Aktinische Keratose: Nahrungsergänzung als Therapie?
Sabrina KempeAktinische Keratosen sind Vorstufen von Plattenepithelkarzinomen der Haut, ausgelöst durch übermäßige UV-Strahlung. Es gibt Hinweise, dass Nahrungsergänzung die Standardtherapie unterstützen könnte.
Aktinische Keratosen (AK) treten in lichtexponierten Hautarealen auf, die Prävalenz der Erkrankung steigt mit dem Alter an. Zudem haben immunsupprimierte Menschen ein höheres Risiko, AK auszubilden. Mehr als ein Drittel der europäischen Erwachsenen über 60 Jahren weist eine aktinische Keratose auf, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Therapie erfolgt laut der S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ (Stand Dezember 2022) patientenindividuell meist mit einer Kombination verschiedener Verfahren. So gibt es zum Beispiel topisch-medikamentöse, interventionelle oder chirurgische Therapieoptionen.
Feldkanzerisierung bei aktinischer Keratose aufhalten
Ein Phänomen der AK ist die sogenannte Feldkanzerisierung: Zwar erscheint die Haut, die unmittelbar an die sichtbaren Hautveränderungen angrenzt, normal, könnte aber ebenfalls bereits vom UV-Licht geschädigt sein und dieselben genetischen Alterationen wie die primäre AK aufweisen. An diesen Stellen entwickeln sich besonders häufig weitere AK-Läsionen. Die Therapie zielt deshalb nicht nur auf die einzeln sichtbaren AK ab, sondern auch auf die subklinische Schädigung, um Rückfälle beziehungsweise die Transformation in ein Plattenepithelkarzinom zu verhindern. Der Feldkanzerisierung lässt sich bereits entgegenwirken, indem man die photodynamische Therapie sowie die topischen Medikamente 5-Fluorouracil, Imiquimod, Tirbanibulin und Diclofenac leitliniengerecht anwendet.
Radikalfänger und Antioxidanzien bei AK
Darüber hinaus wirken bestimmte pflanzliche Inhaltsstoffe als Antioxidans, Radikalfänger oder Entzündungshemmer und könnten den therapeutischen Ansatz erweitern. In einem systemischen Review nahmen spanische und italienische Forschende deshalb die Rolle von oralen Bioaktivstoffen, Nutrazeutika oder Nahrungsergänzungsmitteln bei AK unter die Lupe.
In klinischen Studien ergab sich, dass die Nahrungsergänzung mit Polyphenolen wie Polypodium-Leucotomos-Extrakt (PLE) – einem schon von den Ureinwohnern Mittel- und Südamerikas als Sonnenschutz genutzten Farnextrakt – die Hautgesundheit verbessern und das Risiko für Hautkrebs verringern kann. So unterstützt PLE die DNA-Reparaturprozesse in den Stammzellen, was deren Regenerationsfähigkeit stärkt. Zudem wird eine frühzeitige Differenzierung in Keratinozyten und damit die Hautalterung gebremst. Darüber hinaus wirkt der Pflanzenstoff als Radikalfänger und Antioxidans.
Laut präklinischen Daten schützen Polyphenole vor UV-Schäden und neoplastischen Transformationen. Vielversprechend waren hier ebenso Polyphenole aus Rosmarin, Bioflavonoide aus Zitrusfrüchten, Lotusblattextrakt und ein Extrakt aus der Virginischen Zaubernuss (Hamamelis virginiana). Für das Trinken von schwarzem Tee konnte hingegen kein Schutzeffekt festgestellt werden.
Vitamine bei aktinischer Keratose: Wirkung unklar
Die bisherigen Untersuchungen zur Nahrungsergänzung mit Vitaminen sind weniger eindeutig und widersprechen sich teilweise. Zumindest scheint Nikotinamid einen gewissen Schutz vor Hautkrebs und dessen Vorstufen zu besitzen. Einen präventiven Effekt könnte auch die Gabe von Vitamin C sowie von Kalziumkarbonat plus Vitamin D besitzen. Die Forschenden fordern deshalb weitere Untersuchungen zur Bedeutung von Vitaminen und anderen Nahrungsergänzungsmitteln, um die AK-Therapie zu optimieren.
Konsequenter UV-Schutz ist unverzichtbar
Um weiteren UV-Schäden bei bereits bestehenden aktinischen Keratosen vorzubeugen, ist ein konsequenter UV-Schutz mit entsprechender Kleidung und Sonnencreme essenziell.
Rodríguez-Luna A et al. Actas Dermosifiliogr 2025;116:589–610