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Ärztinnen und Ärzte wünschen sich mehr finanzielle Sicherheit

von Judith Meister

Ärztin am Schreibtisch
Foto: kzenon - stock.adobe.com

Mehr als zwei Jahre Pandemie haben bei deutschen Heilberuflern ein Umdenken bewirkt. In ihrer Werteskala steht die Familie zwar weiter ganz oben. Doch die Themen Vorsorge und Geld werden immer bedeutsamer.

Bereits zum dritten Mal hat die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) praktizierende Heilberufler sowie Studierende der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie nach ihren Werten, Zielen und Wünschen gefragt. Die Ergebnisse der Studie „Inside Heilberufe III“ belegen: Ihr beruflicher und privater Alltag hat sich während der Corona-Pandemie verändert.

Für die Erhebung interviewte die apoBank rund 500 Angehörige der Heilberufe, darunter Ärztinnen und Ärzte sowie Studentinnen und -studenten. Bei den Berufstätigen stammen die Antworten zu gleichen Teilen von Angestellten und Selbstständigen.

Kinder, Konto und Corona

Welche Bereiche deutschen Heilberuflern am wichtigsten sind, hat sich im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung im Jahr 2016 deutlich verschoben. Für die Mehrheit der Teilnehmer (92 Prozent) steht zwar noch immer die Familie an erster Stelle. Deutlich höher als bisher bewerten die (angehenden) Ärztinnen und Ärzte allerdings die Aspekte der finanziellen Sicherheit und Vorsorge. Dieser Aspekt ist 91 Prozent der Befragten wichtig. Das ist ein Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zu 2016.

Auch weitere materielle Aspekte sind aus Sicht der Befragten wichtiger geworden: Die Bereiche Einkommen und Lebensstandard nannten hier 65 Prozent (zuletzt waren es 58 Prozent). Eigentum steigt von 56 auf 64 Prozent und Vermögensbildung von 55 auf 64 Prozent.

Immerhin: Corona-Einbußen verzeichneten nur wenige Teilnehmer. Lediglich 14 Prozent der Befragten gaben an, dass die Pandemie ihre finanzielle Sicherheit und Vorsorge beeinträchtigt habe. Von negativen Auswirkungen aufs Berufsleben berichten sogar nur neun Prozent.

Die Stimmung wird schlechter

Ganz anders stellt sich die Lage im Privatleben dar. Hier beklagten 82 Prozent, dass die Pandemie sie bei Reisen eingeschränkt habe, 60 Prozent monieren negative Einflüsse auf ihr Freizeitverhalten. 37 Prozent stellten zudem fest, dass die Krise ihren gesunden Lebenswandel und ihre Fitness beeinträchtigt habe. 31 Prozent bemerkten einen unerfreulichen Einfluss aufs Familienleben.

Zudem hat die Pandemie für viele Beteiligte weitere Missstände im Gesundheitswesen offengelegt. Das spiegelt sich auch in der Zufriedenheit mit der eigenen beruflichen Situation wider. Gaben 2016 noch 62 Prozent der Befragten an, zufrieden zu sein, sind es im Jahr 2022 nur noch 51 Prozent. 15 Prozent räumen sogar ein, unzufrieden zu sein. 2016 waren es nur 13 Prozent.

Alarmiert sind die Autoren der Studie aber vor allem von der Gemütslage der Studierenden: Der Anteil der Zufriedenen ging bei ihnen von 71 Prozent im Jahr 2016 auf 44 Prozent im Jahr 2022 zurück. 22 Prozent der Studentinnen und Studenten sind mit ihrer Situation unzufrieden.

Sorgenvoller Blick nach vorne

Auch was die Zukunft des Berufsstandes angeht, ist die Stimmung gedrückt. 67 Prozent der Befragten betrachten inzwischen den Fachkräftemangel als größte Herausforderung für das Gesundheitssystem. 56 Prozent beklagen die ausufernde Bürokratie im Alltag. 69 Prozent wünschen sich weniger staatliche Regulierung und mehr Unabhängigkeit bei ihren beruflichen Entscheidungen.

Jeweils 65 Prozent wünschen sich mehr Zeit für ihre Patienten und eine Arbeitszeitgestaltung.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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