Wie Süßstoffe der Umwelt schaden
Heiko FeketeKünstliche Süßstoffe wie Acesulfam K und Sucralose haben aus medizinischer Sicht und auch ökologisch betrachtet einen eher zweifelhaften Ruf. Was bedeutet das für den Umgang mit diesen Stoffen, die lebensmittelrechtlich zugelassen sind? Das sollten Sie dazu wissen.
Die gesundheitliche Bewertung künstlicher Süßstoffe ist bislang ambivalent. Im Grundsatz gilt: Alle in der EU zugelassenen Süßstoffe gelten als gesundheitlich unbedenklich, sofern der Konsum einer empfohlenen Menge nicht überschritten wird. Vielen Zuckerersatzprodukten wird eine gewichtsreduzierende Eigenschaft nachgesagt, da sie im Gegensatz zu Zucker praktisch kalorienfrei sind. Aktuelle Studien zweifeln jedoch daran und rücken negative gesundheitliche Folgen mehr in den Fokus. So soll ein hoher Verzehr von Süßstoffen beispielsweise das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen.
Auch mögliche karzinogene Eigenschaften sowie negative Effekte auf das Mikrobiom und auf das kardiovaskuläre Risiko wurden untersucht. Die gesamte Datenlage ist allerdings noch nicht aussagekräftig genug, um eine abschließende gesundheitliche Risikobewertung künstlicher Süßstoffe vorzunehmen – so die derzeitige Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Eindeutiger fällt die Bewertung bei negativen Auswirkungen auf die Umwelt aus.
Süßstoffe können Wasserkreislauf gefährden
Auswertungen des Spurenstoffzentrums des Bundes am Umweltbundesamt haben gezeigt, dass die künstlichen Süßungsmittel Acesulfam K und Sucralose Gewässer und Trinkwasser belasten. Beide Stoffe können von Menschen nicht abgebaut werden und oft auch nicht in Kläranlagen. Damit sind die Stoffe über längere Zeit im Wasser nachweisbar und lassen sich auch in Wasserströmen weitertransportieren. Als Konsequenz verbleiben die Süßstoffe potenziell im Wasserkreislauf und können so in das Trinkwasser gelangen. Zwar war die nachgewiesene Konzentration von Acesulfam K und Sucralose sehr gering, dennoch warnt das Umweltbundesamt vor den Folgen einer Verunreinigung der Trinkwasserbestände.
Zugelassene Süßstoffe in der EU (eine Auswahl)
Sorbit (E 420)
Acesulfam K (E 950)
Aspartam (E 951)
Cyclamat (E 952)
Sucralose (E 955)
Erythrit (E 968)
Alternative Süßungsmittel: Stevia und Xylit sind unbedenklicher
Zuckerersatzstoffe finden sich auch öfters in Arzneimitteln und Hustenbonbons, häufig um deren Schmackhaftigkeit zu verbessern. Hier kommen neben Sucralose und Acesulfam K auch die synthetischen Süßungsmittel Cyclamat und Saccharin zum Einsatz, die aufgrund ihrer schlechten Abbaufähigkeit unter Umweltgesichtspunkten ebenfalls problematisch sind. Einige Hersteller von Bonbons haben bereits nachgebessert und setzen in ihrer Rezeptur auf Zuckeralternativen wie Stevia oder Xylit: Sie weisen in dieser Hinsicht eine etwas bessere Umweltbilanz auf, wenngleich sich Stevia in Kläranlagen auch nicht immer restlos abbauen lässt und Spuren hinterlassen kann. Daher ist auch bei diesen Zuckerersatzstoffen eine höhere Wachsamkeit erforderlich, sowohl aus Umwelt- als auch aus Gesundheitsgründen.