Prostatakarzinom: Überflüssige Diagnostik vermeiden
Dr. Dagmar van ThielProgramme zur Früherkennung des Prostatakarzinoms, die den PSA-Test mit Risikostratifizierung kombinieren, können die Zahlen an MRT-Untersuchungen und Biopsien sowie an Übertherapien verringern.
Prostatakrebs-Früherkennung ab 45: PSA-Test statt digitaler rektaler Untersuchung
Seit 2025 ist die digitale, rektale Untersuchung (DRU) passé. Zur Prostatakrebsvorsorge können Männer leitliniengemäß ab dem Alter von 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren einen Bluttest auf Prostata-spezifisches Antigen (PSA) durchführen lassen.
PSA-Grenzwerte und Kontrollintervalle: niedriges, intermediäres und hohes Risiko
Je nach Höhe sollte der Wert kontrolliert werden:
< 1,5 ng/ml bedeutet niedriges Risiko und fünfjährliche Nachtestung,
1,5 ng/ml bis 2,99 ng/ml steht für intermediäres Risiko und zweijährliche Kontrolle,
ein im Dreimonatsabstand wiederholt gemessener Wert von ≥ 3 ng/ml spricht für ein hohes Risiko und eine weiterführende Diagnostik.
Wann ist ein Prostata-MRT sinnvoll – und wann eine Biopsie?
Im Fall eines urologisch bestätigten hohen Risikos für ein Prostatakarzinom sollte eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata veranlasst werden. Bei verdächtigen Befunden kann eine Biopsie indiziert sein.
Überdiagnostik und Übertherapie vermeiden: MRT-Nachfrage im PSA-Screening senken
In der Literatur ist das PSA-basierende Screening auf Prostatakarzinome teils umstritten. Daneben wird der Wert der MRT-Untersuchung unter den Aspekten der Überdiagnostik, der Übertherapie, der breiten Durchführbarkeit und der Gesundheitskosten diskutiert. So auch beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie im März 2026. „Wir wissen, dass Vorsorgeuntersuchungen Leben retten können“, erklärte Prof. Tobias Nordström vom Karolinska-Institut in Stockholm/Schweden.
Allerdings könnte die Einführung bevölkerungsbasierter Prostatakrebs-Screening-Programme in Europa dazu führen, dass rund fünf Millionen Männer allein aufgrund ihres PSA-Wertes zu MRT-Untersuchungen überwiesen würden, betonte Meike van Harten, Doktorandin am Erasmus MC Cancer Institute des Universitätsklinikums in Rotterdam/Niederlande. Es müssten Wege gefunden werden, um die Nachfrage nach MRT-Untersuchungen zu senken, damit bei weniger Männern unnötige Tests gemacht würden und diejenigen, die sie benötigten, rechtzeitig die Chance für eine Diagnose bekämen.
Risikostratifizierung vor MRT: PSA-Dichte und RPCRC-Risikokalkulator im Screening-Prozess
Die Möglichkeit hierzu zeigten unter anderem die Ergebnisse der PRAISE-U-Studie (Prostate Cancer Awareness and Initiative for Screening in the European Union). Darin gelang es anhand eines mehrstufigen Konzepts, das sich aus PSA-Test, Risikostratifizierung, MRT und gezielter Biopsie zusammensetzte, klinisch relevante Prostatakarzinome sicher zu identifizieren und überflüssige Diagnostik zu vermeiden. Im Ergebnis konnte die Zahl der angeforderten MRT um 40 bis 60 Prozent reduziert werden. Zur Risikostratifizierung wurde die PSA-Dichte (das Verhältnis von PSA-Wert und Prostatavolumen) oder der RPCRC-Kalkulator (Rotterdam Prostate Cancer Risk Calculator) herangezogen.
Stockholm3-Test und Biomarker-Algorithmus: aggressive Prostatakarzinome gezielter erkennen
In einer weiteren, schwedischen Studie war eine Teststrategie darauf ausgelegt, aggressive Prostatakrebserkrankungen präzise zu erkennen. Die Studie verglich das auf dem Standard-PSA-Test basierende Screening mit einer Kombination aus PSA und dem Stockholm3-Test. Dabei kam ein Algorithmus zum Einsatz, der Protein- und genetische Biomarker mit klinischen Informationen kombinierte. In der Studie konnte die Notwendigkeit von MRT-Überweisungen um 67 Prozent und von Biopsien um 40 Prozent gesenkt werden.
Die Schwerpunkte ...
... der aktuellen S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom liegen auf einer risikoadaptierten, PSA-basierten Früherkennung, einer erweiterten MRT-Diagnostik und einer Überwachung bei Niedrigrisiko-Tumoren.