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Geldanlagen

Herr Albrech, was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem breiten Markt und der Marktbreite?

Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG Köln
Stephan Albrech, Vermögensverwaltung Albrech & Cie. in Köln

Stephan Albrech: Indizes wie der S&P 500 oder der MSCI World, die Hunderte oder gar Tausende von Aktien umfassen, werden im Allgemeinen als breiter Markt bezeichnet. Die Marktbreite indes gibt an, welcher Anteil der Aktien sich zum Beispiel in einem längerfristigen Aufschwung befindet oder ein neues Hoch bzw. Tief erreicht hat.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Info, die man der Marktbreite entnehmen kann?

Mit der Marktbreite schauen Anleger quasi in den Motor des Aktienmarkts. Aus der Sicht der Vermögensverwaltung ist vor allem die längerfristige Kursentwicklung interessant. Daher achten wir vor allem auf die Frage, wie viele Aktien über oder unter ihrer 200-Tage-Linie liegen.

Warum das?

Eine Aktie, die über ihrem durchschnittlichen Kurs der vergangenen 200 Börsentage notiert, dürfte nach allgemeiner Auffassung auf längere Sicht steigen. Je mehr Aktien dieses Kriterium erfüllen, desto gesünder ist also ein Aufschwung am Aktienmarkt. Für die mittlere Frist ist der gleitende Durchschnitt der letzten 50 Tage ein guter Indikator.

Wieso erkennt man über die Marktbreite denn etwas, das die Aktienindizes so nicht zeigen

Die mögliche Diskrepanz zwischen einem Index und der Marktbreite entsteht, weil die Aktien in den meisten Indizes je nach ihrem Börsenwert ein sehr unterschiedliches Gewicht haben können. So wiegt etwa die Apple-Aktie mit ihren Tausenden von Milliarden an Börsenwert so viel wie Hunderte von kleineren Aktien zusammen. Steigt die Apple-Aktie deutlich, zieht das den Index hoch – auch wenn viele kleinere Titel gar nicht vom Fleck kommen.

Das bedeutet: Anleger sollten immer wieder mal prüfen, wie sich die Marktbreite entwickelt – insbesondere, wenn die Indizes neue Höchststände oder Tiefstkurse erreichen?

Ja, genau. Spannend wird es vor allem, wenn die Indizes steigen, die Marktbreite aber zurückgeht. Diese Diskrepanz zeigt, dass nur wenige große Pferde den Wagen ziehen. Index-Anleger sollten dann weiter investiert bleiben, sich aber nicht von der Euphorie der Märkte übermannen lassen.

Wo können Anleger nachlesen, wie sich die Marktbreite entwickelt?

Auf der Website www.finviz.com etwa wird börsentäglich gezeigt, wie viele Aktien sich über ihrer der 200-Tage-Linie bewegen (SMA200). Diese Informationen sind zwar auf die USA bezogen. Da dieses Land die Kapitalmärkte weltweit stark beeinflusst, sind sie aber auch für Anleger hierzulande nützlich.

Autor: Jürgen Lutz/VBank