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Die Umfrage des Ärzteverbands MEDI Baden-Württemberg unter 1.782 Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zeichnet ein düsteres Bild: 95 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Patientenversorgung durch die geplanten Einschnitte in der ambulanten Versorgung verschlechtert. 79 Prozent blicken pessimistisch auf die Zukunft der ambulanten Versorgung im Land. 42 Prozent sind dabei „sehr pessimistisch“, 37 Prozent „eher pessimistisch“. Nur vier Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.

Auch die Perspektive der eigenen Praxis wird von den befragten Niedergelassenen kritisch eingeschätzt. 51 Prozent erwarten eine negative Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Situation. 35 Prozent sind hierbei „eher pessimistisch“, 16 Prozent sogar „sehr pessimistisch“. Lediglich 13 Prozent äußern sich bei dem Thema eher oder sehr optimistisch. Alarmierend: 85 Prozent fühlen sich durch das geplante Gesetz bereits stark oder sehr stark belastet. 46 Prozent bezeichnen die Belastung als sehr stark, weitere 39 Prozent als stark.

97 Prozent der Praxen erwarten Honorarverluste

Besonders deutlich fällt die Einschätzung der Ärzteschaft in Bezug auf die finanziellen Folgen aus. 97 Prozent der Befragten rechnen mit einem Honorarverlust infolge der geplanten gesetzlichen Regelungen. Die Hälfte der Praxen erwartet einen jährlichen Verlust von mehr als 20.000 Euro. Dabei rechnen:

  • 20 Prozent mit einem Verlust von bis zu 10.000 Euro,

  • 28 Prozent mit 10.001 bis 20.000 Euro,

  • 18 Prozent mit 20.001 bis 30.000 Euro,

  • 12 Prozent mit 30.001 bis 40.000 Euro,

  • 9 Prozent mit 40.001 bis 60.000 Euro,

  • 11 Prozent mit mehr als 60.000 Euro.

Nur drei Prozent erwarten keine finanziellen Veränderungen.

Für 64 Prozent der in der Umfrage erfassten Praxen machen GKV-Leistungen mehr als 70 Prozent des Umsatzes aus. Haus- und Facharztverträge wurden bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt. Einschnitte bei der GKV-Vergütung könnten sich damit unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit der Praxen auswirken.

Praxen erwägen weniger GKV-Termine und mehr Selbstzahlerleistungen

Die Befragten wurden auch danach gefragt, welche Konsequenzen sie für ihre Praxis in Betracht ziehen. Mehrfachnennungen waren möglich. Die häufigsten Antworten:

  • Ausbau von Privatleistungen: 69 Prozent

  • Ausbau von Selbstzahlerleistungen: 66 Prozent

  • Weniger GKV-Termine: 61 Prozent

  • Reduzierung der GKV-Sprechstundenzeiten: 53 Prozent

  • Reduzierung des Versorgungsumfangs: 39 Prozent

Darüber hinaus erwägen 37 Prozent einen Personalabbau oder die Nichtbesetzung frei werdender Stellen. 35 Prozent rechnen mit Leistungskürzungen, 33 Prozent mit einer früheren Praxisabgabe oder einem vorzeitigen Ruhestand. Eine Vier-Tage-Woche ziehen 21 Prozent in Betracht.

15 Prozent der Befragten gaben an, eine Aufgabe ihrer Niederlassung zu erwägen. Nur sechs Prozent planen nach eigenen Angaben keine Veränderungen. Im Durchschnitt nannten die Praxen 4,8 mögliche Maßnahmen.

MEDI warnt vor einer Zwei-Klassen-Medizin

Der Verband selbst geht ebenfalls von einer eher negativen Entwicklung aus. Aus Sicht von MEDI trifft das geplante Gesetz auf eine ambulante Versorgung, die bereits heute unter erheblichem Druck steht. Nach Angaben des Verbands fehlen in Baden-Württemberg derzeit rund 1.000 Hausärztinnen und Hausärzte. Zudem sind 55 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte älter als 55 Jahre. Über alle übrigen Fachgruppen einschließlich der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten hinweg liegt der Anteil der über 55-Jährigen bei 50 Prozent.

„Das sind alarmierende Ergebnisse“, erklärte Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. Die Versorgungslage habe sich durch die demografische Entwicklung, den steigenden Bedarf und den fehlenden Praxisnachwuchs bereits deutlich verschlechtert. Durch die geplanten Sparmaßnahmen werde es nach Einschätzung des Verbands zu weiteren Leistungseinschränkungen kommen.

MEDI Baden-Württemberg warnt deshalb vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungssituation. „Die Honorarkürzungen werden zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen“, sagte Dr. Michael Eckstein, stellvertretender MEDI-Vorsitzender und Hausarzt. Diese Entwicklung sei problematisch und nicht im Sinne der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Der Verband fordert stattdessen umfassende Strukturreformen. Dazu zählt MEDI unter anderem eine strukturierte Patientensteuerung, weniger Bürokratie, eine stärkere Ambulantisierung und eine effizientere Digitalisierung. Auch Haus- und Facharztverträge, wie sie in Baden-Württemberg umgesetzt wurden, sollten nach Ansicht des Verbands weiterentwickelt und bundesweit ausgerollt werden.

Quelle:

MEDI Baden-Württemberg. Die Online-Befragung wurde vom 17. Juli bis zum 3. August 2026 durchgeführt. Befragt wurden Mitglieder und Nicht-Mitglieder des Verbands.

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