Neues aus der Medizin

Harnwegsinfekt: Keinesfalls nur Frauensache!

Viele Menschen – darunter auch zahlreiche Ärztinnen und Ärzte – glauben, dass nur Frauen mit Blasenentzündungen zu kämpfen haben. Doch weit gefehlt! Rund 40 Prozent aller Männer erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Zystitis.

Auf dem diesjährigen Online-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mahnte die Infektiologin Dr.  Falitsa Mandraka, Köln, zum Umdenken: „Auch heute noch ist in vielen Köpfen drin, dass die Harnwegsinfektion eine Erkrankung der Frau ist, noch dazu speziell der jungen Frau.“ Doch das sei nicht so.

So weiß man zwar, dass häufiger Geschlechtsverkehr die Entstehung einer Blasenentzündung bei Frauen begünstigen kann. Dass es einen ähnlichen Zusammenhang bei Männern gibt, ist allerdings eher unbekannt. Bei ihnen kann häufiger Analverkehr zu einem erhöhten Risiko für eine Zystitis führen.

Männer haben im Gegensatz zu Frauen jedoch seltener einen unkomplizierten Harnwegsinfekt und öfter eine Urosepsis. Acht von zehn Patienten weisen eine Urosepsis durch Obstruktion auf. Diese wird durch Prostatavergrößerung und auch die bei Männern häufiger vorkommenden Nierensteine begünstigt.

Grundsätzlich sollten Männer bei einem Harnwegsinfekt länger therapiert werden als Frauen. Ohne Urosepsis und ohne Nierenbeckenentzündung sollte „er“ sieben Tage lang Antibiotika erhalten, „sie“ benötigt in der Regel einen bis fünf Tage eine Antibiose. Liegt jedoch eine Urosepsis oder eine Nierenbeckenentzündung vor, ist die Behandlungsdauer bei beiden gleich lang.

Anzeige

Kostenfreie Online-Fortbildung – exklusiv für MFA/ZFA & Praxismanager

MFA und Praxismanager bilden den Grundstein jeder Praxis – ohne sie würde der Praxisalltag nicht funktionieren. Doch im geschäftigen Praxisalltag kann es vorkommen, dass wenig Zeit für die indivi... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

Weitere Artikel zum Thema:

Gesundheitsreport 2021

Antibiotika-Verordnungen laut Techniker Krankenkasse auf Rekordtief


Grafik der Woche

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verordnen Kindern weniger Antibiotika


Forschung

Problemfall Antibiotika: Pharma-Hersteller wollen wieder mehr in Forschung investieren


Grafik der Woche

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland


Gesetzesentwurf verabschiedet

Umsatzschwelle für Arzneimittelpreise kommt