Gallensteine: Gesunder Lebensstil, gesunde Galle
Sabrina KempeDie westliche Lebensweise mit ungünstiger Ernährung und Bewegungsarmut, die Übergewicht nach sich zieht, erhöht das Risiko für die Entwicklung von Gallensteinen. Ein Grund mehr, Patienten zu einem gesunden Lebensstil zu ermuntern.
Wie Gallensteine entstehen und welche Risikofaktoren ihre Bildung fördern
Die Leber produziert Gallenflüssigkeit, die vorrangig aus Wasser, Cholesterin, Phospholipiden und Bilirubin besteht. Zur Förderung der Verdauung gelangt die Flüssigkeit durch den großen Gallengang in den Zwölffingerdarm; zusätzlich wird ein Vorrat in der Gallenblase angelegt. Benötigt der Körper beispielsweise bei fettreichem Essen besonders viel Gallenflüssigkeit, entleert sich die Galle in den Gallengang.
Ist die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit gestört, kristallisiert diese aus und bildet Cholesterinsteine aus Cholesterin, Pigmentsteine aus Kalzium und Bilirubinpigmenten oder Mischformen. Zu wenig Bewegung im Alltag sowie kalorienreiches und faserarmes Essen fördern Übergewicht und Adipositas und letztlich die Bildung von Gallensteinen. Auch eine östrogenbasierte Hormontherapie birgt ein erhöhtes Risiko für Gallenblasensteine und biliäre Symptome.
Typische Symptome bei Gallensteinen frühzeitig erkennen
Die Steine machen sich charakteristisch mit Schmerzattacken im Oberbauch bemerkbar, die bis in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen können sowie länger als 15 Minuten andauern. Häufig ist den Betroffenen zudem übel und sie müssen sich mitunter sogar erbrechen.
Gallensteinen vorbeugen: Ernährung und Bewegung als wichtigste Maßnahmen
In der betreffenden S3-Leitlinie wird zur Prävention von Cholesteringallenblasensteinen und biliären Symptomen eine regelmäßige körperliche Aktivität und eine bedarfsgerechte Ernährung empfohlen, um ein möglichst normales Körpergewicht zu erhalten. Dazu gehört es, weniger energiereiche Nahrungsmittel, Süßigkeiten und energiehaltige Getränke zu sich zu nehmen und mehr Obst, Vollkornprodukte, Gemüse und Salat zu verzehren. Ob allerdings eine rein vegetarische Ernährung das Steinrisiko positiv oder negativ beeinflusst, ist noch offen. Vorstellbar ist allerdings, dass sich ein gewisser Schutz aus dem mit dieser Ernährungsform assoziierten niedrigeren Body-Mass-Index und der Verwendung von pflanzlichen Ölen ergeben könnte. Auch scheint eine höhere Zufuhr von Vitamin C das Steinrisiko zu senken.
Medikamentöse Prophylaxe bei Gallensteinen nur in Ausnahmefällen sinnvoll
Eine generelle pharmakologische Vorbeugung von Gallensteinen wird nicht als sinnvoll erachtet. Allerdings gibt es hier Ausnahmen. Zum einen kann man der Bildung von Gallenblasen-Sludge oder -Steinen mit einer zeitlich begrenzten Gabe von Ursodesoxycholsäure entgegenwirken, wenn ein erhöhtes Risiko dafür vorliegt. Ein solcher Fall wäre zum Beispiel eine Reduktionsdiät zur Gewichtsabnahme oder nach einer Adipositas-Chirurgie. Zum anderen ist eine Therapie mit Ursodesoxycholsäure angebracht, wenn eine seltene erbliche Gallenerkrankung – das LPAC(Low-Phospholipid-associated Cholelithiasis)-Syndrom – klinisch diagnostiziert worden ist. Dieses führt durch einen genetischen Defekt (meist im ABCB4-Gen) zu phospholipidarmer Galle und zum gehäuften Auftreten von Cholesterinsteinen.
Kaffee und Gallensteine: Was die aktuelle Studienlage zeigt
Das Trinken von mildem Kaffee scheint bei Gallensteinen ungefährlich zu sein. Ob Kaffeegenuss Gallensteinen vorbeugen könnte, dazu ist die Datenlage widersprüchlich. Zumindest in einem aktuellen systematischen Review wurde eine vorbeugende Wirkung gefunden (Pham K et al. Nutr Res Rev 2025;38:1006–1026).