Forscher untersuchen Motivation

Schutz gegen Corona: Für wen tragen wir die Maske?

Mitarbeiter zweier Krankenhäuser wurden zu ihrer Motivation zum freiwilligen Tragen der Maske während der COVID-19-Pandemie befragt. Ergebnis: Es gibt verschiedene Beweggründe. Welche dominieren, hängt vor allem vom Alter der Befragten ab.

Der Schutz der eigenen Gesundheit ist generell ein wichtiges Motiv für das freiwillige Tragen einer Gesichtsmaske während der Pandemie. Bei jüngeren Menschen spielt aber der Wunsch, andere zu schützen, eine entscheidende Rolle. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt die kürzlich in PLOS ONE veröffentlichte Befragung von 840 Beschäftigten in zwei Schweizer Krankenhäusern.

Untersuchung bei Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen

Um zu untersuchen, was Menschen dazu bewegt, freiwillig eine Maske zu tragen, führten die Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftler*innen Dr. Ankush Asri, Dr. Viola Asri, Dr. Baiba Renerte und Prof. Dr. Urs Fischbacher der Universität Konstanz gemeinsam mit Ko-Autor*innen aus dem Gesundheitsbereich eine Umfrage unter 840 Beschäftigten zweier Schweizer Krankenhäuser durch. Neben Fragen zum Trageverhalten der Masken wurden auch Selbsteinschätzungen zum Risikoverhalten und zur Uneigennützigkeit der Teilnehmenden erfragt.

Selbstschutz als führende Motivation zum Tragen der Maske

Die Umfrage fand im Juni und Juli 2020 statt. Die erste Welle von SARS-CoV-2-Infektionen war zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz abgeebbt. Die Regionen, in denen sich die beiden Krankenhäuser befinden, waren während der ersten Welle der Pandemie mit unterschiedlichen Infektionsraten konfrontiert. Eine war von einer höheren und eine von einer niedrigeren Inzidenz betroffen. Dennoch herrschten zum Zeitpunkt der Befragung in beiden Regionen die gleichen Vorschriften: Angestellte der Krankenhäuser waren verpflichtet, an ihrem Arbeitsplatz eine Maske zu tragen. Das Tragen von Masken im öffentlichen Raum war jedoch weitestgehend freiwillig.

„Unsere Umfragen zeigen, dass Selbstschutz generell eine wichtige Motivation für das Tragen von Masken ist“, berichtet Dr. Ankush Asri. Die Ergebnisse bestätigen in der Tat, dass Menschen, die sich selbst als risikoscheu beschreiben, in höherer Zahl freiwillig eine Schutzmaske tragen als solche, die sich als risikofreudig beschreiben. Das Ergebnis galt unabhängig davon, in welchem Ausmaß die Region, in der das jeweilige Krankenhaus liegt, von der ersten Welle der Pandemie betroffen war.

Unterschiedliche Motivationen je nach Altersgruppe

In einer detaillierteren Analyse der Umfragedaten wurde zusätzlich zwischen jüngeren Beschäftigten unter 45 Jahren und älteren Beschäftigten oberhalb dieser Grenze unterschieden. Hier stellten die Forschenden eine weitere wichtige Motivation fest. Bei den unter 45-Jährigen aus der stärker betroffenen Region zeigte sich ein Zusammenhang zwischen selbsteingeschätztem Altruismus und dem Maskentragverhalten: Jüngere Krankenhausbeschäftigte, die sich als uneigennützig beschrieben, gaben dort prozentual häufiger an, freiwillig eine Maske zu tragen, als solche, die sich als weniger selbstlos einschätzten.

„Wir vermuten, dass die Vermeidung der eigenen Ansteckung für ältere Beschäftigte die zentrale Motivation für das Maskentragen ist, weil diese tendenziell stärker gefährdet sind, einen schweren Verlauf zu erleiden. Jüngere Beschäftigte dagegen sind möglicherweise weniger darüber besorgt, sich selbst anzustecken, als darüber, jemanden mit höherer Gefährdung anzustecken“, gibt Dr. Viola Asri eine mögliche Erklärung für die Beobachtung.

Fazit der Forscher: Unterschiede in den Handlungsmotivationen zwischen Bevölkerungsschichten, wie die hier gemessenen, könnten relevant für Aufklärungs- und Informationskampagnen sein, die darauf ausgerichtet sind, der breiten Öffentlichkeit gesundheitsbezogene Verhaltensempfehlungen zu geben. Dies gilt nicht nur im Zusammenhang der COVID-19-Pandemie sondern auch in anderen Kontexten. Sie sollten daher, wo bekannt, berücksichtigt werden, um eine möglichst umfangreiche Wirkung zu erzielen, so die Schlussfolgerung der Autor*innen.

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