Selbstzahlerleistung

LKW-Führerschein: Was die ärztliche Untersuchung beinhalten muss und wie sie abgerechnet wird

Wer einen LKW-Führerschein will, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Basis ist der Pkw-Führerschein, auf dem die C-Klassen aufgebaut werden. Seit über 20 Jahren müssen für die Erlangung und auch für die Verlängerung eines LKW-Führerscheins (Klassen C, C1, CE, C1E) außerdem ärztliche Bescheinigungen vorgelegt werden.

Was braucht man für eien LKW-Führerschein?

Wer Lkw Fahrer werden möchte, muss zunächst einen Pkw-Führerschein machen. Die Klasse B ist Voraussetzung für die C1 oder C-Lizenz. Die C1 Lizenz kann man ab 18 Jahren erwerben. Sie ist Voraussetzung für die C1E-Erlaubnis, mit der man Anhänger über 750 Kilogramm fahren darf. Die CE-Lizenz kann nur bekommen, wer schon den C-Führerschein hat und mindestens 21 Jahre alt ist. Ausnahmen gibt es für Berufskraftfahrer-Azubis.

Welche Gesundheitsuntersuchung braucht man für den Lkw-Führerschein?

Neben Mindestalter und Fahrtauglichkeitsprüfung verlangt der Gesetzgeber von künftigen Brummifahrern auch eine Gesundheitsuntersuchung für den Lkw-Führerschein. Die ärztlichen Bescheingungen für den LKW-Führerschein beziehungsweise die diesen vorhergehenden ärztlichen Untersuchungen sollen klären, ob beim Fahrer Erkrankungen vorliegen, die eine Nichterteilung oder Nichtverlängerung der Fahrerlaubnis bedingen. Bei den LKW-Führerscheinbewerbern kann mit Ausnahme des augenärztlichen Teils diese Untersuchung von jedem Hausarzt durchgeführt werden.

Amtliche Vorgaben für die Gesundheitsuntersuchung

Die Einzelheiten zu dieser Untersuchung sind geregelt in der Fahrerlaubnisverordnung FeV (https://www.gesetze-im-internet.de/fev_2010/), insbesondere in der Anlage 5. Geprüft werden demnach:

  • Belastbarkeit
  • Orientierungsleistung
  • Konzentrationsleistung
  • Aufmerksamkeitsleistung
  • Reaktionsfähigkeit

Über das Ergebnis der Untersuchung müssen die Antragsteller eine Bescheinigung nach hier vorgegebenem Muster (Anlage 5 zur FeV) einreichen. Vorgaben oder Qualifikationen bei der Wahl des untersuchenden Arztes sind nicht formuliert.

Untersuchungsumfang der Fahrtauglichkeitsprüfung

Gemäß dem Hinweis für den Arzt (Teil I der Bescheinigung) sollen Kenntnisse erworben werden über das Vorliegen von „Beeinträchtigungen des körperlichen oder geistigen Leistungsvermögens, die Bedenken gegen seine Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen begründen.“

Zunächst fragt der Arzt im Rahmen der Anamnese nach einschränkenden Krankheiten und Unfällen. Des Weiteren müssen bestimmte Organbereiche untersucht werden, zu denen jeweils eine Stellungnahme abgegeben werden muss. Neben der Erhebung der Körpermessdaten ist dies die Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustandes. Weiter muss der Arzt auch nach Körperbehinderungen fragen oder bei der Untersuchung entsprechend prüfen.

Bei den einzelnen Organbereichen wird gesondert zum Herz-Kreislauf-System gefragt, zur Niere, zu endokrinen Störungen, zum Nervensystem sowie zum Gehör (Flüstersprache). Insbesondere ist auch nach psychischen Erkrankungen (Alkohol, Drogen, Arzneimittel) und nach Erkrankungen mit erhöhter Tagesschläfrigkeit zu fahnden. Laut Bescheinigung wird zusätzlich eine Urinuntersuchung erwartet (inkl. Sediment).

Die Frage nach Anzeichen einer schweren Bluterkrankung kann sicher klinisch beurteilt werden, auch die Untersuchung eines Blutbildes kann sinnvoll sein.

Für die Führerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E (LKW, Bus) sowie bei der Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung ist zudem eine umfangreiche Augenuntersuchung erforderlich. Hierbei wird eine Tagessehschärfe von 100% beim besseren und von 80% beim schlechteren Auge verlangt. Auch Farbsehen, Stereosehen und Gesichtsfeld werden geprüft.

Kosten der Gesundheitsprüfung für den Lkw-Führerschein

Die Gesundheitsprüfung für den Lkw-Führerschein ist für den Bewerber mit Kosten verbunden, da es sich hier immer um eine Selbstzahlerleistung handelt. Diese wird vom Arzt nach der GOÄ (Gebührenordnung der Ärzte) abgerechnet. Um böse Überraschungen auf beiden Seiten zu vermeiden, sollte vor der Untersuchung ein schriftlicher Behandlungsvertrag abgeschlossen werden.

Abrechnung nach GOÄ für Ärzte

Bei dem oben geschilderten Fragen- und Untersuchungsprogramm ist neben der Nr. 1 zweifelsfrei eine Ganzkörperuntersuchung (Nr. 8) erforderlich. Das Blutbild wird mit den Nrn. 250, 3550 und 3551 abgerechnet, der Urintest mit den Nrn. 3511 und 3531. Um bisher nicht bekannte Ischämien oder Rhythmusstörugen auszuschließen, ist ebenfalls ein EKG (Nr. 651) indizert.

Bleibt letztlich noch die Berechnung der Bescheinigung selbst. Hier kann die Nr. 70 abgerechnet werden. Aber auch die Nr. 80 (gutachtliche Äußerung) ist zu diskutieren, dann aber auch die Nrn. 95 und 96.

Abrechnungsbeispiel:

Diagnose: Untersuchung und Bescheinigung vor Beantragung oder Verlängerung eines LKW-Führerscheins

  • Nr. 1 Beratung
  • Nr. 8 Ganzkörperuntersuchung
  • Nr. 250 Blutentnahme
  • Nr. 80 Gutachtl. Stellungnahme
  • Nr. 95 Schreibgebühr
  • Nr. 96 Durchschrift
  • Nr. 651 Ruhe-EKG
  • Nr. 3511 Urin-Streifentest
  • Nr. 3531 Urinsediment
  • Nr. 3550 Blutbild
  • Nr. 3551 Differentialblutbild

Bei Anwendung des Regelsatzes (2,3/1,8/1,15-fach) ergibt sich hierbei ein Gesamthonorar von 133,61 Euro.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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