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Pubertätsblocker bei Geschlechtsdysphorie

von Melanie Söchtig

Junge sieht im Spiegel ein Mädchen
Foto: Ekaterina - stock.adobe.com

Mitunter entwickeln Kinder bereits früh das Gefühl, im falschen Körper zu leben. Pubertätsblocker können ihnen mehr Zeit verschaffen, um über den Wunsch einer Geschlechtsangleichung nachzudenken. Die Behandlung ist jedoch aus mehreren Gründen stark umstritten. Und was, wenn die Betroffenen ihre Entscheidung später doch bereuen?

Zur Verzögerung der Pubertät werden nach ärztlicher Indikationsstellung sogenannte GnRH-Analoga eingesetzt. Diese hormonähnlichen Substanzen docken an die Bindungsstellen des körpereigenen Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) im Gehirn an. Kontinuierlich angewendet unterdrücken sie die Bildung von Östrogen bzw. Testosteron in Eierstöcken bzw. Hoden.

In einigen Ländern können Transgender-Personen unter 18 Jahren so ihre Pubertät unterdrücken, bis sie gegebenenfalls mit einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie mit Testosteron oder Östradiol beginnen. So auch in den Niederlanden, wo Forschende jetzt den Anteil der Jugendlichen mit Pubertätsunterdrückung untersuchten, die auch als Erwachsene an der Geschlechtsangleichung festhielten.

Forschende verfolgen den Weg der Betroffenen

Für ihre Studie griffen sie auf Daten aus der Amsterdamer Kohorte für Geschlechtsdysphorie (ACOG) von Patienten mit der Diagnose „Geschlechtsdysphorie“, aber ohne Störung der Geschlechtsentwicklung, zurück. Eingeschlossen wurden Personen, die als Minderjährige eine Therapie mit einem GnRH-Agonisten zur Unterdrückung der Pubertät begannen und diese für mindestens drei Monate vor dem Beginn einer hormonellen Geschlechtsangleichung fortführten. Die Daten wurden mit einem landesweiten Verschreibungsregister des niederländischen Statistikamtes (Centraal Bureau voor de Statistiek) abgeglichen, um zu prüfen, ob bei der Nachuntersuchung eine Verschreibung für geschlechtsangleichende Hormone vorlag.

Von den insgesamt 720 eingeschlossenen Personen wurden 220 (31 %) bei der Geburt als männlich und 500 (69 %) als weiblich eingestuft. Zu Beginn der Behandlung mit dem GnRH-Agonisten lag das Durchschnittsalter bei 14,1 bzw. 16,0 für Personen mit biologisch männlichem bzw. weiblichem Geschlecht. Das Durchschnittsalter bei Abschluss der Datenerhebung lag bei 20,2 bzw. 19,2 Jahren.

Fast alle (98 %) Personen, die in ihrer Jugend eine geschlechtsangleichende medizinische Behandlung begonnen hatten, nahmen bei der Nachuntersuchung weiterhin geschlechtsangleichende Hormone ein. Dieses Ergebnis war unabhängig vom Alter beim ersten Besuch, dem Alter und dem Pubertätsstadium bei Beginn der Behandlung mit einem GnRH-Agonisten, dem Alter bei Beginn der geschlechtsangleichenden Hormonbehandlung und einer Gonadektomie.

 

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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