BARMER-Arzneimittelreport

BARMER-Arzneimittelreport: Hausärzte verordnen weniger Medikamente

Der Anteil, den Hausärzte an den Arzneimittelausgaben haben, geht langsam, aber stetig zurück. Die teuersten Medikamente werden vor allem durch Hämatologen und Onkologen verschrieben, wie der aktuelle  BARMER-Arzneimittelreport zeigt.

Laut dem aktuellen BARMER-Arzneimittelreport sank der Anteil der Medikamentenausgaben durch Hausärzte bei den Barmer-Versicherten von fast 40 Prozent in 2016 auf etwa 35 Prozent in 2020. Der Rückgang von 2019 auf 2020 betrug dabei 0,7 Prozent. Der Anteil der Ausgaben durch Onkologen nimmt dafür kontinuierlich zu: Im Vergleich von 2019 zu 2020 ist er um 1,2 Prozentpunkte auf 14,0 Prozent angestiegen.

Der Anstieg der Ausgaben für Arzneimittelverordnungen der niedergelassenen Hämato-/Onkologen von 2019 zu 2020 ist damit auch fast doppelt so hoch wie die Verordnungskosten der niedergelassenen Kardiologen 2020. Auch die Pro-Kopf-Verordnungskosten der Hämatologen/Onkologen sind weiter gestiegen, von 12.825 Euro 2019 auf 13.771 Euro 2020, das heißt um 7,4 Prozent. Damit führen die Hämatologen und Onkologen wie in den vorherigen Jahren die Rangliste der teuersten Verordner mit weitem Abstand an. Im Fünfjahresvergleich (2016 bis 2020) sind die Verordnungskosten pro Patient bei den Hämato-/Onkologen um 55 Prozent gestiegen, im Vergleich zu 3,9 Prozent bei den Hausärzten in der gleichen Zeitspanne.

Wenige teure Medikamente treiben die Ausgaben hoch

Ein Großteil der Ausgaben wird aber nicht für die Masse der Verordnungen verwendet, sondern für einen kleinen Anteil der Patienten bzw. wenige hochpreisige Medikamente. Das belegen die weiteren Zahlen der Ausgabenstatistik: Während 2014 rund 50 Prozent der Ausgaben auf 2,41 der Versicherten entfielen, hat sich dieser Anteil kontinuierlich bis auf 1,83 Prozent 2018, 1,69 Prozent 2019 und 1,72 Prozent in 2020 verringert.

Insgesamt wurden 2020 nur 75 Prozent der BARMER-Versicherten mit verordnungspflichtigen Medikamenten behandelt. Im Durchschnitt lagen die Kosten der Arzneimittelausgaben bei 1.023 Euro pro Versicherten (2019: 953 Euro). Bezieht man die knapp 2 Prozent der Versicherten, die Bedarf an hochpreisigen Medikamenten hatten, in die Betrachtung mit ein, so betrugen die durchschnittlichen Ausgaben für sie 29.735 Euro. Die durchschnittlichen Ausgaben für die restlichen 98 Prozent  BARMER-Versicherten lagen im vergangenen Jahr bei 520 Euro.

Welche Medikamente werden am häufigsten verordnet?

Die Liste der am häufigsten verordneten Wirkstoffe führt Ibuprofen mit 1.564.989 Verordnungen in 2020 an. Auf den Rangpositionen 2, 3 und 4 finden mit Metamizol (1.195.375), Pantoprazol (1.131.427) und Levothyroxin-Natrium (1.020.830).

Mehr behandelte Patienten

Die Zunahme des Einsatzes des Lipidsenkers Rosuvastatin setzt sich seit dem Verlust des Patentschutzes und der Verfügbarkeit als Generikum weiter fort. Immerhin fast 36.510 zusätzliche Versicherte der BARMER haben 2020 im Vergleich zu 2019 eine Therapie mit Rosuvastatin erhalten (+73 Prozent). Noch stärker ist die Anzahl von mit Atorvastatin behandelten Patienten gestiegen (+45.199), was als Zeichen der vermehrten Umsetzung der Empfeh-lungen zu intensiverer Senkung des LDL-Cholesterins zu sehen ist

Auffallend ist außerdem die Zunahme von Schutzimpfungen im Rahmen der personenbezogenen Verordnung: Influenza-, Meningokokken- und Pneumokokken-Impfstoffe sind unter den Top-20-Arzneimitteln mit der stärksten Steigerung der Anzahl behandelter Patienten im Jahr 2020. Dies ist vermutlich vor allem der COVID-19-Pandemie zuzuschreiben, die zu einer größeren Bereitschaft zur Impfung gegen andere Infektionskrankheiten gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geführt zu haben scheint.

Quelle: BARMER-Arzneimittelreport

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