SARS-CoV-2-PCR-Tests

Laborverband widerspricht Ärztebund: Keine negativen Auswirkungen durch kostenpflichtige Tests

Kostenlose Corona-Tests für alle gehören ab sofort der Vergangenheit an. Das sieht die Ärztegewerkschaft Marburger Bund kritisch und befürchtet eine neue Ansteckungswelle. Die Fachärzteschaft im Laborverband widerspricht.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat nach dem Ende der kostenlosen Corona-Tests vor einer neuen Ansteckungswelle gewarnt. „Kostenpflichtige Corona-Tests führen dazu, dass sich künftig weniger Menschen mit Symptomen testen lassen werden“, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Susanne Johna den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Das sei ein Einfallstor für eine weitere Übertragung des Virus.

Medizinisch notwendige Corona-Tests weiterhin kostenlos

Die Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. –  wollen das offenbar so nicht stehen lassen. „Menschen mit Symptomen, einer Infektion der Atemwege oder nach Risikokontakt können sich weiterhin kostenfrei, am besten beim Haus- oder Facharzt, auf das Vorliegen einer SARS-CoV-2-Infektion testen lassen“, so Dr. Michael Müller, der 1. Vorsitzende des ALM e.V. Medizinisch notwendige SARS-CoV-2-PCR-Tests seien weiterhin kostenlos erhältlich. Die Kostenpflicht betreffe „nur“ asymptomatische Personen.

Bei Symptomen, bei Verdacht auf eine COVID-19-Erkrankung sowie nach Risikokontakten werden die Kosten für Corona-Test weiterhin übernommen. „Auf jeden Fall ist es wichtig, dass sich auch diejenigen, die nur leichte Symptome haben, testen lassen. So erreichen wir, dass Infektionen erkannt und somit auch mögliche Infektionsketten untersucht werden können. Das bleibt in den kommenden Wochen wichtig“, betont Müller.

ALM e.V: kritisiert Äußerungen der Ärzteschaft

Es sei bedauerlich, dass durch „manche Äußerungen aus der Ärzteschaft in den vergangenen Tagen“ der Eindruck entstehen könnte, dass die Einführung der kostenpflichtigen SARS-CoV-2-Tests zu einer Verschlechterung der Versorgung mit Diagnostik führt, so Dr. Michael Müller. Dieses Missverständnis gelte es zu korrigieren, insbesondere, weil die teils kontroversen Diskussionen hierzu missverständlich sind. „Es kann hier für Bürgerinnen und Bürger der Eindruck entstehen, dass die Kostenpflicht für Tests generell gilt und so medizinisch notwendige Tests nicht mehr als Bestandteil der medizinischen Versorgung möglich sind“, warnt Müller.

Deutlicher Anstieg der Testzahlen erwartet

Der ALM e.V. erwartet in den kommenden kälteren Wochen und Monaten wegen des zu vermutenden Anstiegs an Neuinfektionen sogar eine steigende Zahl von SARS-CoV-2-PCR-Tests. Eine leichte Tendenz zeigt sich schon in der Datenanalyse, an der in der Kalenderwoche 40 insgesamt  179 Labore teilgenommen haben. Hier liegt die Zahl der mittels PCR positiv auf das SARS-CoV-2-Virus Getesteten bei 60.217 und damit vier Prozent über der Vorwoche. Insgesamt wurden 896.261 SARS-CoV-2-PCR-Tests durchgeführt. Das sind sechs Prozent mehr als in der Vorwoche.

Ausreichend Kapazitäten vorhanden

Sollte es durch das Ende der kostenlosen Bürgertests zu noch stärkeren Nachfragen kommen, sind die akkreditierten Labore jedenfalls gut vorbereitet: „Wir haben hierfür mehr als ausreichend Kapazitäten aufgebaut und können bei mehr als zwei Millionen verfügbaren SARS-CoV-2-PCR-Tests pro Woche auf einen gesteigerten Bedarf gut reagieren“, so Evangelos Kotsopoulos, Vorstand im ALM e.V.

ALM e.V. ist der Berufsverband der Akkreditierten Medizinischen Labore (ALM) in Deutschland. Der Verband vertritt derzeit über 200 medizinische Labore mit 900 Fachärzt*innen, rund 500 Naturwissenschaftler*innen und etwa 25.000 qualifizierten Mitarbeiter*innen.

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