Geschichte und Grundlagen

Einheitlicher Bewertungsmaßstab: Verzeihung, sprechen Sie EBM?

Tagtäglich haben Vertragsärztinnen und -ärzte mit ihm zu tun: dem EBM. Aber die wenigsten wissen mehr darüber, als dass es sich dabei um den Einheitlichen Bewertungsmaßstab handelt, der die Grundlage für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen bildet. Lesen Sie, was genau dahinter steckt.

Den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) gibt es bereits seit 1977. Er wurde gemeinsam mit dem Krankenversicherungs-Kostendämpfungsgesetz (KVKG) eingeführt. Bis dahin gab es für jede einzelne Krankenversicherung individuell ausgehandelte Gebührenordnungen, was aus Sicht des Gesetzgebers die Ausgabenbegrenzung erschwerte.

Der neu eingeführte EBM sollte ab diesem Zeitpunkt für alle gesetzlichen Krankenkassen gelten und so den Weg zu einer einnahmeorientierten Ausgabenpolitik im Gesundheitswesen ebnen.

Die Abrechnung der ärztlichen Leistungen erfolgt seit Einführung des EBM über die Kassenärztlichen Vereinigungen mit der gesetzlichen Krankenversicherung.

Leistungen, die außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung erbracht werden (z.B. bei privat Versicherten), werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Die Abrechnung der Leistung des Arztes erfolgt dann direkt mit dem Patient oder der Patientin. Die GOÄ ist eine Rechtsverordnung der Bundesregierung.

Sozialgesetzbuch als Grundlage

Laut fünftem Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB V) §87 Abs. 2 bestimmt der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) den Inhalt der abrechnungsfähigen Leistungen und ihr wertmäßiges, in Punkten ausgedrücktes Verhältnis zueinander. Soweit möglich, sind die Leistungen mit Angaben für den zur Leistungserbringung erforderlichen Zeitaufwand des Vertragsarztes zu versehen.

Bewertungsausschuss legt Inhalte fest

Welche Leistungen nun zu welchen Konditionen abrechenbar sind, definiert bundeseinheitlich ein spezieller Bewertungsausschuss (§87 Abs. 3-5 SGB V). Seit 1. Juli 2008 setzt sich dieser aus jeweils drei bestellten Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) zusammen.

Alle gefällten Entscheidungen des Bewertungsausschusses müssen einstimmig getroffen werden. Ist das nicht möglich, wird der Ausschuss um einen unparteiischen Vorsitzenden und zwei weitere unparteiische Mitglieder zu einem Erweiterten Bewertungsausschuss vergrößert. Dieser kann dann Inhalte des EBM durch Mehrheitsbeschluss festlegen. Die Rechtsaufsicht über den Bewertungsausschuss hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

EBM ist in ständigem Wandel

Seit seiner Einführung wurde der EBM immer wieder reformiert. So wird mittlerweile den Unterschieden in der haus- und fachärztlichen Versorgung dadurch Rechnung getragen, dass für die einzelnen Arztgruppen unterschiedliche Kriterien gelten.

Außerdem enthält der EBM heute überwiegend Pauschalvergütungen, aber nach wie vor auch Einzelvergütungen für besonders förderungswürdige Leistungen.

Auf regionaler Ebene erfolgt darüber hinaus eine gewisse Mengensteuerung durch Anreizmechanismen in der Euro-Gebührenordnung sowie durch die sogenannten Regelleistungsvolumina (RLV), die mengen- und praxisbezogene Preisabstaffelungen sicherstellen sollen.

Orientierungswert
Auch wenn sich der einer bestimmten Leistung zugrunde liegende Punktwert nur sehr selten ändert, erhalten Ärztinnen und Ärzte jedes Jahr einen unterschiedlichen Eurowert dafür. Das liegt am Orientierungswert, mit dem der Punktwert multipliziert wird.
Er wird jährlich vom Bewertungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen bundeseinheitlich neu für den EBM in Cent festgelegt und ist für die Gesamtvergütung maßgeblich. So hat er sich in den letzten Jahren entwickelt:

  • 2021: 11,1244 Cent
  • 2020: 10,9871 Cent
  • 2019: 10,8226 Cent
  • 2018: 10,6543 Cent

Nähere Informationen zur Struktur des EBM finden Sie in Teil 2 unserer EBM-Serie: “So ist der EBM gegliedert: Wegweiser für Arztpraxen”.

Die aktuelle Fassung des EBM steht auf der Seite der KBV zur Verfügung.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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