Gastbeitrag von Uwe Eilers

Finanzexperte: “Kapitallebensversicherungen sind tot!”

Halten Kapitallebensversicherungen noch das, was sie vor Jahren versprochen haben? Finanzexperte Uwe Eilers* erklärt in diesem Beitrag, warum sich eine solche Versicherung seiner Meinung nach längst nicht mehr lohnt.

Der Garantiezins bei Kapitallebensversicherungen sinkt ab 2021 auf 0,5 Prozent. Versicherte müssen dann rund 40 Jahre lang einzahlen, um überhaupt eine Rendite von null Prozent zu bekommen. Rechnet man die Inflation ein, verlieren sie rund die Hälfte ihres Geldes. Das ist der endgültige Tod dieses Anlagevehikels!

Keine Rendite

Anleger, die in den letzten Jahren eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen haben, leiden schon eine ganze Weile und sie merken es meistens nicht einmal. Seit Jahren sinkt der Garantiezins. Vor fünf Jahren betrug er noch „stattliche“ 1,5 Prozent. Doch die wahren Erträge lassen sich aufgrund der Intransparenz der Produkte kaum errechnen. Schon die Kosten für die Absicherung der biometrischen Risiken werden selten transparent gemacht. Auch die Kosten für Vertrieb und Verwaltung der Verträge sind schwer nachvollziehbar.

Wer sich die Mühe macht, merkt schnell: Die Renditen sind in fast allen Fällen weit entfernt von dem, was einmal versprochen wurde. Nicht selten werden am Ende der Laufzeit nur etwas mehr als die Hälfte der ursprünglich versprochenen Gelder ausgezahlt. Mit teilweise verheerenden Folgen. Wer mit der Police ein Immobiliendarlehen tilgen möchte, stellt am Ende der Laufzeit mit Schrecken fest, dass die Summe nicht ausreicht. Die Schulden müssen über viele weitere Jahre getilgt werden.

Unattraktiver Garantiezins  

Der Grund sind die seit Jahren stark gesunkenen Zinsen und die in den meisten Fällen sehr hohe Kostenquote der Versicherungsverträge. Wenn ab 2021 der Garantiezins auf ein halbes Prozent ab 2021 gesenkt wird, werden diese Verträge noch unattraktiver. Denn der neue Garantiezins von 0,5 Prozent ist bei Weitem nicht die künftige Mindestrendite! Die Garantie gilt nur für die Sparquote. Das bedeutet, dass die Abschluss- und Verwaltungskosten sowie die Kosten für die Absicherung der biometrischen Risiken zunächst von den Beiträgen abgezogen werden. Was übrig bleibt, nicht selten maximal 90 Prozent der Anlagesumme, wird mit mindestens 0,5 Prozent verzinst. Anleger müssen die Police also rund 40 Jahre lang ansparen, um überhaupt auf den eingezahlten Beitrag zu kommen. Null Rendite über 40 Jahre bei einer jährlichen Inflation von durchschnittlich 1,5 Prozent bedeuten einen realen Geldverlust von rund 50 Prozent.

Bessere Alternativen

Das macht die Lebensversicherung als Kapitalanlage für Verbraucher komplett uninteressant. Wer für seine Angehörige den Todesfall absichern möchte, fährt mit einer Risikolebensversicherung deutlich günstiger. In Einzelfällen kann der Abschluss einer steuerlich geförderten Police (zum Beispiel Rürup-Basisrente, Direktversicherung oder Riester-Rente) sinnvoll sein. Dann allerdings nur in Form einer Fondspolice. Wer vor mehr als zehn Jahren eine Police abgeschlossen hat, kann sich auch glücklich schätzen. Der neue Garantiezins gilt nur für neu abgeschlossene Lebensversicherungen. Bei Altverträgen ändert sich nichts. Oftmals sind bei diesen Verträgen die garantierten Renditen mit bis zu 4 Prozent noch attraktiv und die angefallenen Gewinne steuerfrei. Alle anderen Kapitallebensversicherungen sind selten sinnvoll, da die Kosten im Regelfall sehr hoch und die Kapitalanlagen wenig ertragreich sind.

*Der Autor: Uwe Eilers ist Vorstand der FV Frankfurter Vermögen AG in Königstein im Taunus.

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