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Experten-Interview: Die richtige Anlagestrategie in schwierigen Zeiten

von A&W Online

Fragezeichen vor Geldhaufen, der in einen Abgrund fällt
Foto: fotomek - stock.adobe.com

Mit der richtigen Strategie kann auch in schwierigen Zeiten ein Vermögen aufgebaut werden, sagt Andreas Glogger, Geschäftsführer und Inhaber bei GLOGGER & PARTNER Vermögensverwaltung GmbH.

Was bedeuten zweistellige Inflationsraten für das allgemeine Wohlstandsniveau?

Glogger: Leider spaltet sich dadurch die Gesellschaft immer stärker. Denn gerade die eher niedrigen Einkommensschichten sind nicht in inflationsgesicherten Anlageformen wie Aktien oder Immobilien investiert. Das führt dann unter dem Strich dazu, dass die Armen durch eine hohe Geldentwertung ärmer und die Reichen real betrachtet reicher werden.

Werden wir noch lange mit so hohen Inflationsraten leben müssen?

Glogger: Wir gehen nicht davon aus, dass die Geldentwertung dauerhaft auf dem heutigen Niveau bleiben wird. Es spricht einiges dafür, dass die Inflationsrate schon im Laufe des Jahres 2023 rückläufig sein wird. Was viele zum Beispiel noch gar nicht mitbekommen haben, der Gaspreis ist auf dem Weltmarkt praktisch schon wieder auf Vorkriegsniveau. Auch die Preise für Erdöl und viele andere Rohstoffe sind rückläufig. Das wird irgendwann sowohl beim Heizen als auch bei den Produktionskosten langfristig für Entlastung sorgen. Gleichzeitig normalisieren sich die Transportkosten für Container und auch die Lieferkettenschwierigkeiten werden langsam weniger.

Manche prophezeien schon wieder Zinssenkungen der Notenbanken, Sie auch?

Glogger: Tatsächlich könnten die Aktivitäten der Notenbanken wie eine Gaußsche Normalverteilungskurve ablaufen. Momentan müssen sie, auch wegen des öffentlich zunehmenden Drucks etwas gegen die Geldentwertung zu tun, sehr massiv gegenhalten. Sollte die Inflationsrate aber wirklich in ein oder zwei Jahren in Richtung drei Prozent tendieren, dürfte sich der Fokus bald ändern. Zur Stärkung der Konjunktur könnten dann in der Tat schon sehr bald wieder Zinssenkungen auf der Agenda stehen.

Wie lässt sich in einer Zeit, die von vielen Unsicherheiten geprägt ist, überhaupt noch Vermögen langfristig aufbauen?

Glogger: Solange es uns Menschen gibt, wird es auch erfolgreiche Unternehmen geben. Trotz aller Schwierigkeiten wird weiter gegessen, getrunken und konsumiert. Es gibt eine ganze Reihe von Branchen, die mehr oder weniger krisenresistent sind, das reicht von dringend benötigten Medikamenten bis zu heute nicht mehr wegzudenkenden Computerchips. Hier gilt es dann, die Unternehmen herauszufiltern, die das langfristig erfolgversprechendste Geschäftsmodell haben. Wer sich an so etwas beteiligt, kann auch von Unsicherheiten geprägte Zeiten gelassen überstehen, zeigt meine Erfahrung. Das ist jetzt Krise Nummer 19 in meiner aktiven Börsenzeit. 18 haben wir mit dieser Strategie gut überstanden und auch diesmal wird das funktionieren, davon bin ich fest überzeugt.

Was sagen Sie Pessimisten, die stattdessen einen Vorrat Goldmünzen im Garten vergraben?

Glogger: Das ist strategisch ziemlich sicher nicht der richtige Weg, auch wenn ein kleiner Goldanteil im Vermögen durchaus Sinn machen kann. Wer aber langfristig Vermögen aufbauen will, sollte hauptsächlich auf eine globale Mischung von Anteilen an gut aufgestellten Unternehmen setzen. Das bringt mehr Chancen auf Erträge als ein Goldschatz im Garten und schützt sehr wahrscheinlich besser vor Inflation und möglichen Krisen.

Inflationsprognosen für Deutschland

Die Projektion der Entwicklung der durchschnittlichen Verbraucherpreise unterscheidet sich zum Teil um einige Prozentpunkte, aber in der Tendenz sind sich alle einig: Ab 2024 soll die Geldentwertung wieder deutlich sinken und um oder sogar unter drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegen. Trotzdem sind selbst solche Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen: Zum Beispiel prognostizierte im Herbst 2021 die „Gemeinschaftsdiagnose“, die in Zusammenarbeit der führenden Wirtschaftsinstitute entsteht, für 2022 einen Wert von 2,5 Prozent. Für 2023 sollte die Inflationsrate dann bei lediglich 1,7 Prozent liegen. Die Einschätzung sieht nur zwölf Monate später etwas anders aus.

2022 2023 2024
Quelle: Webseiten der Institutionen, abgefragt 11.11.2022, immer im Vergleich zum Vorjahr
Bundesbank (Juni 2022) 7,1 4,5 2,6
Gemeinschaftsdiagnose (September 2022) 8,4 8,8 2,2
ifo Institut für Wirtschaftsforschung (September 2022) 8,1 9,3 2,4
Institut für Weltwirtschaft IfW Kiel (September 2022) 8,0 8,7 3,1
OECD (September 2022) 8,4 7,6
Institut für Wirtschaftsforschung Halle IWH (September 2022) 7,9 9,5 2,7
Bundesregierung (Oktober 2022) 8,0 7,0 2,4
Internationaler Währungsfonds (Oktober 2022) 8,5 7,2 3,5
EU-Kommission (November 2022) 8,8 7,5 2,9

Autor: Florian Junker

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