Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Zwillingsmethode spürt die Krebszellen auf
Dr. Dagmar van ThielUm für die Radiotherapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms die Krebszellen präziser orten und zerstören zu können, haben Dresdner Forscher einen neuartigen diagnostischen Ansatz entwickelt.
Die Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms stellt trotz neuer Strategien eine große Herausforderung dar, da die Therapiemöglichkeiten nach wie vor begrenzt sind und die Prognose ungünstig ist, speziell die der kastrationsresistenten Karzinome (CRPC).
Ein großer Fortschritt in der Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) bedeutet die Entwicklung der Radiopharmaka, insbesondere auf der Basis von Alpha-Strahlern, die sich auf das von den Krebszellen im Überschuss produzierte prostataspezifische Membranantigen (PSMA) richten. Die Medikamente ermöglichen eine selektive und spezifische Zielerfassung sowie eine lokalisierte systemische interne Bestrahlung, die auch als molekulare Strahlentherapie oder gezielte Endoradiotherapie bezeichnet wird.
Actinium-225: Alpha-Therapie schrumpft Tumoren und verbessert Überleben
Klinische Studien belegen, dass eine PSMA-gerichtete Alpha-Therapie unter Verwendung des Isotops Actinium-225 bei Patienten mit mCRPC dazu führt, dass der Tumor schrumpft, die Schmerzen gelindert werden und das Überleben verbessert wird.
Davon profitieren gerade Patienten, die nicht mehr auf herkömmliche Behandlungsmethoden wie Chemotherapie, Immuntherapie und hormonelle Zweitlinienbehandlungen ansprechen oder bei denen diese Optionen versagt haben. Allerdings hängt trotz der vielversprechenden Ergebnisse die klinische Effektivität der Actinium-225-basierten Therapien von einer empfindlichen, präzisen Diagnostik ab.
Als wichtigstes diagnostisches Verfahren gilt die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) unter Verwendung von PSMA-spezifischen radioaktiven Tracern, die bei der Erkennung sowohl primärer als auch metastasierter Läsionen bei mCRPC eine hohe Sensitivität aufweisen.
PET allein reicht nicht aus: Warum die Dosisplanung bislang an Grenzen stößt
Um die Dosis der Radiotherapie individuell genau zu planen, muss aber ermittelt werden, wie sich das Pharmakon im Körper verteilt und wie viel davon die Krebszellen erreicht. Mit der PET gelingt die Sichtbarmachung allerdings nur für wenige Stunden, oftmals zu kurz für eine zuverlässige Dosisplanung.
Deshalb haben Forscher des Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) unter der Leitung von Dr. Constantin Mamat eine neuartige Methode erprobt, die zwei diagnostische Bildgebungsverfahren kombiniert, nämlich neben der PET die Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT). Dieser Ansatz soll künftig eine passgenaue Strahlentherapie ermöglichen.
Radiohybrid-Konzept: Lanthan-133 und Iod-123 kombinieren PET und SPECT
Dazu stellten die Forscher Verbindungen her, die chemisch identisch mit dem Therapiemolekül sind, aber zusätzlich mit zwei Diagnosenukliden beladen werden können. Bei diesem Radiohybrid-Konzept wurde Lanthan-133 für die PET-Bildgebung, die hochaufgelöste dreidimensionale Bilder liefert, mit Iod-123 für die Bildgebung mit SPECT, die Aufnahmen noch 44 Stunden nach der Injektion erlaubt, kombiniert.
Vielversprechende Ergebnisse: Tumoranker PSMA zuverlässig erkannt – auch im Tiermodell
Die Ergebnisse der Experimente zeigten, dass sowohl in Zellkulturen mit menschlichen Prostatakrebszellen als auch in tumortragenden Mäusen alle Verbindungen den Tumoranker PSMA zuverlässig erkannten. Dies bietet die Voraussetzung dafür, dass sich die Strahlendosis individuell berechnen lässt, sowohl tumorwirksam als auch gewebeschonend.
Quellen:Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf
Mamat C. J Med Chem 2026;69(9):11072-11087