten Sektor durch klare Regularien besser fördert, um so angesichts der wachsenden Herausforderungen auf eine teambasierte Versorgung zu setzen.