apoBank-Studie

Umfrage: 75.900 Euro verdienen angestellte Hausärzte in Praxen

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank hat insgesamt 700 ambulant angestellte Humanmediziner nach ihrem Gehalt gefragt. Die Unterschiede sind in bestimmten Bereichen deutlich. Vor allem Frauen erhalten oft weniger.

Angestellte Ärzte in hausärztlichen Praxen verdienen in Deutschland durchschnittlich 75.900 Euro brutto im Jahr. Dabei bewegen sich die mittleren Jahresgehälter zwischen 60.000 Euro und 88.000 Euro. Im Vergleich dazu erhalten Fachärzte mit 87.600 Euro brutto pro Jahr im Durchschnitt rund 15 Prozent mehr Gehalt – hier variieren die mittleren Einkommen zwischen 65.000 und 102.600 Euro.

Das hat eine Umfrage der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut DocCheck Research ergeben. Insgesamt 700 ambulant angestellte Humanmediziner haben Fragen rund um das Gehalt und das Arbeitsumfeld beantwortet. Auffällig ist, dass Frau im Durchschnitt noch immer deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Spannweite bei den Gehältern ist groß

Über 46.500 Ärzte waren 2020 in Deutschland nach Angaben des Kreditinstituts in der ambulanten Versorgung angestellt. Da für die ambulante Versorgung keine Tarifverträge existieren, orientieren sich die Gehälter der angestellten Ärzte in Praxen und MVZ zwar grob an den Vorgaben für die Kliniken. Aber letztendlich werden sie individuell ausgehandelt.

Entsprechend zeigt sich bei den Umfrageergebnissen von apoBank und DocCheck Research eine große Spannweite bei den Verdiensten. Eine Auswertung nach hausärztlicher und fachärztlicher Tätigkeit offenbart, dass die Gehälter bei Fachärzten noch stärker auseinanderdriften und im Schnitt höher liegen als bei den Hausärzten. Vereinzelt wurden auch Gehälter bis zu 158.900 Euro genannt.

Unterschiede sind durch Abrechnung bedingt

„Ein Grund für die großen Gehaltsunterschiede bei Fachärzten ist sicherlich die Tatsache, dass die verschiedenen Fachrichtungen unterschiedlich hohe Abrechnungsmöglichkeiten haben“, sagt Ramona Krupp, Referentin Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. Insbesondere technikintensive Leistungen, die zum Beispiel Augenärzte, Urologen und Chirurgen erbringen, würden davon profitieren, was sich am Ende auch im Gehalt der Angestellten widerspiegele.

Die Verdienstmöglichkeiten nach Region variieren kaum, die Arbeit in der Kleinstadt oder auf dem Land steht den Angaben zufolge der Arbeit in der Großstadt aus finanzieller Sicht in nichts nach: In ländlichen Regionen mit weniger als 20.000 Einwohnern sei das durchschnittliche Bruttojahresfestgehalt (umsatzunabhängiges Vergütungsmodell) bei Hausärzten mit 78.200 Euro sogar leicht höher als in Großstädten (74.900 Euro), so die apoBank.

In MVZ verdienen Ärztinnen und Ärzte besser

Ein Vergleich der Einrichtungen zeigt laut apoBank-Umfrage, dass in MVZ höhere Gehälter gezahlt werden als in den Praxen – und das unabhängig vom Vergütungsmodell. So liegen die reinen Festgehälter in einer Praxis im Durchschnitt rund 16.500 Euro unter den Gehältern im MVZ; bei einer Umsatzbeteiligung fällt der Unterschied mit 13.600 Euro brutto pro Jahr etwas geringer aus. Ein Gehaltsmodell mit Beteiligung am Umsatz kommt in MVZ häufiger vor als in den Praxen.

In einem MVZ ist das Arbeitspensum nach Aussage der Studienmacher allerdings auch etwas größer: Die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit beträgt dort demnach durchschnittlich 38,5 Stunden – eine Stunde mehr als in einer typischen Praxis. Unterschiede ergeben sich laut der apoBank aber vor allem mit Blick auf die Patientenanzahl pro Quartal pro Arzt. Diese sei im MVZ deutlich höher als in einer Praxis.

Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer

Die in der ambulanten Versorgung angestellten Ärztinnen verdienen der Umfrage zufolge im Durchschnitt 18 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das treffe sowohl auf Haus- als auch auf Fachärztinnen zu, so die apoBank. Damit entspricht die geschlechterbedingte Gehaltslücke bei Humanmedizinern im umsatzunabhängigen Modell dem aktuellen Durchschnitt in der Bevölkerung. Seit 2000 ist der statistische Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern fast konstant.

„Dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen weniger Geld fordern als ihre männlichen Kollegen, ist immer wieder in Untersuchungen zu beobachten“, sagt die Studienleiterin. Die bedeutete auch, dass oft ein großer Verhandlungsspielraum vorhanden ist. „Mit dieser Studie wollen wir erste Anhaltspunkte zu den Arbeitsbedingungen in der ambulanten Medizin liefern und mehr Orientierung bei der Karriereplanung geben“, so Krupp. Denn das Gehalt sei für die Mehrheit der Befragten ein wichtiger Faktor, wenn es um die Zufriedenheit mit dem Job gehe.

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