Wie Hausärzte davon profitieren

Vermittlungsfall an Fachärzte: Auswirkung auf das ärztliche Honorar

Im Terminservice- und Versorgungsgesetz wurden die Bedingungen des Hausarzt-Überweisungsfalles definiert. Wer diese beachtet, bekommt im hausärztlichen Versorgungsbereich etwas mehr Honorar.

Circa vier Monate nach Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) wurde zum 1. September 2019 der sogenannte Hausarzt-Vermittlungsfall eingeführt. Das hieß damals: Neben dem Vorteil für den Patienten (schnellerer Facharzttermin) sollte auch der Hausarzt davon profitieren, indem er einen Zuschlag auf die Versichertenpauschale abrechnen konnte.A andererseits sollten auf der Facharztseite diese Fälle extrabudgetär honoriert werden. Dazu wurde die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) bereinigt. Das bedeutet, diese Fälle wurden zunächst in Höhe der fachgruppenspezifischen Auszahlungsquote aus der MGV herausgerechnet und dann im Anschluss zu 100 Prozent ausbezahlt. Mit anderen Worten: Das effektive Mehrhonorar für die Fachärzte ist hier lediglich die Differenz zwischen 100 Prozent und der Fachgruppenquote.

GOP 03008/04008

Die Zuschlagsposition für die Vermittlung eines Patienten an den Facharzt ist für Hausärzte die Gebührenordnungsposition (GOP) 03008/04008, der „Zuschlag zu der Versichertenpauschale nach GOP 03000 (Pädiater: 04000) für die Vermittlung eines aus medizinischen Gründen dringend erforderlichen Behandlungstermins“. Zu den Fachärzten, an die überwiesen werden kann, gehören dabei auch Kinderärzte mit anerkannten Schwerpunkten (EBM 4.4) oder Zusatzweiterbildungen (EBM 4.5). Unbedingt erforderlich ist das Ausstellen einer entsprechenden Überweisung. Da die Arbeit der Praxis mit dem Ausstellen der Überweisung und der Vermittlung des Termins erledigt ist, ist es für die Bezahlung unerheblich, ob der Termin vom Patienten auch wahrgenommen wird.

Medizinische/formale Dringlichkeit

Bei der Definition „dringend“ muss hier zwischen zwei Sichtweisen unterschieden werden. Über die medizinische Dringlichkeit entscheidet letztlich der Hausarzt und nicht der Patient. Die abrechnungstechnische oder formale Dringlichkeit ist dann erfüllt, wenn der Termin innerhalb von vier Kalendertagen (nicht Werktagen!) nach Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit, also der Konsultation des Hausarztes, liegt (§ 17a BMV-Ä). Dabei zählt der Tag nach dem Tag der Konsultation als erster der vier Kalendertage.

Die Leistung ist dann mehrfach pro Behandlungsfall abrechenbar, wenn Vermittlungen an Fachärzte unterschiedlicher Fachgruppen erfolgen. Das heißt: an jede Fachgruppe maximal einmal.

Die GOP 03008/04008 ist nicht abrechenbar

  • bei Bagatellerkrankungen,
  • innerhalb einer BAG oder eines MVZ und
  • wenn der Patient im laufenden Quartal in dieser Praxis bereits von einem Arzt der Fachgruppe behandelt wurde. Dabei ist der Hausarzt verpflichtet danach zu fragen.

Vergütung beim Hausarzt

Die GOP 03008/04008 ist bewertet mit 93 Punkten, das sind aktuell 10,35 €. Die Auszahlung erfolgt zu 100 Prozent extrabudgetär, ohne eine Bereinigung bei der MGV der Hausärzte. Es handelt sich hier um komplett zusätzliches Geld.

EBM-Vorgaben
GOP 03008 (04008)
Zuschlag zu der Versichertenpauschale nach der Gebührenordnungsposition 03000 (04000) für die Vermittlung eines aus medizinischen Gründen dringend erforderlichen Behandlungstermins gemäß § 73 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB V i.V.m. § 17a Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä)
Obligater Leistungsinhalt:

  • Vermittlung eines Behandlungstermins bei einem an der fachärztlichen Versorgung teilnehmenden Vertragsarzt
  • Überweisung an einen an der fachärztlichen Versorgung teilnehmenden Vertragsarzt
Anzeige

Kostenfreie Online-Fortbildung – exklusiv für MFA/ZFA & Praxismanager

MFA und Praxismanager bilden den Grundstein jeder Praxis – ohne sie würde der Praxisalltag nicht funktionieren. Doch im geschäftigen Praxisalltag kann es vorkommen, dass wenig Zeit für die indivi... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

Weitere Artikel zum Thema:

Kassenabrechnung

Abrechnung von Videosprechstunden


GOÄ

Videosprechstunde: Abrechnung telemedizinischer Leistungen


EBM

Angiologische Diagnostik: Wichtige Informationen zur Abrechnung


17,6 Millionen Euro

Welches Honorarpotenzial steckt in der Videosprechstunde?


Kostenlose Broschüre downloaden

Die ärztliche Leichenschau: kostenlose Broschüre bietet Tipps