Adipositas und chronische Dermatosen
Nina GrellmannEntzündungsprozesse im Fettgewebe können den Verlauf von chronischen Hauterkrankungen verschlechtern. Gewichtsabnahme hingegen kann den Therapieerfolg spürbar verbessern.
Ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist adipös. Starkes Übergewicht und chronische Hauterkrankungen können sich gegenseitig verstärken. Das Bindeglied sind offenbar Entzündungsprozesse, die im Fettgewebe ablaufen und systemisch wirken. Welche Konsequenzen dies für die Behandlung hat, erläuterte Prof. Matthias Blüher, Leipzig, auf der Online-Pressekonferenz der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) am 24. Februar 2026 zum Auftakt der Fachtagung DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah KoPra in Leipzig.
Zusammenhang zwischen Übergewicht und Hauterkrankungen
„Für chronisch entzündliche Systemerkrankungen wie die Psoriasis besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung von Komorbidität wie beispielsweise dem metabolischen Syndrom“, erklärte Blüher. Umgekehrt stelle das metabolische Syndrom – eine Kombination aus bauchbetonter Fettverteilung, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Insulinresistenz – auch einen Risikofaktor für die Entstehung einer Schuppenflechte dar. „Das Bindeglied zwischen der Stoffwechselerkrankung Adipositas und Dermatosen wie Psoriasis könnte Entzündung sein“, so der Experte. Neben Psoriasis bestehe vermutlich auch bei Hidradenitis suppurativa und atopischer Dermatitis ein Zusammenhang zur Adipositas.
Fettgewebe als Auslöser für Entzündungen bei Dermatosen
„Vermutet wird, dass überschüssiges Fettgewebe proinflammatorische Mechanismen auslöst, die die Entwicklung von Hautkrankheiten beeinflussen“, erläuterte Blüher. Eine Schlüsselrolle spielen dabei sogenannte Adipokine – regulatorische Peptide, die vom weißen Fettgewebe freigesetzt werden. Zu diesen zählen unter anderem Leptin, Adiponektin, Interleukin-6, Tumornekrosefaktor-alpha und Plasminogenaktivator-Inhibitor. „Die Serum-Leptinspiegel sind bei Menschen mit Adipositas erhöht und Leptin könnte einer der Faktoren sein, die Adipositas und Psoriasis verbinden“, sagte Blüher.
Diese Erkenntnisse werfen die Frage auf, ob hohes Körpergewicht und die damit verbundenen Entzündungsprozesse den Therapieerfolg bei chronischen Hauterkrankungen beeinflussen.
Wie Gewichtsreduktion den Therapieerfolg bei Psoriasis verbessert
Tatsächlich zeigen Untersuchungen: Bei Patienten, deren antientzündliche Biologika-Therapie der Psoriasis von einer gleichzeitigen Gewichtsreduktion begleitet wird, ist der Behandlungseffekt besser. Das Problem: Konservative Therapieansätze wie Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltenstherapie erzielen oft nur einen moderaten Gewichtsverlust von drei bis fünf Prozent. „Wir wissen aber aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass eine Reduzierung des Gewichtes bei starker Adipositas nicht einfach ist“, gab der Experte zu bedenken.
Neue Medikamente zur Gewichtsabnahme: GLP-1-Rezeptoragonisten
„Mit den Inkretinmimetika, die in der Öffentlichkeit mit dem Begriff der ‚Abnehmspritze‘ verbunden sind, hat sich die Behandlung der Adipositas ganz grundsätzlich verändert“, konstatierte Blüher. Diese GLP-1- und GIP-Rezeptoragonisten ermöglichen einen signifikanten Gewichtsverlust von zum Teil mehr als 20 Prozent.
„Adipositas ist als chronische Krankheit nicht heilbar. Aber die neuen pharmakologischen Entwicklungen sind Meilensteine in der Therapie der Adipositas“, ergänzte der Wissenschaftler. Allerdings müsse man wissen, dass der erzielte Gewichtsverlust oft nicht von Dauer sei, wenn die Therapie abgesetzt wird.
Bei Patienten mit chronischen Dermatosen ...
... sollte das Thema Gewicht aktiv angesprochen und bei Bedarf endokrinologische oder hausärztliche Expertise in den Behandlungsprozess einbezogen werden.
Pressemitteilung zur DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah (KoPra) 26. – 28. Februar 2026