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Allgemeinmedizin
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Viel hilft viel – das ist nicht immer ein guter Ratschlag. Insbesondere wenn es um Essen und Trinken geht, ist das schon lange bekannt. Nicht umsonst wird eine gesunde Ernährung stets auch als ausgewogen bezeichnet. Und doch kommen immer wieder Trends auf, die für bestimmte Nährstoffe oder Essgewohnheiten eine Ausnahme von der Ausgewogenheit propagieren. Aktuelles Beispiel: der Proteingehalt. Beim Streifzug durch den Supermarkt findet man zahlreiche Produkte nun auch in einer neuen, als extra proteinreich ausgelobten Variante.

Proteinbedarf gesunder Erwachsener: Empfehlungen von DGVS und DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) betont, dass für gesunde Menschen ein routinemäßiger Konsum proteinangereicherter Fertigprodukte in der Regel nicht erforderlich ist. Sie verweist auf die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Erwachsene empfohlene tägliche Proteinzufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht – bei einem Gewicht von 70 Kilogramm entspricht das 56 Gramm Eiweiß. Diese Menge lasse sich mit einer ausgewogenen Mischkost erreichen.

Süßstoffe in Proteinshakes: potenzielle Risiken für metabolische Gesundheit

Neben der fehlenden Notwendigkeit täglicher Proteinshakes für gesunde Menschen verweist die DGVS auch auf mögliche Risiken dieser Produkte. Diese führt sie aber nicht auf den Proteingehalt, sondern auf die Verwendung von Süßstoffen zurück. Denn viele Proteinshakes werden zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion beworben und daher zuckerfrei angeboten. Aus geschmacklichen Gründen enthalten sie aber teilweise künstliche Süßstoffe wie Sucralose oder Xylit. Die DGVS führt zu diesen beiden Süßstoffen aktuelle Studien ins Feld, die einen kritischen Blick auf deren gesundheitliche Effekte werfen.

Sucralose: Einfluss auf Hungerregulation, Darmmikrobiom und Diabetes-Risiko

In einer randomisierten Crossover-Studie steigerte Sucralose die Aktivität im Hypothalamus. Das subjektive Hungergefühl der Probanden nahm rund eine halbe Stunde nach dem Konsum deutlich zu. Auch Veränderungen im Darmmikrobiom, die in experimentellen Studien mit dem Konsum von Süßstoffen in Verbindung gebracht wurden, könnten das Risiko für Übergewicht und Diabetes mellitus erhöhen.

Xylit in Proteinshakes: kardiovaskuläres Risiko im Blick behalten

Für Xylit hat eine Studie gezeigt, dass erhöhte Konzentrationen im Blut mit einem 57 Prozent höheren Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall verbunden waren; auch nach Korrektur für andere kardiovaskuläre Risikofaktoren blieb eine Assoziation. Mechanistisch stellten die Autoren fest, dass Xylit die Reaktivität der Blutplättchen erhöht und so die Gerinnselbildung begünstigen könnte.

Gewichtsreduktion in der Hausarztpraxis: Eiweiß aus natürlichen Lebensmitteln bevorzugen

Für Patienten, die ein paar Kilo abnehmen wollen, braucht es keine Spezialprodukte, erinnert die Fachgesellschaft. Im Rahmen einer ausgewogenen, proteinbewussten Ernährung könnten Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fisch, Eier oder Nüsse hochwertiges Eiweiß liefern. 

Adipositas-Therapie: Proteinshakes als Mahlzeitenersatz nur zeitlich begrenzt

Für Patienten mit Adipositas könne allerdings ein Mahlzeitenersatz mit Protein­shakes phasenweise Teil der therapeutisch begleiteten Ernährung sein. Denn insbesondere bei einer energiearmen Kost sollte auf eine ausreichende Eiweißzufuhr geachtet werden. Die DGVS fordert dabei aber eine fachliche Begleitung. 

Generell seien Proteinshakes keine Dauerlösung im Alltag. „Gegen einen gelegentlichen Proteinshake ist nichts einzuwenden – sofern er eine ausgewogene Ernährung ergänzt und nicht ersetzt“, erklärt Prof. Birgit Terjung, Bonn, für die Fachgesellschaft und betont: „Gesunde Ernährung beginnt nicht im Shaker, sondern auf dem Teller.“

Ältere Patienten: erhöhter Proteinbedarf, unklare Datenlage bei Adipositas

Für Senioren empfiehlt die DGE eine Mindestproteinaufnahme von einem Gramm pro Tag und Kilogramm. Für eine Empfehlung bei Adipositas fehlt hier noch die Datenbasis.

Quellen:

Pressemeldung der DGVS

Chakravartti SP et al. Nat Metab 2025;7:574–585